Aachen: Öcher Investörchen: Eine Idee, die schon 25.500 Euro wert ist

Aachen: Öcher Investörchen: Eine Idee, die schon 25.500 Euro wert ist

„Es ist irgendwie so wie mit einer Anzeige für einen Gebrauchtwagen“, beschreibt es Willi Kutsch. „Fünf Mal schon hat man inseriert, aber nichts tut sich. Doch dann auf einmal klappt es. Dann läuft es.“ Dieser Punkt, an dem es plötzlich läuft, der war für Frank Dressen-Kreitz vor gut drei Wochen gekommen.

„Ich habe in den ,Nachrichten‘ ein Interview mit Alemannia-Trainer Fuat Kilic gelesen, der sagte, dass zwei Spieler in der nächsten Saison über Sponsoren finanziert werden sollen. Und da habe ich gedacht, da muss doch noch mehr möglich sein.“ Also postete Dressen-Kreitz in Facebook einen Aufruf, kleine Summen in den Spielerkader der Alemannia zu investieren, damit der Trainer trotz nach wie vor laufender Insolvenz auch in der kommenden Regionalligasaison eine vernünftige Mannschaft aufbauen kann.

„Solche Ideen hat es ja schon ein paar Mal gegeben“, sagt Frank Dressen-Kreitz, doch an diesem Abend vor drei Wochen funktionierte diese Idee plötzlich. Unter dem Motto „Ich auch“ meldeten sich sofort zahlreiche Unterstützer dieser Idee. Bis zum Derby gegen Wegberg-Beeck am Wochenende sind auf diese Weise schon exakt 25 457,43 Euro zusammengekommen.

Unter den ersten, die Dressen-Kreitz‘ Aufruf mit „Ich auch“ unterstützten, gehörten Willi Kutsch und Helmut Jordans. Schnell fanden die langjährigen Alemannia-Fans zusammen und bildeten fortan die Keimzelle der „Öcher Investörchen“, wie die Initiative inzwischen heißt.

„Der Name stammt von Alemannia-Geschäftsführer Martin vom Hofe“, erzählt Frank Dressen-Kreitz, denn der war sofort von der Idee begeistert. Und tatsächlich: „Als ich davon erfahren habe“, sagt vom Hofe, „habe ich das sofort aufgegriffen.“ Also nahm man gegenseitig Kontakt auf und schaute, was möglich ist. „Wir wollten keinen Verein gründen“, sagt Willi Kutsch. „Wichtig war uns, dass das Geld streng zweckgebunden ist“, fügt Helmut Jordans hinzu.

Es sollte „in Beine investiert“ werden, wie Jordans es ausdrückt — also ausschließlich dem Spielerkader für die kommende Saison zugute kommen und nicht etwa in die Insolvenzmasse der Alemannia einfließen. Und so einigten sich die „Investörchen“ mit Martin vom Hofe darauf, das Geld auf ein Konto des eingetragenen Vereins der Alemannia fließen zu lassen, von wo aus es Trainer und Kaderplaner Fuat Kilic zusätzlich zum vorhandenen Spieleretat zur Verfügung gestellt wird.

Kilic: Das ist einmalig im Fußball

Vom Hofe und Kilic sind vom Engagement der Fans begeistert. „Es ist wahnsinnig toll, dass wir solche Fans haben“, sagt der Geschäftsführer, und Coach Kilic fügt hinzu: „Das ist einmalig im Fußball.“ Dressen-Kreitz, Kutsch und Jordans geben das Lob gerne zurück. „Lange Zeit nach Werner Fuchs haben wir endlich mal wieder einen Trainer, der es versteht aus wenigen Mitteln viel zu machen“, sagt Frank Dressen-Kreitz. „Der Trainer hat mit seinen Jungs endlich mal wieder das Herz der Fans erreicht“, sagt Willi Kutsch. Und Helmut Jordans hat beobachtet: „Da ist eine verschworene Einheit auf dem Platz.“ Und die verdiene Unterstützung.

Und diese Unterstützung zeigt bereits Wirkung. Vier Neuzugänge und drei Vertragsverlängerungen wurden bereits vermeldet. „Wir sind ja in der Regionalliga weit weg von den Millionenbeträgen der Bundesliga. Hier helfen also schon kleinere Summen“, sagt Martin vom Hofe und rechnet vor: „Wenn ein Spieler, der bislang für einige hundert Euro im Monat gespielt hat, nach einer guten Saison berechtigterweise gerne 300 Euro mehr verdienen würde, dann wären das 3600 Euro im Jahr.“ Und bei knapp 25 500 Euro, die die Investörchen bereits zusammenbekommen haben, könnten durch das Engagement der Fans schon etwa sieben Spieler finanziert werden.

Jordans, Dressen-Kreitz und Kutsch rühren derweil weiter die Werbetrommel — auch beim Familientag vor dem 4:2-Erfolg der Alemannia im Derby gegen Wegberg-Beeck am Samstag. „Wir wollen die breite Masse erreichen“, sagt der 52-jährige Kutsch, „und vielleicht auch den einen oder anderen Sponsor überzeugen, einen größeren Obulus zu leisten.“ Eine Spendenquittung gebe es allerdings nicht dafür, allenfalls ein Foto auf der Facebook-Seite der Initiative. „Sogar die Flaschensammlerin, die immer am Tivoli unterwegs ist, will 20 Euro geben“, erzählt Frank Dressen-Kreitz. „Als ich das gehört habe“, sagt Helmut Jordans, „da hatte ich echt Pipi in den Augen.“