Oliver Krischer will Städteregionsrat werden

Die Städteregionsrats-Kandidaten (4) : Mit dem „Blick von außen“ will Oliver Krischer an die Spitze der Städteregion

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer will am 4. November Städteregionsrat werden. Dass er aus Düren kommt, ist aus seiner Sicht dabei kein Nachteil.

Das hat sich Oliver Krischer wahrlich anders vorgestellt. Am Steling in Mützenich, auf dem mit 658 Metern höchsten Punkt der Städteregion, soll das Gespräch des Grünen-Kandidaten für die Wahl des Städteregionsrates mit unserer Zeitung stattfinden. „Ich fand das als Kind schon faszinierend, dass man dort nur einen Schritt von Belgien entfernt ist und bei gutem Wetter zugleich bis ins Siebengebirge schauen kann.“ Von gutem Wetter gibt es an diesem Morgen allerdings keine Spur. Fünf Grad, Wind und Nieselregen lassen selbst für den Naturliebhaber aus der Eifel keine andere Konsequenz zu: Der Spaziergang auf den Gipfel fällt aus.

Nichts wird es also mit dem Blick „auf eine der spannendsten Regionen in Deutschland“. Die hat der 49-Jährige, der im Heimbacher Stadtteil Hergarten in der Eifel aufgewachsen ist und heute in Düren lebt, unabhängig vom Wetter noch nie aus den Augen verloren, wie er betont. Auch wenn er mittlerweile einen wesentlichen Teil seiner Zeit in Berlin verbringt – seit 2009 als Bundestagsabgeordneter der Grünen und seit 2013 zudem als stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Der Reiz dieser Region, die seit Oktober 2009 Städteregion genannt wird, habe dann auch eine zentrale Rolle bei der Entscheidung gespielt, für die Nachfolge von Städteregionsrat Helmut Etschenberg zu kandidieren. „Hier gibt es ein unglaublich großes Potenzial, auch aus der Grenzlage heraus. Was früher ein Problem war, bietet jetzt viele Chancen“, schwärmt Krischer. Vor dem Strukturwandel, der aus dem Braunkohle-Ausstieg resultieren wird, sei ihm deshalb auch nicht bange. „Uns ist hier schon einmal ein Strukturwandel gelungen“, bleibt der Biologe und Hobby-Ornithologe gelassen. „Das wird der Städteregion mit der Innovationskraft seines Oberzentrums und der darum liegenden Kommunen auch diesmal gelingen.“

Abschied von der Kohle

Diesen Wandel möchte er als Städteregionsrat mitgestalten. Zum Beispiel, indem er sich dafür stark macht, „dass der Abschied von der Kohle nicht nur als Problem, sondern als Zukunftsperspektive wahrgenommen wird“. Immerhin werde durch die Stilllegung des Kraftwerkes in Weisweiler einer der größten Gewerbeflächenstandorte in Nordrhein-Westfalen entstehen. Auch der Klimaschutz profitiere von diesem Wandel: „Wir haben seit einigen Wochen einen regionalen Energieplan vorliegen. Es wird Aufgabe des Städteregionsrates sein, sich darum zu kümmern, dass dieser auch umgesetzt wird.“

In dem Plan, der das Ergebnis des „Regionalen Dialogs Energiewende“ (Render) ist, werden unterschiedliche Szenarien für die verstärkte Nutzung von Windkraft und Sonnenenergie beschrieben. Die Autoren gehen allerdings nicht ganz so weit wie Oliver Krischer, der bei seiner Nominierung am 6. September das Ziel ausgegeben hatte, bis zum Jahr 2030 jedes Dach in der Städteregion mit einer Photovoltaikanlage auszustatten. „Natürlich war das ein Stück weit plakativ“, räumt der Kandidat im Rückblick ein. „Aber es war genau richtig, um klar zu machen, dass die Energiewende von der Politik konsequent vorangetrieben werden muss. Und das nicht nur in Berlin und Düsseldorf.“

Grünen-Kandidat Oliver Krischer im Fragenhagel

Den Kampf gegen den Betrieb der belgischen Atomkraftwerke will Krischer fortführen. „Helmut Etschenberg hat in diesem Punkt Bahnbrechendes geleistet“, lobt er den scheidenden Amtsinhaber für seine politischen und juristischen Bemühungen. Dass der Bundestagsabgeordnete für mehr steht als die Themen Hambach und Tihange, die ihn bundesweit bekannt machten, will Krischer beispielhaft an zwei weiteren Schwerpunkten seines Wahlprogramms aufzeigen. „Wir haben in der Städteregion eine riesige Zahl von Menschen, die arbeitslos und damit in gewisser Weise auch abgehängt sind. Das darf trotz der guten Konjunktur nicht vergessen werden und muss auch mit Hilfe der Städteregion geändert werden.“

Zu einer guten Sozialpolitik gehöre auch eine engagierte Wohnungspolitik. „Die Kommunen, und allen voran die Stadt Aachen, müssen sich viel intensiver um die Schaffung von günstigem Wohnraum kümmern“, fordert Krischer. Dass die Städteregion für ihre Wohnungsbaugesellschaft zwei Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital bereitgestellt hat, „finde ich sehr gut. Daran muss man anknüpfen und darauf hinwirken, dass die Kommunen das Miteinander über das Gegeneinander stellen. Der neue Städteregionsrat muss hier eine deutlich offensivere Rolle übernehmen.“

Keine Angst vor der Verantwortung

Dass er im Falle eines Wahlsiegs Chef einer mehr als 2000 Mitarbeiter zählenden Verwaltung sein wird, schreckt den Bundestagsabgeordneten nicht ab. „Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender kümmere ich mich in Berlin mit darum, dass ein Apparat mit 150 Leuten vernünftig arbeitet“, gibt er zu bedenken. Außerdem habe er den Vorteil, die nötige Distanz für eine gute Führung des großen Apparates zu besitzen. „Nach neun Jahren Städteregion ist es an der Zeit, dass jemand zum Zuge kommt, der nicht an den ganzen Scharmützeln der Vergangenheit beteiligt war.“ Er sei da genau der Richtige, weil er die Dinge von außen betrachte.

Auf den Steling muss er dafür nicht klettern. Aber er wird das, so versichert er, trotzdem bald tun – um den großartigen Ausblick auf eine großartige Region zu genießen. Allerdings nur bei gutem Wetter.

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