ÖDP-Kandidat Marcel Foré

Die Städteregionsrats-Kandidaten (1) : Marcel Foré setzt auf mehr Mitsprache

Die erste Hürde hat Marcel Foré mit Leichtigkeit genommen: Für die Zulassung zur Wahl des Städteregionsrates musste er 360 Unterstützerunterschriften vorlegen, weil seine Partei, die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), weder im Städteregionstag noch im Land- oder Bundestag vertreten ist.

Am Ende waren mehr als 600 Unterschriften zusammengekommen. Foré sieht sich bestätigt: „Wir werden immer stärker.“

Dass er sich ernsthafte Chancen auf den Sieg bei der Städteregionsratswahl macht, will der 40-Jährige damit allerdings nicht zum Ausdruck bringen. „Die Übermacht der großen Parteien muss man schon anerkennen – zumindest noch“, räumt er ein. „Die Unterschiede fangen schon bei den finanziellen Möglichkeiten an. Besonders auffällig ist das bei der CDU. Die wirbt doch an jeder Ecke mit Plakaten für ihren Kandidaten.“

Marcel Foré kann da mit seiner ÖDP nicht mithalten. Aber eigentlich will er das auch gar nicht, denn er sieht sich als Vertreter einer Partei, die für eine andere Art der Demokratie steht als die etablierte Konkurrenz: „Der Mensch und Bürger muss wieder mehr in den Blickpunkt geraten.“ Als er das so sagt, blickt Foré selbst gerade vom Aachener Lousberg hinab, der sich, wie er findet, sehr gut als symbolhafter Ort und Wahrzeichen der Städteregion eignet. Er ist gerne und oft hier oben, „weil man von hier eine wunderbare Aussicht auf Aachen und weite Teile der anderen regionsangehörigen Kommunen hat“.

Der Ökologisch-Demokratischen Partei, deren stellvertretender Kreisvorsitzender er seit dem Sommer ist, zu größerer Popularität zu verhelfen, ist für den gebürtigen Aachener, der sich für den 1. FC Köln begeistert und mit Frau und Tochter seit 2011 im Stolberger Stadtteil Werth lebt, das langfristige Projekt, dem er sich verschrieben hat. Und die Kandidatur für das Amt des Städteregionsrates ist in diesem Sinne nur ein erster wichtiger Schritt. „Diese Wahl bietet die Chance, unseren Bekanntheitsgrad deutlich zu steigern“, ist Marcel Foré überzeugt.

So könne ein Fundament in der Städteregion geschaffen werden, auf dem die ÖDP 2020 aufbauen werde, wenn die nächsten Kommunalwahlen auf dem Programm stehen werden. Dann soll es eine weitere Premiere gegeben. Denn auch zur Wahl des Städteregionstages sowie vor 2009 des Kreistages ist die ÖDP noch nie angetreten. „Mensch vor Profit“ lautet der Slogan, mit dem Marcel Foré in den Wahlkampf gezogen ist.

Den Umwelt- und Klimaschutz will er über die Gewinnmaximierung der Konzerne stellen, den Kampf gegen die belgischen Atomkraftwerke in Tihange und Doel fortsetzen. „Wir waren schließlich gemeinsam mit der Anti-AKW-Bewegung die Vorreiter, als wir 2013 zur ersten Demo am Dreiländerpunkt aufgerufen haben“, betont Foré. Weit oben auf der Prioritätenliste des ÖDP-Kandidaten steht auch das Thema Inklusion. „Wir brauchen durchdachte Konzepte für behinderte Menschen, und nicht nur die, die offensichtlich behindert sind.“

Diesen Menschen müsse die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und eine dauerhafte Berufstätigkeit ermöglicht werden. Den Schlüssel dazu sieht Foré in kommunalen Beschäftigungsgesellschaften und der Umsetzung eines Kombilohnmodells. „Hier kann die Städteregion mit gutem Beispiel vorangehen.“

„Es gibt viele Fördertöpfe“

Das gelte auch weiterhin für das Inklusionsamt, mit dessen Gründung im April 2014 die Städteregion ein vorbildliches Projekt gestartet habe. „Damit das Inklusionsamt wirkungsvoller arbeiten kann, muss es finanziell und personell gestärkt werden“, fordert Marcel Foré. Das könne mit städteregionalen Mitteln geschehen. „Es gibt aber auch viele Fördertöpfe auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene, die man hierfür nutzen kann.“ Ebenso wie für Investitionen in den Ausbau eines kostengünstigen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Forés Credo dazu: „Wir müssen unsere Wohn- und Verkehrslandschaft mit Vernunft und gegenseitiger Rücksichtnahme gestalten. Und das unter dem Dach einer starken Städteregion.“

Für diese Stärke will Marcel Foré kämpfen, er will die Kompetenzen der Städteregion ausweiten und die Stadt Aachen mehr in die Pflicht nehmen. „Ganz oder gar nicht“, sagt er und meint damit: „Wo immer es möglich ist, sollten wir zentralisieren, die Strukturen damit vereinfachen und die Kompetenzen bündeln. Auch wenn damit der ein oder andere Posten wegfällt. Aber wir reden ja schließlich auch über Geld.“

Dass viele Menschen auch neun Jahre nach der Gründung noch nicht wissen, was die Städteregion ist und was der Städteregionsrat macht, stört Marcel Foré erheblich. „Ich glaube schon, dass die meisten Menschen interessiert sind. Wir müssen den mehr als 550.000 Einwohnern die Städteregion erklären, auf sie zugehen und ihnen mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten geben“, ist Foré überzeugt. „Damit wird auch eine höhere Identifikation geschaffen.“ Bürgerforen, Bürgersprechstunden und ein Informationsportal beispielsweise sieht der seit einigen Monaten selbstständige Handelsvertreter als geeignete Maßnahmen.

Auf eine hohe Bürgerbeteiligung setzt Marcel Foré auch am 4. November: „Wenn viele Menschen zur Wahl gehen, wird das die Städteregion und den Städteregionsrat stärken. Und damit ist schon viel gewonnen. Auch wenn am Ende ein anderer Kandidat der Sieger sein wird.“

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