Aachen: Noch Fragen zur Campusbahn?

Aachen: Noch Fragen zur Campusbahn?

Nach dem Motto „Sie haben Fragen? Wir reichen Sie weiter!“ haben die „Nachrichten“ Lesern die Möglichkeit gegeben, Fragen zur Campusbahn zu stellen. Wegen der Vielzahl der Fragen, die uns erreicht haben, mussten wir einige zusammenfassen. An den Antworten haben insbesondere Planer und Verkehrsexperten aus der Stadtverwaltung, sowie Fachleute von Aseag und Aachener Verkehrsverbund (AVV) mitgearbeitet. Diesem ersten Teil mit Fragen und Antworten werden in den nächsten Tagen weitere folgen.

Wie sicher ist, dass die Kosten für den Fonds deutsche Einheit 2019 wirklich fortfallen?

Das Auslaufen der Finanzhilfen für den Fonds deutsche Einheit (Solidarpakt II) ist gesetzlich festgeschrieben. Eine Verlängerung des Fonds müsste über eine Gesetzesänderung auf Bundesebene angestoßen werden. Eine solche Initiative ist bis dato nicht bekannt. In den westlichen Bundesländern werden eher Forderungen laut, den Fonds früher auslaufen zu lassen. (Anmerkung der Redaktion: Aktuell zahlt die Stadt jährlich 15 Millionen Euro in diesen Fonds ein. Ab 2019 können damit die jährlichen Mehrkosten von bis zu 6,5 Millionen Euro für die Campusbahn gedeckt werden, argumentieren die Befürworter.)

Welche Alternativlösungen gibt es, wenn die Campusbahn nicht gebaut wird? Wie hoch sind die Kosten für die Alternativlösung? Könnte auch die Euregiobahn stärker ausgebaut werden?

Sollte das Projekt Campusbahn nicht realisiert werden, müssen die zusätzlich prognostizierten Fahrgastzahlen in Aachen fast ausschließlich mit dem Verkehrsmittel Bus befördert werden. Hierzu sind mindestens 425 000 Buskilometer zusätzlich notwendig. Dies entspricht einem zusätzlichen jährlichen Finanzierungsbedarf von 1,83 Millionen Euro. Investitionen in die Infrastruktur, beispielsweise in den Bau neuer Haltestellen, sind in dieser Kalkulation nicht berücksichtigt. Das 2019 vorhandene Fahrgastpotential wird durch ein reines Bussystem allen Erfahrungen nach aufgrund der Qualitätsunterschiede jedoch nicht ausgeschöpft werden können. Das heißt, dass Personen, die sowohl mit dem Bus als auch mit dem Auto fahren könnten, eher auf das Auto zurückgreifen werden. Die Euregiobahn wird zur Bewältigung des Fahrgastaufkommens in der Innenstadt nicht helfen können.

Gibt es Zahlen, die den Energieverbrauch je Passagier bei Bus, O-Bus und Straßenbahn vergleichbar machen? Ist die Bahn wirklich effizienter?

Der spezifische Energieverbrauch je zurückgelegtem Personenkilometer liegt nach Angaben der Deutschen Energieagentur (www.dena.de) beim Pkw bei etwa 1800 KJ (Joule ist eine Energieeinheit). Im Straßen- und Stadtbahnverkehr liegt der Wert bei 800 KJ, bei Linienbussen bei 850 KJ. Bei der Campusbahn soll durch die innovativen Ansätze, insbesondere die Ausstattung der Fahrzeuge mit Batteriespeichern, eine direkte und verlustarme Rückspeisung der Bremsenergie in den Speicher ermöglicht werden. Hierdurch werden die Campusbahnfahrzeuge energieeffizienter als konventionelle Stadtbahnwagen.

Man liest immer über die Kosten. Sind Fahrscheinerlöse schon eingerechnet, oder könnten die die Kosten mindern?

