Aachen: Notfallseelsorger: Sie bleiben immer dann, wenn der Arzt weg muss

Aachen : Notfallseelsorger: Sie bleiben immer dann, wenn der Arzt weg muss

In der Städteregion Aachen nehmen acht neue Notfallseelsorger ihre ehrenamtliche Tätigkeit auf. Insgesamt gibt es rund 50. Etwa 200 Mal pro Jahr werden sie gerufen und helfen immer dann, wenn die Not am größten ist.

„Es berührt mich besonders, wenn am Ende jemand einfach Dankeschön sagt“, sagt Eva Nagel. Die junge Frau ist seit 2013 aktiv in der ehrenamtlichen Notfallseelsorge. 2019 hat sie den entsprechenden Kurs absolviert und freut sich, parallel zu ihrem Medizinstudium dieser sinnvollen Tätigkeit nachzugehen.

„Die Menschen, die ich betreue, bringen mir so viel Herzlichkeit und Dank entgegen. Sie geben mir viel zurück für diese emotional fordernde Aufgabe“, erzählt Nagel. So wie sie sind in der gesamten Städteregion Aachen knapp 50 ehrenamtliche Notfallseelsorger da im Einsatz, wo sie spontan gebraucht werden.

Träger der ökumenisch organisierten Notfallseelsorge der Städteregion Aachen sind das Bistum Aachen und der Evangelische Kirchenkreis Aachen. In einer Beauftragungsfeier in der katholischen Kirche St. Peter wurden jetzt acht neue ehrenamtliche Notfallseelsorger in ihr Amt eingeführt. Gefeiert wurde der Gottesdienst von Pfarrer Frank Ertel, Leiter der Notfallseelsorge Städteregion.

Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Leiter der Hauptabteilung Pastoral/Schule/Bildung im Bischöflichen Generalvikariat, und Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Aachen. Sie beauftragten die neuen Notfallseelsorger offiziell und übergaben ihnen ihre Notfallwesten, die sie im Falle eines Einsatzes erkennbar machen.

Geleitet wurde der zehnmonatige Kurs von der evangelischen Pfarrerin Sabine Reinhold. „Meine Teilnehmer sind größtenteils nicht in der Theologie tätig, bringen ganz andere Kompetenzen mit, was eine große Bereicherung darstellt. Wir decken so eine große Bandbreite ab und können das Thema von verschiedenen Seiten beleuchten“, erklärt die Pfarrerin. Auch bringe jeder eine andere Sprache mit, suche nach eigenen Worten, um im Notfall schwere Dinge auszudrücken. „Und auch das Schweigen zu ertragen gehört dazu“, erklärt die evangelische Leiterin der Notfallseelsorge Aachen.

Die Kursstunden startet sie stets mit einer gemeinsamen Andacht. „Und wir enden mit Entspannungsübungen“, erklärt Reinhold. Gemeinsam mit Gemeindereferentin Rita Nagel, der Katholischen Leiterin der Notfallseelsorge Aachen, begrüßte sie die neuen Ehrenamtler.

Die Notfallseelsorge bietet für Betroffene, Angehörige, Augenzeugen, Suchende, Vermissende und Einsatzkräfte „seelische Erste Hilfe“. Wenn durch einen Notfall von einer Sekunde zur anderen alles anders ist, spenden die Helfer Trost, hören einfach nur zu oder vermitteln weiter.

Die Notfallseelsorge wird alarmiert über die Leitstelle und arbeitet mit der Telefonseelsorge zusammen. Sie ist Teil der Psychosozialen Notfallversorgung in der Städteregion Aachen. In rund 200 seelischen Notlagen im Jahr wird die Notfallseelsorge gerufen.

Voraussetzung für den den ehrenamtlichen Einsatz als Notfallseelsorger sind ein Mindestalter von 23 Jahren bei Indienststellung, ein Führerschein und die Zugehörigkeit zu einer der Kirchen im ACK sowie die Bereitschaft langfristig mitzuarbeiten — das heißt nach der einjährigen Ausbildung mit insgesamt 100 Stunden mindestens zwei Jahre und innerhalb von einem Jahr mindestens zwölf Dienste á 24 Stunden zu absolvieren.

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