Aachen: Nur die Zahl der Schulwegunfälle ist in Aachen gestiegen

Aachen : Nur die Zahl der Schulwegunfälle ist in Aachen gestiegen

Es geschah am 4. Juli auf der Sittarder Straße in Aachen: Ein 20-Jähriger wollte mit seinem Auto ein Pedelec überholen. Die beiden Fahrzeuge stießen seitlich zusammen, der 86-jährige Zweiradfahrer — ohne Helm unterwegs — stürzte. Elf Tage nach dem Unfall starb er an seinen schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus.

Dieser Unfall war ein tragischer Einzelfall im Jahr 2017, erklärt Polizeioberrätin Svende Friedrichs bei der Pressekonferenz im Polizeipräsidium zur Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2017. Nicht, weil es der einzige Unfall in Aachen gewesen wäre, bei dem ein Mensch gestorben ist. Davon gab es mit fünf exakt genauso viele wie im Jahr zuvor.

Konnten bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik am Freitagmittag fast nur gute Entwicklungen verkünden: (v. l.) Dana Zimmermann, Dirk Weinspach und Svende Friedrichs. Foto: Heike Lachmann

Aber weil immer mehr Pedelecs und E-Bikes auf Aachens Straßen unterwegs sind, es in der Stadt diesbezüglich „aber noch keine spezielle Lage“ gebe. Dennoch sieht die Polizei bei den Zweiradfahrern — ob mit Benzinmotor, elektrischer oder ganz ohne Unterstützung — einen besonderen Schwerpunkt ihrer Präventionsarbeit. Daneben gibt es noch eine weitere wichtige Baustelle.

Entgegen dem Landestrend

Elf Mal waren Kinder auf dem Schulweg vergangenes Jahr in einen Verkehrsunfall verwickelt. Bezogen auf die Unfallstatistik für 2017 insgesamt könnte das einen falschen Eindruck erwecken. Während die Zahl der Schulwegunfälle nämlich leicht gestiegen ist (von neun auf elf), ist die Entwicklung der Unfallzahlen „nicht nur in Einzelbereichen, sondern auch was die Gesamtunfallzahl anbelangt, rückläufig und erfreulich.“

Was Polizeipräsident Dirk Weinspach mit diesen Worten meint, ist einerseits das bemerkenswerte Minus von 3,2 Prozent bei den Verkehrsunfällen insgesamt (nur Stadt Aachen) — und zwar entgegen dem Landestrend. Im gesamten Wirkungsbereich des Polizeipräsidiums Aachen blicke man auf den niedrigsten Wert seit zehn Jahren.

In Aachen steht ein Minus vor der Entwicklung der Zahlen in allen Bereichen. In allen, bis auf die Schulwegunfälle. Deshalb will die Polizei in diesem Bereich besonders aktiv werden, was die Prävention angeht.

Einige Bewegung hat es auch im Bereich der Unfallursachen gegeben. „Die Ablenkung durch elektronische Medien ist eine der Hauptunfallursachen“, sagt Weinspach, auch wenn das Smartphone am Steuer beispielsweise nur äußerst selten nachgewiesen werden könne. Das gelinge eigentlich nur, wenn jemand zugebe, das Handy benutzt zu haben. 2017 war das allerdings nur einmal vorgekommen. Die Polizei geht nach wissenschaftlichen Studien davon aus, dass zwischen 0,1 und 9 Prozent aller Unfälle in Zusammenhang mit der Ablenkung durch elektronische Geräte verursacht wurden.

In die andere Richtung weist die Entwicklung bei unangepasster Geschwindigkeit als Unfallursache. Die Zahlen sind um satte 25 Prozent gesunken. Den Grund sieht Weinspach darin, dass die Gefahr zu hoher Geschwindigkeit besser im Bewusstsein der Autofahrer verankert worden ist. Dafür hat die Polizei einiges getan — mehr als 8000 zusätzliche Maßnahmen gegenüber dem Vorjahr. Die hohe Zahl der Kontrollen soll auch im laufenden Jahr aufrecht erhalten werden. Der Anteil an Drogen als Unfallursache stagniere und habe sich gegenüber 2016 kaum verändert, beim Alkohol habe man einen klaren Rückgang verzeichnet.

Recht klar lassen sich die Unfallschwerpunkte in der Stadt verorten. In Aachen weist die Trierer Straße die höchste Unfalldichte auf. Dort hat es im vergangenen Jahr 135 Mal gekracht. Auf der Jülicher Straße wurden 92 Unfälle registriert, 68 waren es auf dem Adalbertsteinweg.

Auge auf den Radverkehr

Zurück zum Zweiradverkehr: Den will die Polizei in diesem Jahr auch verstärkt im Auge behalten — sowohl, was das Verhalten der Radler angeht, als auch das Verhalten den Radlern gegenüber. In diesem Zusammenhang werde vor allem darauf geachtet, dass Radwege in der richtigen Richtung befahren würden.

Außerdem wolle man Radfahrer auf ungeeignete Kleidung ansprechen. Im Gegenzug will die Polizei Autofahrer besonders auf die Gefahren beim Überholen von Radfahrern aufmerksam machen sowie beim Türöffnen. Sogar die Infrastruktur ist Thema im Präsidium.

Das Ziel ist klar: Was am 4. Juli auf der Sittarder Straße in Aachen geschah, mag mit den dramatischen Folgen für den 86-jährigen Pedelecfahrer ein tragischer Einzelfall gewesen sein. Und bei Einzelfällen soll es in Zukunft auch bleiben.

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