Aachen: Nüsse für zwei „lesende Buchhändler“

Aachen : Nüsse für zwei „lesende Buchhändler“

Preisverleihungen gibt es schon einige in Aachen, da wollte Wendelin Haverkamp nicht noch einen draufsetzen, sondern bewusst eine Alternative schaffen. Eine humorvolle selbstverständlich. Der „Internationale Freundschaftspreis mit ganzen Nüssen“ setzt seit dem vergangenen Jahr eine Marke zum Jahresbeginn.

Mit der zweiten Preisverleihung würdigte Haverkamp diesmal zwei Menschen, die sich ganz besonders für das kulturelle Leben in der Stadt einsetzen: Das Buchhändlerehepaar Barbara Hoppe-Vennen und Walter Vennen von der Buchhandlung Schmetz am Dom.

Im kleinen und durchaus illustren Kreis im Café Couleur bot Musiker Dieter Kaspari, zweiter Teil des sogenannten „Preiskrematoriums“, am Donnerstagabend zunächst musikalische Neujahrsgrüße dar. Haverkamp amüsierte das Publikum danach mit seiner „alternativen Neujahrsansprache“. Auch Oberbürgermeister Marcel Philipp hatte sich mit seiner Ehefrau Gabriele ganz privat unter die Gästeschar gemischt. Es gefiel ihm sichtlich, einmal selbst einer solchen Rede lauschen zu können.

Ziel des „mit nichts dotierten“ Preises, einer Persiflage auf das „Preisunwesen“, sei die Auszeichnung derjenigen, die helfen, „eine emotionale Beziehung zu dieser oft rätselhaft verqueren Stadt zu entwickeln“.

„Unabdingbar nötig sind für jedes Kaff, das sich Stadt nennen will, Relaisstationen des kulturellen Austausches, Kommunikationsorte von Niveau, an denen sich Neugier und Mitteilungsbedürfnis, Interesse und Wissen, Revolution und Tradition, kreative Originale und original Kreative treffen und bereichern können“, erklärte Haverkamp, was den besonderen Reiz der Buchhandlung Schmetz am Dom und des Betreiberehepaares ausmache. Barbara Hoppe-Vennen und Walter Vennen würden nicht nur einfach zusammen einen Buchladen führen. „Sie gehören zu den letzten Exemplaren der Spezies ,lesende Buchhändler‘. Diese haben es schwer, zwischen digitaler Verblödung und Hexenhof-Ballermann noch genügend geistige Nahrung zu finden, geschweige denn sich fortzupflanzen“, erläuterte der Laudator.

Aber das Tollste sei, dass es den beiden auch nach vielen Jahren Beruf immer noch nicht egal ist, was sie verkaufen. „Sie versuchen jedem, der etwas zu lesen sucht, Auskunft und Orientierung zu geben, und das ist lange nicht alles. Sie veranstalten auch unermüdlich Lesungen oder besser ,Literatur-Live‘, wozu sie ein umfangreiches Programm zusammenstellen und organisieren, oft gepaart mit feiner Musik“, erklärte Haverkamp, um die Aufzählung gleich fortzusetzen: „Weil Barbara und Walter die kulturelle Atmosphäre in unserer Stadt seit vielen Jahren bereichern durch ihre qualifizierte Kenntnis des Stoffes, aus dem die Bildung ist. Weil sie Kulturverrückte sind, ja Berufs-Wahnsinnige, die mit Verständnis für die Kunst und für die Künstler Veranstaltungen organisieren, die kommerziell nichts bringen, die aber inhaltlich ungemein wichtig sind.“

Zuneigung und Abendprogramm

Haverkamp habe extra einen Antrag beim Printenjesus Lambertus gestellt und dürfe nun mitteilen: Freundschaftspreisträger sind für alle Zeit von der Pflicht zur Entgegennahme von Printen befreit. Die Auszeichnung sei mit nichts anderem dotiert als mit Zuneigung und einem kleinen Abendprogramm, vorgetragen von dankbaren Sympathisanten wie Dieter Kaspari, Manfred Leuchter, Uwe Böttcher und Marc Beumers.

Geschaffen wurde der basisdemokratische Preis, eine edle Nuss, von Goldschmiedin Beate Wimmer. Und zur Feier des Tages ließ es sich das Preiskrematorium nicht nehmen, mit allen Anwesenden ein Glas Prickelwasser zu trinken.

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