Aachen: Nun glänzen zwei Pokale im Schaufenster

Aachen : Nun glänzen zwei Pokale im Schaufenster

Maya Kuns trägt mit viel Gefühl die Grundierung für ihr Meister-Make-Up auf, der Schminkpinsel gleitet über die Haut. Die Vorzüge des Gesichts ihres Models möchte sie mit dezentem Make-up hervorheben und nicht mit Schminke zukleistern. Ein Jurymitglied blickt ihr über die Schulter, macht sich Notizen.

Aber Kuns bleibt gelassen. Ab und zu blickt die 30-jährige Visagistin auf, schaut sich um, was ihre Konkurrenten so machen. Aber eigentlich ist sie voll in ihrem Element, der Pinsel liegt locker in ihrer Hand, als sie die Augen der Frau mit hellbraunem Liedschatten schminkt.

Ihr „Special Event“- Make-up wird von der Jury mit dem ersten Platz belohnt, Maya Kuns wird auf der Beauty-Messe im vergangenen März deutsche Make-up-Meisterin. In der nächsten, internationalen Runde liegt sie mit nur drei Punkten hinter Kanada.

Ein paar Wochen später glänzen zwei Pokale im Schaufenster des Beautysalons von Julia Beckers. Hier arbeitet Kuns, eine zierliche Frau mit natürlichem, perfekt geschminktem Gesicht und dunklen, kurzen Haaren. Julia Beckers, blond, große Brille, rote Lippen, tätowierte Arme, cooler Style, ist ebenso erfolgreich in ihrem Beruf.

Die 27-jährige Friseurmeisterin, die schon mit 20 Jahren ihren eigenen Salon gründete und nach der Friseurausbildung nur vier Tage später mit dem Meisterkurs begann, landete auf dem zweiten Platz beim internationalen „Style Master Contest“. In Rom wird sie nun dafür geehrt. Schon im vergangenen Jahr belegte sie in dem Wettbewerb unter dem Motto „Ein Schnitt, drei Looks“ den zweiten Platz.

Ehrgeiz und Leidenschaft

Beauty- und Friseurwettbewerbe kennt man aus dem Fernsehen, doch für die beiden Damen, die sich gern als „Dream-Team“ bezeichnen, ist es eine Art, sich mit anderen zu vergleichen, besser in ihrem Beruf zu werden. „Wir machen das für uns selbst“, sagt Beckers. Sie sind sehr ehrgeizig, leidenschaftlich, wollen sich selbst verwirklichen. Deswegen begannen sie nach Ladenschluss mit den aufwendigen Vorbereitungen für die Wettbewerbe. Kuns musste sich für das Finale mit dem Foto eines Make-ups qualifizieren.

Beckers reichte drei Frisuren zu den Themen Commercial, Prêt-à-porter und Haute Couture ein. Für die Fotos buchte sie ein Agenturmodel und einen professionellen Fotografen, von einem Bekleidungsladen ließ sie das Model einkleiden. Schließlich muss der Gesamteindruck stimmen. Zwei Wochen dauerte es, bis die dramatischen Bilder im Kasten waren.

Doch schon vorher fand bei den beiden ein kreativer Prozess im Kopf statt. „Wir erzählen mit den Frisuren und dem Make-up ja auch eine Geschichte“, sagt Beckers. Bewertet werden die Technik, der Gesamteindruck und eben die Kreativität. „Es müssen Fotos sein, die Eindrücke hinterlassen“, sagt Kuns. Der Erfolg bei den Wettbewerben ist ein Ansporn für die beiden jungen Damen, mehr zu schaffen.

Der Salon in Aachen ist ihre „Machtzentrale“, von dort aus machen sie Model-Stylings für Werbungen, schminken und frisieren auf Hochzeiten, reisen für ihre Arbeit durch ganz Deutschland und zeigen auf Lehrgängen ihre Tipps und Tricks. Kuns hatte so schon die erfolgreichsten Reiter der Welt für Pferdesportkataloge und -Magazine vor dem Pinsel. Trotzdem wollen sie sich selbst treu bleiben, werfen ungern mit großen Berufsbezeichnungen wie „Master of Color“ und „Special Artist“ um sich.

„Egal wie ultragalaktisch das klingt, man muss auf dem Boden bleiben. Unser Handwerk ist es, die Menschen einfach schön zu machen“, sagt Beckers und lacht. In Zukunft will das Duo natürlich weiterhin an Wettbewerben teilnehmen. Ein großer Traum ist allerdings auch, die Schulungen auszuweiten — nicht für Profis, sondern für die normale Frau. „Jeder möchte sich gern selbst die Haare schön föhnen oder sich vorteilhaft schminken“, sagt Beckers und fügt hinzu: „Und jeder kann das auch lernen.“

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