Aachen: Noch'n Preis: Backhaus wieder ausgezeichnet

Aachen : Noch'n Preis: Backhaus wieder ausgezeichnet

„Das ist eine Anerkennung“, sagt Martin Schwoll. „Auf diesen Preis sind wir wirklich stolz.“ Zum zweiten Mal in Folge ist die Buchhandlung Backhaus mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden — als eine von 118 unabhängigen und inhabergeführten Buchhandlungen in Deutschland und als eine von 23 in Nordrhein-Westfalen.

Diesmal gab es neben dem Gütesiegel eine Prämie von 7000 Euro.

Mehr als 500 Buchhandlungen hatten sich um den Preis beworben. Kulturstaatsministerin Monika Grütters überreichte die Ehrung letzte Woche in Heidelberg. Der Preis solle auch Anerkennung sein „für den Mut, sich mit Individualität und innovativen Geschäftsmodellen in einem schwierigen Markt zu behaupten, in dem der unternehmerische Spielraum für kleinere Buchhandlungen schrumpft“, sagte Grütters bei der Feierstunde.

Mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Martin Schwoll freut sich das Backhaus-Team, zu dem unter anderem vier Buchhändlerinnen und Buchhändler sowie vier Auszubildende gehören.

Seine Bewerbung um den Buchhandlungspreis 2016 hat Schwoll als gut 100-seitiges Buch eingereicht. Darin stellt das Team all das vor, was das Projekt Backhaus aus seiner Sicht auszeichnet: der umfangreiche Service und die Wohlfühlatmosphäre im Laden, aber auch das große Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Seminaren, Ausflügen oder Aktionen.

Ein Beispiel nur: Wer ein Ticket fürs „Spätlesen“ kauft, wird nach Geschäftsschluss für ein paar Stunden im Laden eingeschlossen und darf dann lesen, lesen, lesen. Quer durch ein Sortiment, das allein im Laden an der Jakobstraße rund 16.000 Titel umfasst. Viele Kunden lieben diese Schmökerabende.

Neben Themen wie Philosophie, Religion und Geschichte bietet Backhaus vor allem reichlich Literatur, und das in einem eher ausgefallenen Sortiment. „Wir führen viele kleine, unabhängige Verlage“, sagt Schwoll. „Darauf sind wir sehr stolz.“ Mehr als 30 Vertreter von Verlagen werden jedes Jahr mit ihren Neuerungen bei Backhaus vorstellig. Von den Bestsellerlisten, sagt Schwoll, „führen wir nur, was wir persönlich gut finden. Aber alles andere können wir auf Wunsch bestellen und liefern es kostenfrei nach Hause.“

Backhaus — der Name ist in Aachen eng verbunden mit dem 1999 verstorbenen Buchhändler und Literaturkenner Peter Klein. Betriebswirt Martin Schwoll, von Haus aus eigentlich Unternehmensberater und Versicherungsmakler, übernahm die Buchhandlung 2007. Er setzt auf das Fachwissen seiner Buchhändler, und er weiß zu schätzen, dass auch die Auszubildenden immer wieder aufs Neue frischen Wind in den Laden bringen. „Die Azubis bringen andere Ideen mit, und auch junge Leute fühlen sich angesprochen. Das tut uns gut.“

Neuerdings auch in Nettersheim

Buchläden haben zu kämpfen, nicht zuletzt mit der Konkurrenz im Internet. Und dennoch ist Backhaus jüngst sogar ein wenig auf Expansionskurs gegangen. Zu den beiden Aachener Standorten an der Jakobstraße und am Abteitor in Burtscheid hat Schwoll im August auch noch eine Buchhandlung in der Eifelgemeinde Nettersheim übernommen. „Auch das läuft nicht von alleine“, sagt er. „Auch dort müssen wir Aktionen und Veranstaltungen bieten.“

Einen Teil des Preisgelds von 2015 hat die Buchhandlung in Projekte zur Leseförderung an Schulen gesteckt. Das hat Schwoll auch diesmal wieder vor. „Der Buchhandel hat auch eine gesellschaftlich-politische Aufgabe“, ist er überzeugt. „Wir wollen Raum schaffen für Austausch.“ Deshalb gehe das Team auf Einladung gerne an Schulen, lese dort vor und stelle Bücher vor. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, möglichst viele Jugendliche ans Lesen heranzuführen.“

Selbst in einer zweifach ausgezeichneten Buchhandlung gibt es immer noch etwas zu verbessern. Der Internetauftritt des Ladens, sagt der Geschäftsführer, sei durchaus noch ausbaufähig. Und wenn im Laden an der Jakobstraße noch eine Ecke frei wäre, dann hätten sie nichts dagegen, auch ausgewählte Schallplatten ins Sortiment zu nehmen. Da sind sich Schwoll und Buchhändler Thomas Mäurer einig.

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