Aachen: Ohne ehrenamtliche Helfer läuft bei der Heiligtumsfahrt nichts

Aachen : Ohne ehrenamtliche Helfer läuft bei der Heiligtumsfahrt nichts

Gäbe es die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht, dann gäbe es die Heiligtumsfahrt in dieser Form gar nicht. Das Gelingen des christlichen Pilgerereignisses hängt nicht nur von den vielen Bischöfen und Kardinälen ab, die es alle sieben Jahre nach Aachen zieht.

Es steht und fällt vielmehr mit den Herren des Ehrendienstes, den Karlsschützen, den Forster Katharinaschützen, den Rettungssanitätern und -assistenten des Malteser Hilfsdienstes und den vielen Helfern, die den Pilgern bereitwillig, herzlich und freundlich Auskunft erteilen, und auch jenen, die auf dem Katschhof ständig 1640 Stühle rücken, weil mal der Platz ohne Stühle benutzt wird, zu den Messen aber wieder die Stühle sauber geputzt aufgestellt werden müssen.

Ein Jahr lang bereitete Jürgen Sevenich, hier an der Vitrine mit dem Hüfttuch Jesu, die Arbeit seines Ehrendienstes vor. Foto: Andreas Herrmann

Ganz besondere Rolle

Eine ganz besondere Rolle spielt der Ehrendienst. „Für mich ist das ein Fulltime-Job“, sagt der Chef des Ehrendienstes, Jürgen Sevenich, der seine umfangreiche ehrenamtliche Tätigkeit nur deshalb leisten kann, weil er Rentner ist. 65 Männer gehören dem Ehrendienst an, der überall dort ordnend eingreift und hilft, wo es nötig ist. „Wir beginnen morgens um 7 Uhr und schließen den Dom um 23 Uhr“, sagt Sevenich. In der Zwischenzeit haben die Männer, die meist älteren Semesters sind, alle Hände voll zu tun.

Bei den Pilgermessen sind stets 18 auf dem Katschhof auf Achse. Sie weisen den gemeldeten Pilgergruppen ihre Plätze zu, sie begleiten die Kommunionausteiler zu ihren Plätzen. „Die wüssten sonst nicht, wo sie stehen müssen.“ Und — ganz wichtig — sie bewachen die Heiligtümer im Dom, wenn pro Tag Tausende an ihnen vorüberziehen, um sie zu verehren.

Weiße Handschuhe tragen die Ehrendienst-Herren, damit nehmen sie die Rosenkränze, die Goldkettchen mit Kreuzanhänger und andere persönliche Kleinigkeiten, um sie unter den Lendenschurz Jesu, die Windel Christi oder das Enthauptungstuch des Johannes zu halten. Den vorbeiziehenden Gläubigen ist dabei die Frömmigkeit anzusehen, ihr tiefer Glaube, dass von den Heiligtümern eine große Kraft auf ihre kleinen frommen Dinge hernieder kommt.

Erstaunlich viele Frauen, fast alle aus dem Süden Europas oder aus Asien, tragen die traditionellen Spitzentücher auf ihren Köpfen, die man eigentlich nur noch in alten Spielfilmen zu sehen bekommt. Viele ältere Pilger sitzen im unbequemen Chorgestühl des Glashauses, in dem auch die Vitrinen mit den Tuchreliquien aufgestellt sind, und beten innig.

„Bitte nicht blitzen“

„Bitte, blitzen Sie nicht beim Fotografieren“, ist die durchaus freundliche Aufforderung an die Wallfahrer, die knipsen wollen. Aber auch die Pilger sind die Ruhe selbst, sie warten geduldig draußen vor dem Dom — die Schlange reicht bis vom Gittertor zum Fischmarkt hin quer über den Domplatz hin und zieht sich langsam durch Domeingang und Oktogon. Gebrechlichen Personen helfen Einsatzkräfte des MHD die Treppen hinauf, auch die Domschweizer sind hilfreich — ohne ihre strenge Miene, die sie sonst aufsetzen.

„Ja, jede Heiligtumsfahrt ändert die Atmosphäre ins Positive“, bestätigt Jürgen Sevenich. Ein Jahr lang hat er das Großevent für seine Ehrendienstler vorbereitet, hat sie bei einem Treffen auf ihre Aufgaben vorbereitet und dafür gesorgt, dass sie einen Auffrischungslehrgang in Erster Hilfe bekamen. Sein Einsatzplan für zehn Tage Heiligtumsfahrt umfasst immerhin 20 DIN-A4-Seiten.

Vier Stunden dauert der jeweilige Dienst als Reliquienwache im Dom, „aber zwischendurch können sich die Kollegen durchaus mal auf ein Tässchen Kaffee und ein Brötchen in die Domsingschule zurückziehen“, erläutert Sevenich. „Da versorgt uns Angelika Krott, die gute Seele der Grundschule, ausgesprochen gut.“

Die zehn Tage Heiligtumsfahrt in Aachen seien durchaus anstrengend. Die Frage, ob er denn froh sei, wenn alles vorbei ist, beantwortet er mit einem „Ja“ und einem „Nein“. „Ja“, weil der Stress dann vorbei sei, „Nein“, weil es auch irgendwie schade sei. „Die Zeit ist auch ziemlich anstrengend, schließlich stehen oder laufen wir den ganzen Tag“, verdeutlich Sevenich.

Dennoch, schon lange Zeit fieberte er geradezu auf die Heiligtumsfahrt hin, denn die sieben Jahre dazwischen seien doch eine sehr lange Zeit. „Das ist meine vierte Wallfahrt, und jede ist anders. Diese hat etwas ganz Besonderes“, findet Sevenich. Das sei auch an der Menge der Pilger zu bemerken, „die mit weitaus mehr Personen kommen, als dies die letzten Male der Fall war.“

Nach der Aachen-Fahrt aber gehe es weiter. Der Ehrendienst des Doms habe das ganze Jahr über viel zu tun. „Natürlich nicht mit diesem massiven Einsatz an Personal, da können wir es ruhiger angehen lassen, aber da sein müssen wir schon“, ist dem Ober-Ehrendienst klar. Dunkle Anzüge mit weißen Hemden tragen sie, dazu von der Pax-Bank gesponserte graue Krawatten mit Domemblem und am Revers eine Nadel mit dem doppelköpfigen Adler und den Bourbonen-Lilien, die ganz dem Wappen des Domkapitels, des ehemaligen Stiftskapitels, entsprechen.

Zusammen arbeiten und feiern

„Wir können mit allen gut zusammenarbeiten“, unterstreicht Sevenich. Und deshalb könnten sie alle auch zusammen gut feiern. „Franz-Josef Staat plant als Organisationsleiter, bald für alle ehrenamtlichen Helfer eine Feier auszurichten.“

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