Brand: Ökumenische Partnerschaft in Brand

Brand : Ökumenische Partnerschaft in Brand

„Natürlich können wir die großen theologischen Probleme, die uns trennen, nicht lösen, aber viele Schritte führen irgendwann zum Ziel“, hat Pfarrer Ralf Freyaldenhoven im Pfarrbrief Nr. 7 in Bezug auf die Ökumene geschrieben.

Ein nächster gemeinsamer Schritt der katholischen Gemeinde St. Donatus mit der evangelischen Gemeinde Stolberg, Seelsorgebezirk Martin-Luther-Kirche in Brand, ist das offizielle Eingehen einer ökumenischen Partnerschaft. Sie wird am Samstag, 23. Juni, zum Abschluss der ökumenischen Kinderbibelwoche und vor Beginn des ökumenischen Kirchenfestes von den Pfarrern Freyaldenhoven (St. Donatus) und Uwe Loeper (Martin-Luther-Kirche) unterzeichnet.

... und der evangelische Pfarrer Uwe Loeper. Foto: R. Roeger

In der Nachbarschaft

Die ökumenische Partnerschaft der beiden Brander Gemeinden basiert auf einer Rahmenvereinbarung des Aachener Bischofs, Helmut Dieser, und des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, anlässlich des Reformationsjubiläums im vergangenen Jahr. Darin heißt es: „Sie will die ökumenische Gemeinschaft zwischen Kirchengemeinden und Pfarreien in der überschaubaren Nachbarschaft stärken und fördern und dafür einen verbindlichen Maßstab setzen.“

Genau dieser verbindliche Maßstab ist wohl das tatsächlich Neue, wenn die Unterschriften der beiden Brander Pfarrer unter dem Dokument getrocknet sind. Denn inhaltlich arbeiten die beiden Gemeinden schon seit langem eng zusammen: Ökumenische Gottesdienste für Schüler und erwachsene Gläubige, die ökumenische Kinderbibelwoche, alle drei Jahre ein ökumenisches Kirchenfest, Zusammenarbeit in der Flüchtlingsarbeit, im Ökumenischen Bildungswerk und nicht zuletzt im Sachausschuss „Ökumene“ — die Liste der selbstverständlich gemeinsamen Aktivitäten ist lang.

„1998 haben wir das erste ökumenische Kirchenfest gefeiert“, erzählt Loeper, der seit 1994 die evangelische Gemeinde an der Martin-Luther-Kirche betreut. Seither sei die Verwebung von katholischen und evangelischen Christen in den verschiedenen Gruppen immer stärker gewachsen. „Unsere Konfirmanden schicke ich selbstverständlich zu Mobilé, dem offenen Jugendangebot von St. Donatus. Eine tolle Einrichtung“, nennt Loeper schwärmend nur ein Beispiel von vielen. Berührungsängste zwischen Katholiken und Protestanten nehmen Loeper und Freyaldenhoven nur sehr selten wahr.

Kleiner Partner

Natürlich sei sich die evangelische Gemeinde bewusst, dass sie mit 2700 Gemeindegliedern und nur einem Hauptamtlichen gegenüber über 17 000 Katholiken von St. Donatus der kleine Partner sei. „Doch spüren lassen uns das unsere katholischen Brüder und Schwestern nicht“, so Loeper. Freyaldenhoven meint: „Wir haben die gleichen Probleme mit der Säkularisierung und dem Glaubensverlust in der Gesellschaft. Viele Kinder wissen gar nicht mehr, ob sie evangelisch oder katholisch sind.“

Negieren können und wollen die beiden Geistlichen die Unterschiede allerdings bei aller Normalität von Ökumene in Brand nicht. Für viele Gläubige steht da das Verständnis von Eucharistie und Abendmahl an erster Stelle. Doch Freyaldenhoven gibt zu bedenken: „Dieses Nicht-Zusammenkommen liegt ja ganz wesentlich an einem unterschiedlichen Amtsverständnis. Wir können nur einen positiven Blick auf die Vielfalt des christlichen Glaubens werfen, wenn ich um diese Unterschiede weiß.“

Es hindert die beiden Pfarrer und damit auch die beiden Gemeinden ohnehin in nur sehr wenigen Fällen, gemeinsam zu agieren. Sich vertreten bei Beerdigungen, ökumenischen Trauungen und sogar die Übernahme eines evangelischen Gottesdienstes durch Freyaldenhoven während des Reformationsjubiläums — das alles ist möglich und wird von beiden Gemeinden und den Gläubigen rege genutzt.

„Sehr pragmatisch“

„Dass gemischt-konfessionelle Ehepartner in der katholischen Kirche nicht gemeinsam zur Eucharistie gehen können, ist doch tatsächlich nur für wenige wirklich dramatisch. Viele gehen damit einfach sehr pragmatisch um“, betont Freyaldenhoven die Realität des Gottesdienstes.

Viel wichtiger, als sich in theologische Streitigkeiten zu verstricken, sind beiden angesichts des allgemeinen Glaubensverlustes die Kasualien — die christlichen Dienste wie Taufen, Beerdigungen und Trauungen. Dort treffen beide Pfarrer in der Mehrheit auf Menschen, die keinen innigen Bezug zu ihrer Kirchengemeinde oder dem Glauben an sich haben. „Von den 10 000 Menschen, die wir da jedes Jahr treffen, stehen sicherlich 8500 am Rand der Kirche. Dort ist es wichtig, den Menschen etwas mitzugeben“, sagt Freyaldenhoven und wird von Loeper kopfnickend bestätigt.

Viele Schritte führen eben zum Ziel — und das liegt für Freyaldenhoven wie für Loeper vor allem im Erhalt des christlichen Glaubens. Egal, ob der nun katholisch oder evangelisch betitelt wird.

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