Nur Spott und Ärger für die Planung von Aachens erster Fahrradstraße

Lothringerstraße in Aachen : Spott und Ärger für die Planung der Fahrradstraße

Mit ihrem Plan zur „Fahrradstraße Lothringerstraße“ handelt sich die Verwaltung gewaltigen Ärger ein. Und Spott. In der Bezirksvertretung Aachen-Mitte wurde sie von Zuhörern sogar ausgelacht. Zur Lachnummer nicht nur in Aachen, sondern in ganz Deutschland könnte werden, was sich die Verkehrsplaner zur ersten „Fahrradstraße“ in Aachen haben einfallen lassen.

Es sieht momentan allerdings nicht so aus, als folgten die Politiker den Planern. Denn was die Verwaltung als Variante 1 vorschlägt, ist meilenweit von dem entfernt, was sich Laien und Fachleute landauf, landab unter einer „Fahrradstraße“ vorstellen.

Es geht um den Abschnitt der Lothringerstraße zwischen Wilhelmstraße und Harscampstraße. Im Grunde soll laut Verwaltung auf dem 200 Meter langen Teilstück außer ein paar Pinselstrichen und einer 40 Zentimeter breiteren Fahrgasse alles beim heutigen miesen Zustand bleiben, mit Parkplätzen links und rechts (unsere Zeitung berichtete). Alle, die sich für ein anderes Mobilitätsverhalten in der Stadt engagieren, rätseln, was das mit einer Fahrradstraße zu tun habe.

Auch den Bezirksvertretern Aachen-Mitte geht das so. „Wir haben so viele Fragen, dass wir heute zwar beraten, aber keinen Beschluss fassen“, eröffnete Ralf Otten (CDU) die Debatte. Schon mit Blick auf die im Sitzungssaal des Rathauses in großer Zahl erschienenen Verfechter eines stärkeren Fahrradverkehrs wollten die Politiker zumindest diskutieren und das Thema nicht komplett absetzen.

Die Radverkehrsfans nutzten die Fragestunde für Einwohner, um jede Menge Kritik loszuwerden. Tenor zur Variante 1: unverständlich, verkehrsgefährdend, entsetzlich, wo bleibe die Verkehrswende, für die Radvorrangroute Eilendorf/Brand-Innenstadt sei nur das „möglichst Allerbeste“ sinnvoll, der Parkdruck im Teilstück Lothringerstraße sei „keineswegs dramatisch“, wie die Verwaltung auf „so eine Idee“ komme, auf der nur 3,55 Meter breiten Fahrgasse sei sicherer Radverkehr nicht möglich, warum Parkplätze wichtiger seien als vernünftige Radwege, wie Autos und Radfahrer gefahrlos aneinander vorbeikommen sollten, auf einer Fahrradstraße wollten Mutter und Kind auch einmal nebeneinander fahren. Fazit und Rat: „Die Verwaltung soll sich einmal ein paar kreative Gedanken machen!“

„Verwundert“ (Patrick Deloie, SPD) gaben sich durch die Bank auch die Politiker. „Die Variante 1 genügt nicht den Ansprüchen, die wir an eine Radvorrangroute stellen“, sagte Deloie. „Das ist die erste Fahrradstraße in Aachen, ich würde ungerne beim Auftakt handwerkliche Fehler machen. Die Vorzugsvariante ist eine faule Kompromiss-Lösung.“ Deloie sprach das anstehende Gerichtsurteil über mögliche Fahrverbote an und meinte: „Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn wir in Sachen Luftreinhaltung nicht von vornherein bei der Fahrradstraße eine optimale Lösung anstreben.“

Jörg Lindemann (CDU) hinterfragte den behaupteten hohen Parkdruck, Bewohnerparken gelte im Bereich, mehrere Parkhäuser stünden zur Verfügung. „Sind die Parkplätze nicht verzichtbar?“ 21 Parkplätze rechts und links fielen weg, käme eine gegenüber der 195.000 Euro teuren Variante 1 eine um 70.000 Euro teurere Variante 2 mit einer optimal 4,50 breiten Fahrgasse zum Zuge. Für die sprachen sich Helga Gaube (Grüne) und Matthias Achilles (Piraten) aus. Den nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag von Lasse Klopstein von der Linken, „Schrägparken in der Wilhelmstraße“ auszuprobieren, um in der Lothringerstraße eventuellen Parkdruck zu nehmen, fand Pirat Achilles keineswegs absurd.

Am Ende stand wie bei den Zuhörern Patrick Deloies Rat: „Wir geben der Verwaltung den Auftrag, das Ganze noch einmal zu denken.“

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