Aachen: Nur drei Bäume können im „Tuchmacherviertel“ stehen bleiben

Aachen : Nur drei Bäume können im „Tuchmacherviertel“ stehen bleiben

Seit Herbst 2012 herrscht Stillstand in den Räumen der Tuchfabrik Becker in Brand. Das mit dem Stillstand gilt aber mitnichten für die Weiterentwicklung des Areals am Rande des Münsterländchens. Dort, wo bis vor einigen Jahren noch edle Stoffe produziert wurden, sollen in Zukunft knapp 100 Einfamilienhäuser und rund 170 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen.

„Tuchmacherviertel“ soll das 54.000 Quadratmeter große Areal heißen, das derzeit von der Baugruppe Nesseler-Projektidee GmbH und der Amsterdamer Brack Capital Germany beplant wird. Am Dienstag hat sich der Umweltausschuss vor allem mit einem Teilaspekt des Bauprojekts beschäftigt: den zu fällenden und den neu zu pflanzenden Bäumen.

Grünstrukturen entfallen

So sieht die bisherige Planung vor, dass auf dem Gebiet fast alle vorhandenen Grünstrukturen entfallen, zum Beispiel im ehemaligen Parkplatzbereich, im Übergang zu der bestehenden Bebauung am nördlichen Rand des Fabrikgeländes. Insgesamt geht es dabei um 116 Bäume im künftigen „Tuchmacherviertel“, die unter die Baumschutzsatzung der Stadt fallen, von denen aber in Zukunft lediglich drei erhalten bleiben können. Das geht aus den Unterlagen der Stadtverwaltung hervor.

Um einen Ausgleich zu schaffen, sollen den Plänen nach 187 Bäume neu gepflanzt oder „monetär ausgeglichen“ werden. Für eine Neupflanzung von mindestens zwei Dritteln dieser Bäume auf dem Becker-Areal setzt sich nun der Umweltausschuss ein.

„Da stehen Bäume, die haben zum Teil einen Kronendurchmesser von 14 Metern. Das hat eine enorme Filterwirkung für die Luftqualität im Stadtteil. Wenn diese Bäume wegfallen, dann wird sich das bemerkbar machen“, erläuterte Iris Lürken (CDU), die auch in der Bezirksvertretung Brand sitzt. Im Stadtteil hatte man bereits in der vergangenen Woche über das Projekt beraten. Eben auch wegen der Luftqualität sei es wichtig, dass in Zukunft ein Großteil der neuen Bäume dort gepflanzt wird, wo sie wegfallen, argumentierte Lürken.

Alexander Gilson (CDU), der sich als Bezirksbürgermeister von Laurensberg auch mit den Baumfällungen rund um das Uniklinikum befassen muss, setzte sich hingegen dafür ein, in Brand die Zwei-Drittel-Regelung nicht einzufordern, sondern lediglich dafür zu werben. „Wenn wir die Bäume einfordern, wird es einen Konflikt geben“, warnte er, betonte aber auch, dass es ihm nicht darum gehe, wenige Bäume zu pflanzen. Ganz im Gegenteil: „Es sollen gerne mehr als zwei Drittel in dem Plangebiet gepflanzt werden, aber das muss auch möglich sein.“

Dass zumindest noch einmal neu konzeptioniert und geplant werden müsse, erläuterten daraufhin auch die anwesenden Mitarbeiter des Aachener Umweltamts. Nicht überall kann nach den aktuellen Plänen ohne weiteres bepflanzt werden, weil auf einem Großteil des Geländes Tiefgaragen gebaut werden sollen. Das führt im Übrigen dazu, dass auch nach dem Umbau die Flächenversiegelung nicht viel geringer sein wird als aktuell.

Zähne zeigen

Man schädige und beiße den Investor ja nicht, wenn man auf die Bäume vor Ort poche, betonte hingegen Ferdinand Corsten (CDU), der den Konflikt mit anderen Ausschüssen oder dem Investor nicht scheut: „Wenn wir als Umweltausschuss ernst genommen werden wollen, dann müssen wir auch mal Zähne zeigen!“, sagte er und plädierte dafür, dass der Umweltausschuss in Zukunft frühzeitiger in solche Projekte eingebunden wird, damit solche Dinge eher geklärt werden und Mehrarbeit vermieden werden könne.

Bis auf Parteifreund Gilson, der der Abstimmung schließlich fernblieb, schienen denn auch alle anderen Ausschussmitglieder seiner Meinung zu sein: Der Ausschuss entschied einstimmig, dass dem Planungsausschuss empfohlen wird, 2/3 der vorzunehmenden Ersatzpflanzungen im Plangebiet zu realisieren, insbesondere in den Randbereichen zur vorhandenen Bebauung und zum Vennbahnweg.

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