Aachen: Nobelpreisträger brachte die Gitarre mit

Aachen: Nobelpreisträger brachte die Gitarre mit

Die Vermittlung eines Schülervaters machte es möglich: Ein waschechter Nobelpreisträger referierte in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums in Laurensberg.

Im Jahr 2007 hatte Professor Peter A. Grünberg den Physik-Nobelpreis erhalten, für seine Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands, des sogenannten GMR-Effekts.

Für alle Laien: Erst dadurch wurde es möglich, Festplatten mit mehr als einem Gigabyte Speicherkapazität zu bauen. Eine Erfindung, von der wir heute alle profitieren.

„Über den GMR-Effekt will ich diesmal aber nicht reden”, lachte Grünberg. „Darüber habe ich in den letzten Jahren immer und immer wieder vortragen müssen.” Stattdessen entschied sich der Professor, dem Auditorium die Funktionsweise der sogenannten „elastischen Wellen” nahezubringen. Ein Phänomen, das in einem Erdbeben ebenso gegenwärtig ist wie in einer schwingenden Gitarrensaite - und bis heute weitgehend unerforscht.

Dazu brachte der 71-Jährige, der schon seit seiner Teenagerzeit Gitarre spielt, sogar sein eigenes Instrument mit in die Aula und griff einige Akkorde. Denn ob eine Tonfolge für das menschliche Ohr harmonisch klingt oder nicht, hängt von der Ähnlichkeit eben jener Schwingungen in den einzelnen Gitarrensaiten ab.

Schade, dass zwischen all den Eltern und Ehemaligen nur wenige Schüler den Weg zum Vortrag gefunden hatten - auch wenn die theoretischen Erläuterungen Grünbergs teilweise über die Köpfe des Auditoriums hinweg gingen.

Auch heute verbringt der Physiker noch jeden Vormittag in seinem Büro im Forschungszentrum Jülich. Neben administrativen Aufgaben bereitet er vor allem neue Vorträge vor. Denn spätestens seit der Nobelpreisverleihung ist Grünberg auf jeder Fachtagung ein gern gesehener Redner.

Seine Lesung vor den Fachkollegen an der Universität Stockholm bezeichnet er als einen der eindrucksvollsten Momente in seinem Leben. „Du hältst jetzt eine Nobelpreisrede. Ist das denn überhaupt möglich?” - so empfand er den Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Karriere. Die Verleihung der Urkunde durch den schwedischen König dagegen berührte ihn weniger. „Ach, das ist doch bloßes Protokoll.”