Aachen: Offenheit und Spontaneität kamen sehr gut an

Aachen : Offenheit und Spontaneität kamen sehr gut an

Lebendigkeit und Spontaneität — das sind Begriffe, die bislang selten mit den eher staatstragenden Karlspreisverleihungen in Verbindung gebracht wurden. Doch bei seinem regionalen Heimspiel im Krönungssaal des Rathauses schaffte es Preisträger Martin Schulz, sich mit einer emotionalen Rede in die Herzen der Menschen zu drängen.

Auch die zusätzlichen Ansprachen des französischen Präsidenten François Hollande, des jordanischen Königs Abdullah II. sowie der Auftritt des Musikers Peter Maffay waren absolute Highlights, wie bei der Nachlese in der Aula Carolina offenbar wurde.

Aachens CDU-Vorsitzende Ulla Thönnissen lobte die „stilvollen Reden“. Foto: Harald Krömer

So hatte es der Aachener CDU-Vorsitzenden Ulla Thönnissen schlicht und einfach„sehr gut“ gefallen. „Die Reden waren alle sehr stilvoll, ich bin begeistert“, sagt die Landtagsabgeordnete den „Nachrichten“. Das Urteil galt auch für die musikalische Einlage von Rockmusiker Peter Maffay, der sich mit dem Song „Über sieben Brücken mußt du gehn“ in die Herzen sang.

Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach erlebte eine „beeindruckende Veranstaltung“.

Historischer wie politischer Themenspezialist ist zweifelsfrei Max Kerner, Prof. em. für Geschichte. „Er war großartig. Und es war ein großartiges Ereignis, der Karlspreis 2015“, sagte Kerner sichtlich angetan und euphorisiert. Das habe sehr viel mit „der Glaubwürdigkeit und Authentizität des Preisträgers“ zu tun, lobte der Geschichtsprofessor und Karls-Experte die Lockerheit und Direktheit des Mannes aus Würselen. Ihm persönlich habe eine Wortschöpfung besonders imponiert. „Das schönste Wort, das ich da gehört habe, ist die Formulierung ‚ich bin ein Instinkt-Europäer‘“, schwärmte Kerner.

Prof. Max Kerner gefiel die „Glaubwürdigkeit des Preisträgers“.

Der SPD-Vorsitzende Karl Schultheis war gar nicht zu bremsen: „Hervorragend, bestens, toll“, sprudelte es aus dem Landtagsabgeordneten heraus. Das große Lob galt nicht nur dem Parteifreund Martin Schulz, sondern zweifellos allen Reden, ausdrücklich eingeschlossen der des Oberbürgermeisters. Es seien alles „Reden mit Perspektiven“ gewesen, antwortete Schultheis auf die Frage, ob die große Feierstunde im Krönungssaal Europa denn auch weiterbringe. Das Ganze „war gut gemacht und wird sich in den Köpfen verankern“.

Signal für mehr Demokratie

FDP-Mann Wilhelm Helg sah auf ein „besonderes und würdiges Event“ zurück. Martin Schulz habe ein deutliches Signal für mehr Demokratie nach außen hin gesetzt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt, Harald Baal, fand die ganze Sache schlicht „schön“. „Es war eine hochkarätige Besetzung und eine große Veranstaltung“, diagnostizierte Baal sehr richtig, die Reden seien abwechslungsreich in den Themen gewesen. „Wann hat man schon einmal einen französischen und einen deutschen Präsidenten, einen spanischen und einen jordanischen König zusammen“, verneigte sich Baal, das sei „gut gelungen“.

Die grüne Stadträtin Sabine Göddenhenrich bewertete die Rede von Martin Schulz „als stark“. besonders freue sie, dass es keine Veranstaltung war, auf der nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ herrschte. Die selbstkritischen Worte zum derzeitigen Zustand des europäischen Hauses rechnete sie Martin Schulz hoch an, ebenso wie die offenen Worte von Oberbürgermeister Marcel Philipp zur Flüchtlingspolitik.

Aachens Polizeipräsident Dirk Weins­pach, der nach seinem Amtsantritt zum ersten Mal bei einem Karlspreis zugegen war, machte eine „sehr beeindruckende Veranstaltung“ aus. Und aus seiner Sicht das Tollste: „Es gab nach meiner Kenntnis bislang keinen Zwischenfall“, resümierte er kurz nach dem Ende der Zeremonie. Die Zahl der Gäste und ihre Begeisterung zeige, so Weinspach, „eine große Anerkennung für und Wertschätzung von Martin Schulz“, bewertete Aachens erster Polizist die Sache. Auch er lobte OB Marcel Philipp für seinen offenen Einsatz in der Frage der Aufnahme von Flüchtlingen.

Für Bürger verständlich

Bürgermeister Björn Jansen (SPD) wiederum begeisterte das Schulz-Bild, dass Europa aufgefordert sei, die „Fenster des europäischen Hauses nach außen zu den Bürgern“ zu öffnen. Und seine Warnung vor einem Rückfall in die Nationalstaatlichkeit war für Jansen eine ganz entscheidende politische Aussage.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) diagnostizierte spontan „ein Highlight für die Region“. Schulz könne das und bringe die Probleme Europas „verständlich für die Bürger“ rüber, er lebe das Ganze und zeige authentisch das, „was Europa ist“. Das diesjährige „Karlspreis-Format“ sei auch mit der Musiker-Einlage „sehr erfrischend“ gewesen, lobte Etschenberg.

Für die Landtagsabgeordnete Daniela Jansen (SPD) war die Rede von Martin Schulz ein deutliches politisches Zeichen. Auf die Frage, ob die Verleihung Europa weitergebracht habe, sagte sie spontan „ja“, Parteifreund Schulz stehe für offene Worte und garantiere Fortschritte in Europa: „Wir haben nicht umsonst im letzten Jahr die Vergabe an Ratspräsident van Rompuy boykottiert“, setzte die Landtagsabgeordnete deutliche Zeichen.