In den Kostenschätzungen sind die Ticketpreise mit eingeflossen aufgrund der kalkulierten Fahrgastzahlen auf Basis der heutigen Preise. Eine Erhöhung der Fahrpreise wurde nicht kalkuliert.

Wie hoch sind die bisherigen Gesamtkosten (Planung, Gutachten, Öffentlichkeitsarbeit, Vorbereitung Bürgerentscheid)?

Die Gesamtkosten für externe Gutachten für das Projekt belaufen sich seit dem Jahr 2009 auf rund 670 000 Euro. Die Kosten für den Ratsbürgerentscheid betragen rund 250 000 Euro.

Wie hoch werden die Kosten bis zur Vergabereife geschätzt? Sind sie gedeckelt und im Haushalt vorgesehen?

Bis zum Vorliegen des Baurechts nach Ende der Planfeststellung (Ende 2015) werden die Planungskosten auf 5,7 Millionen Euro geschätzt. Teile dieser Finanzmittel wurden in die laufenden Haushaltsberatungen der Stadt Aachen eingebracht. Grundsätzlich ist aber vorgesehen, dass sich die Campusbahn Projektentwicklungsgesellschaft mbH über Kreditaufnahme finanziert.

Stimmt es, dass als Betriebshof ein Gelände an der Lützowkaserne in Frage kommt? Welche Auswirkungen hätte der Rangierverkehr und der technische Dienst auf Anwohner?

Bei den bisherigen Planungen für einen Betriebshof werden derzeit verschiedene Standorte untersucht und bewertet. Die Belastungen von Anwohnern in der Nähe eines Betriebshofes sollen so gering wie möglich ausfallen. Dieser Aspekt spielt auch bei der Wahl des Standortes eine wichtige Rolle. Es ist vorgesehen, dass Rangiervorgänge in einer Halle stattfinden.

Gibt es einen Zeit- und Kostenplan zur Umstellung der Aseag-Busse auf E-Mobilität? Werden diese Umstellungskosten bezuschusst?

Nein. Es ist heute noch nicht abzusehen, wann die Aseag realistisch ihre Busflotte auf E-Busse umstellen wird. Tatsache ist, dass die Campusbahn mit ihrer Infrastruktur, insbesondere ihren Unterwerken und der Gleichspannung, wesentlich bei der Umstellung auf elektromobile Verkehrsmittel in Aachen unterstützen kann.

Gibt es Pläne für eine Schienenverbindung (auch Euregiobahn) bis Kornelimünster oder Walheim sowie Richtung Eupen, Lüttich und Kerkrade, Valkenburg, Maastricht?

Es gibt Pläne, eine durchgehende Regionalbahnverbindung zwischen Maastricht, Heerlen, Kerkrade, Avantis und Aachen, die so genannte Via Avantis, zu schaffen, die zum Teil auf noch bestehenden Trassen verläuft. Eine Euregiobahn-Anbindung der weiteren genannten Ziele ist nicht geplant.

Gibt es eine Zusammenarbeit mit Bahnprojekten in Maastricht und Lüttich?

Die bisherigen Vorarbeiten zur Campusbahn werden teilweise von der Europäischen Union über das so genannte RoCK-Projekt (Regions of Connected Knowledge) gefördert. Neben der Stadt Aachen ist auch die Stadt Maastricht Mitglied im RoCK-Projekt. Ein Erfahrungsaustausch findet hier regelmäßig statt.

Wird das Projekt europaweit ausgeschrieben?

Die Planungsleistungen müssen nach derzeitigem Kenntnisstand europaweit ausgeschrieben werden. Für die Umsetzung (Bauleistungen) steht der Umfang der einzelnen Trassenabschnitte, die jeweils einzeln ausgeschrieben werden, noch nicht fest. Angestrebt wird eine kleinteilige Bauausführung, da wegen der kurzen Bauzeit von zwei Jahren in sechs bis acht unabhängigen Bauabschnitten gearbeitet werden muss. Je nach Umfang der Einzelabschnitte ist eventuell keine europaweite Ausschreibung erforderlich.

(gei)
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