„Weiße Flecken“ abgedeckt: Nur Siegel als Standort für neue Feuerwache sinnvoll

„Weiße Flecken“ abgedeckt : Nur Siegel als Standort für neue Feuerwache sinnvoll

Laut Gutachter können nur von dort aus „weiße Flecken“ auf der Einsatzkarte abgedeckt werden. Kommt auch ein neues Logistikzentrum in Hitfeld?

Siegel oder Camp Hitfeld? Welcher dieser beiden Standorte ist geeignet für eine neue und damit vierte Wache der Berufsfeuerwehr? Antwort: einzig und allein Siegel. Das geht aus einem Gutachten – es ist längst nicht das erste in diesem Zusammenhang – hervor. Mit der Fragestellung hat sich zuletzt der Brandschutzexperte Martin Wesolowski vom Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr der TH Köln befasst. Nur von Siegel aus sind demnach die „weißen Flecken“ auf der Einsatzkarte der Feuerwehr weitgehend abzudecken. Im Zuge der Neuaufstellung des Brandschutzbedarfsplans hatten bereits Anfang 2018 externe Fachleute dahingehend Alarm geschlagen, dass die Einsatzkräfte in Teilen des Stadtgebiets im Südwesten sowie in Burtscheid und sogar in der Innenstadt rund um Dom und Rathaus nicht in der Richtzeit von acht Minuten eingreifen können. In den acht Minuten ist eine Anfahrtzeit von maximal sechs Minuten vorgesehen.

Empfohlen worden war seinerzeit eine vierte Wache neben jenen an der Stolberger Straße im Osten, an der Mathieustraße im Norden und in Kornelimünster an der Oberforstbacher Straße im Süden. Bei drei Wachen könne man deren Standorte auf dem Stadtplan verschieben, wie man wolle, ohne dass man eine ausreichende Abdeckung erreichen würde. Als geeignet für einen neuen Feuerwehrstandort wurde seinerzeit bereits Siegel – speziell geht es um das Dreiecksgrundstück zwischen Siegelallee und Robert-Schuman-Straße inklusive Teilen eines alten Sportplatzes – genannt. Ein weiteres Gutachten bestätigte das später, sah aber Camp Hitfeld als zumindest ähnlich gut geeigneten Standort an. Die Politik beauftragte daraufhin im Mai die Verwaltung, beide Standorte nochmals einer „ganzheitlichen Betrachtung“ zu unterziehen.

Und so sind jetzt aller guten Dinge mal wieder drei – und es liegt die dritte Expertise vor. Gutachter Wesolowski hält darin glasklar fest: „Der Standort Camp Hitfeld ist einsatztaktisch ungeeignet.“ Von dort erreiche man zunächst nur „grüne Wiese und Wald“ zeitgerecht. „Die bebauten Bereiche der Stadt Aachen werden nur teilweise bzw. überhaupt nicht innerhalb der Hilfsfrist von 8 Minuten Eintreffzeit erreicht“, so Wesolowski. Das liege erstens an der abgelegenen Lage des Camps und zweitens an der ungünstigen Verkehrsinfrastruktur.

Ganz anders sieht die Bewertung für Siegel aus. Hatte die erste Analyse ergeben, dass etwas mehr als zehn Prozent des Stadtgebiets mit drei Wachen nicht in der gewünschten Zeit erreicht werden können, so würde ein Standort Siegel diese „Lücke“ zu 80 Prozent schließen. Die Analyse bestätige „nochmals, dass eine sinn- und wirkungsvolle Ergänzung des Wachstandortnetzes der Feuerwehr Aachen nur durch den Standort Siegel möglich ist“. Darüber hinaus wird es nochmals als sinnvoll bewertet, den Löschzug Nord der Freiwilligen Feuerwehr, der an der Wache Mathieustraße seine Heimat hat, nach Siegel zu verlagern. Er würde dann zum Löschzug West. Heute erreiche der Löschzug Nord lediglich rund 17.000 Einwohner zeitgerecht, von Siegel aus wären es hingegen knapp 29.000.

Nicht zuletzt hat die Feuerwehr im Juni sowohl Camp Hitfeld als auch Siegel unter Realbedingungen „getestet“ – zum Beispiel mit simulierten Einsatzfahrten zum Preuswald. Von Siegel aus kam man dort in 4,55 Minuten über den Ronheider Berg und in 5,58 Minuten über den Brüsseler Ring und die Lütticher Straße an. Von Camp Hitfeld aus waren es minimum 7,53 Minuten.

Eine Absage erteilt der Gutachter auch der Idee, die sanierungsbedürftige Wache Süd nach Hitfeld zu verlagern und somit doch noch beim Drei-Standorte-System zu bleiben. Dann würden Teile von Krauthausen, Kornelimünster, Hahn und Walheim nicht mehr zeitgerecht erreicht und es gebe zudem einen großen Überschneidungsbereich mit der neuen Wache Siegel, der hauptsächlich aus Wald bestehen würde. Die Baukosten für eine neue Wache an Siegel, die auch mit Rettungsdienstfahrzeugen bestückt werden soll, werden derzeit auf rund 15 Millionen Euro taxiert. Benötigt werden auch eine neue Hubrettungsbühne für rund 860.000 Euro sowie 15 neue Stellen, die im Jahr rund eine Million Euro Kosten verursachen. Eine Teilfläche von Camp Hitfeld kann sich der Gutachter dann aber doch noch gut für Feuerwehrzwecke vorstellen. Nämlich zum Bau eines Logistikzentrums mit dringend benötigten neuen Werkstätten sowie für ein Ausbildungszentrum für Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr.

Mit den klaren Ergebnissen der „ganzheitlichen Betrachtung“ wird sich nun die Politik in Ausschüssen, Bezirksvertretungen und abschließend im Stadtrat beschäftigen. Den Anfang macht heute (17 Uhr, Sitzungssaal Reumontstraße 3) der für die Feuerwehr zuständige Umweltausschuss.

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