Oktober ist Weltbrustkrebsmonat

Gesundheit : Diagnose Brustkrebs: Auf gute Vorsorge kommt es an

Brustkrebs ist die bei Frauen am häufigsten auftretende Krebsart. Alleine in Deutschland gibt es rund 70.000 neue Fälle pro Jahr. Im Oktober, dem Weltbrustkrebsmonat, werben Aachener Ärzte für besondere Sensibilität bei diesem Thema.

Es ist eine Diagnose, die alles verändert: Wenn eine Frau an Brustkrebs erkrankt, prasseln die Fragen nur so auf sie ein. Muss ich sterben? Werde ich meine Brust verlieren? Werde ich eine Chemotherapie machen müssen? Zunächst sei gesagt: Brustkrebs ist die am besten heilbare aller Krebserkrankungen bei Frauen. Sowohl Diagnostik als auch Therapie haben in den vergangenen Jahren riesige Fortschritte gemacht. Und doch müssen sich immer mehr Frauen diese Frage stellen. Denn die Anzahl der Betroffenen steigt.

„Wir gehen von 70.000 neuen Patientinnen und Patienten pro Jahr aus“, erklärt Dr. Mahmud Danaei, Gynäkologe aus Aachen, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Leider wissen wir über die Ursache der Erkrankung noch nicht, was wir wissen wollen, und darum ist eine gute Vorsorge und das frühzeitige Erkennen von Erkrankungen so wichtig“, so der Experte, der am Aachener Marienhospital operiert. Etwa fünf bis sieben Prozent der Betroffenen, so Danaei, erkranken aus genetischen Gründen an Brustkrebs. Bei allen anderen gehen die Ärzte davon aus, dass die Gründe für eine Erkrankung vielfältig sind.

Stress, falsche Ernährung und Alkohol

„Ob Stress, falsche Ernährungsweise, zu viel Alkohol oder zu wenig Bewegung: Die Gründe für eine Krebserkrankung sind vielfältig“, sagt Danaei. Fest stehe nur, dass die meisten der Patientinnen im Alter von 55 bis 60 Jahren zum ersten Mal mit einem Tumor konfrontiert werden. „Doch die Patientinnen werden jünger“, sagt Danaei, der auch Frauen im Alter von Mitte 20 behandelt hat.

Danaei empfiehlt allen Frauen ab 30 Jahren, einmal im Jahr ein Ultraschallbild ihrer Brust anfertigen zu lassen. Im Alter von 50 bis 70 Jahren kommt ein Brustscreening, die sogenannte Mammographie, hinzu. Wenn ein Tumor entdeckt wird, kann in kürzester Zeit auf molekularbiologischer Ebene geklärt werden, mit welchem Tumor man es zu tun hat. Ist er hormonsensitiv oder nicht, ist er vielleicht aggressiv, schnellwachsend?

„Wenn dann eine Frau – oder ein Mann – von Brustkrebs betroffen ist, dann kommt es auf die richtige Kommunikation an“, sagt Danaei. Denn nun müssen viele Entscheidungen getroffen werden. Nicht leicht für die Frau, und darum ist eine gute Begleitung durch Fachleute so wichtig.

Mammographie ist eine der Methoden, um Brustkrebserkrankungen frühzeitig zu erkennen. (Symbolbild). Foto: obs/Viviane Wild

Vielseitige Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie sei dabei genauso vielseitig wie die Ursache der Erkrankung. „Wichtig ist das Zusammenwirken vieler verschiedener Experten. Denn jede Patientin ist anders, jede Brust ist anders, jeder Tumor ist anders“, betont Danaei. Operateur, Radiologe, Anästhesist, Onkologe und Psychoonkologe schauen sich jeden Fall genau an und entscheiden dann, wie die Behandlung aussehen soll. „Die Behandlung eines Brusttumors ist personalisiert und individualisiert, die multidisziplinäre Zusammenarbeit ist unglaublich wichtig“, sagt Danaei.

Und auch über die Ärzteschaft hinaus gebe es viele, die an der Genesung mitwirken, zuallererst die Patientin selbst. Beispielsweise über regelmäßige Patientenforen, wie sie im Marienhospital stattfinden, werden die Frauen auf den neuesten Stand gebracht. Darüber hinaus gibt es speziell ausgebildete Brustfachschwestern, Selbsthilfegruppen und andere Einrichtungen, die bei der Bewältigung von Schwierigkeiten helfen, die in dieser Zeit auf die Frau zukommen.

Auch Männer sind betroffen

Und nicht nur für Frauen ist Brustkrebs ein Thema. „Zwei Prozent unserer Patienten sind männlich“, sagt Danaei. Bei männlichen Patienten werde die Krankheit leider meist etwas später erkannt – eben weil sie kaum jemand auf dem Schirm hat. „Viele Männer nehmen Brustkrebs bei ihren Geschlechtsgenossen auch immer noch nicht ernst.“

Ebenso wie Diagnostik und Therapie müsse auch die Nachsorge zielgerichtet sein. „Wir bieten heute eine engmaschige Kontrolle der Betroffenen über einen langen Zeitraum an“, sagt Danaei, der betont, dass man gerade bei Brustkrebs oft eine vollständige Heilung erreiche. Ein wesentlicher Aspekt dabei sei neben der richtigen Medikation auch das Wohlbefinden.

Die Angst besiegen

Und das ist ein Grund, warum er auch dafür wirbt, dass die Patientinnen sich um ihr Wohlbefinden kümmern. „Auch die weibliche Identität, um die viele Patientinnen fürchten, haben wir auf dem Schirm.“ Viele Frauen machten sich Sorgen, ob ihre Brust abgesetzt werden muss. „Das kann ein traumatisches Erlebnis sein“; weiß Danaei. Doch die Brustchirurgie, die auch immer plastische Chirurgie sei, biete mittlerweile viele Möglichkeiten des Brustaufbaus an. „Wichtig ist, dass wir den Patientinnen dabei helfen, keine Angst zu haben.“

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