Aachen: Öffentlicher Appell: Mehr Tempo 30-Zonen

Aachen : Öffentlicher Appell: Mehr Tempo 30-Zonen

„Die Öcher Luft macht krank“, sagen Norbert Rath vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Kreisverband Aachen und Ralf Oswald für den Verkehrsclub Deutschland Kreisverband Aachen — Düren. Ihre beiden Verbände mit Sitz im Welthaus an der Aachener Schanz beobachten die Belastungssituation von Feinstaub und Stickoxid in der Stadt kritisch.

„Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren nicht wirklich verbessert. Wir müssen dringend handeln und wollen deshalb öffentlich an die Politik und die Bürger appellieren“, betont Oswald. Die Feinstaubwerte seien seit 2013 immer noch deutlich überhöht. „Es gibt nur fünf Städte in Deutschland, die noch höhere Feinstaubwerte haben als Aachen. Ein trauriger Rekord“, stellt Oswald fest.

2013 habe es 46 sogenannte Überschreitungstage des Höchstwertes gegeben. Auch die Stickoxidwerte liegen an den zwei Messstationen des Landesumweltamtes am Adalbertsteinweg und an der Wilhelmstraße deutlich über der vorgeschriebenen Grenze von 40 Mikrogramm, erreichen sogar 50 Mikrogramm. „Diese Werte gefährden die Gesundheit der Bürger. Man riecht die schmutzige Luft zwar nicht unbedingt, aber die Auswirkungen sind gravierend“, unterstreicht Oswald. 2013 habe es in ganz Deutschland 50.000 vorzeitige Todesfälle durch Folgen von Luftverschmutzung gegegeben. Im Vergleich dazu stehe die Zahl der Verkehrstoten in Höhe von 3.350. „Wir müssen für die Luftreinheit ebenso viel tun wie für die Verkehrssicherheit“, betonen Oswald und Rath.

Im Jahr 2009 hat die Stadt Aachen unter Beteiligung vieler Organisationen mit der Bezirksregierung Köln einen Luftreinhalteplan abgestimmt. Auslöser für die Erstellung des Planes waren erhebliche Grenzwertüberschreitungen bei Stickoxiden und Feinstaub. Dort sind verschiedene Maßnahmen festgelegt worden, die zu sauberer Luft in Aachen führen sollen. Hierzu zählten zum Beispiel die Förderung des Umstiegs auf das Fahrrad und den öffentlichen Nahverkehr mit Bus und Bahn. Wegen dieses Maßnahmenpakets sah sich die Bezirksregierung dazu veranlasst, auf die Einführung einer Umweltzone in Aachen vorerst zu verzichten.

Aachener Weg

Der sogenannte Aachener Weg, eine Kombination verschiedener nachhaltiger Maßnahmen als Alternative zu einer Umweltzone habe sich nicht als Erfolgsmodell herausgestellt.

Hauptursache ist laut Oswald der Verkehr. Auch die Großbaustelle am Kaiserplatz habe die Feinstaubwerte in der Innenstadt erhöht. „Dies ist aber kein Argument für die immer noch zu hohen Werte. Hauptquelle ist der Individualverkehr“, stellt Oswald fest.

Ziel der Bemühungen der Politik sei gewesen, den Autoverkehr zu reduzieren, wozu unter anderem 10.000 neue Jobtickets und eine Verbesserung des Radverkehrs führen sollten. „Noch immer aber sind die Radwege nicht ideal ausgebaut und markiert. Die Kapazitäten der öffentlichen verkehrsmittel reichen auf den Hauptstrecken und zu den wichtigsten zeiten nicht aus“, betont Rath.

In den Maßnahmenvorschlägen an die Bezirksregierung Köln geht es darum, Alternativen zum Individualverkehr zu schaffen beziehungsweise zu verbessern. Konkret fordern der ADFC und der VCD mehr Tempo-30-Zonen, ein Rad-Vorrang-Netz, einen Ausbau der Kapazitäten im ÖPNV, höhere Parkgebühren im öffentlichen Straßenraum, ein verbessertes Stellplatzkonzept für den Radverkehr und einen Baustopp für neue Parkhäuser.

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