Aachen: Nicht mit dem Kopf durch die Wand

Aachen: Nicht mit dem Kopf durch die Wand

Er war von 1971 bis 1985 Polizeipräsident der Stadt Aachen. Ein gebürtiger Westfale, der im Rheinland sesshaft wurde. Am Dienstag feiert Friedrich Fehrmann seinen 85. Geburtstag.

Franz-Josef Antwerpes sprach mit dem achtfachen Vater über seine aktive Zeit in Aachen und über die Jahre, die dem Ausscheiden aus dem Dienst folgten.

Herr Fehrmann, Sie werden heute 85. Wer alles wird Ihnen gratulieren?

Fehrmann: Unter anderem mein Nachfolger Heinrich Bönninghaus, Dompropst Müllejans, der ehemalige Landgerichtspräsident Speck und viele andere.

Wie ist das mit einem ehemaligen Polizeipräsidenten? Grüßen Sie die aktiven Polizisten auf der Straße noch oder sind die Beamten Ihrer Amtszeit auch schon in Pension?

Fehrmann: Die meisten sind in Pension, aber neulich hat mich ein Polizist angehalten, den ich noch von früher kannte.

Wieso hat der Sie angehalten? Wollte er Ihnen Guten Tag sagen?

Fehrmann: Nein, ich war geringfügig zu schnell gefahren, und da hat er mich ermahnt.

Ich bin im vorigen Jahr auch „geringfügig zu schnell” gefahren. Mich hat aber keiner ermahnt, sondern ich musste 15 Euro zahlen.

Fehrmann: Da haben Sie eben Pech gehabt.

Sie sind Westfale. Merkwürdigerweise sind die meisten Polizisten in Nordrhein-Westfalen auch Westfalen, obwohl das Rheinland mehr Einwohner hat. Wie ist das zu erklären? Liebt der Westfale Ordnung und Uniform?

Fehrmann: Ordnung schon, Uniform nicht unbedingt. Ich habe keine Erklärung für das Übergewicht der Westfalen bei der Polizei.

Ich kann es Ihnen erklären: Mein Vater war im Weltkrieg in einem Regiment, das aus Westfalen und Rheinländern bestand. Auf seine Frage, warum man die Landsleute mischte, sagte der Regimentskommandeur: Das ist notwendig. Die Rheinländer sind schnell vor und auch wieder zurück. Die Westfalen halten die Stellung. Diese Grundeigenschaft dürfte auch die Polizei für die Westfalen attraktiver machen.

Fehrmann: Das ist aber eine schöne Erklärung und nicht überzeugend dazu, denn ich habe viele rheinische Beamte erlebt, die zuverlässig und standhaft waren.

Ihr Vater war Landrat in Meppen und wurde von den Nazis 1933 abgesetzt. Wie hat Sie diese Zeit geprägt?

Fehrmann: Das war auch für uns Kinder ein großer Einschnitt, und auch wir haben das als Unrecht empfunden. Gottseidank haben sie meinen Vater nicht ins Gefängnis gesperrt, aber sie haben ihn degradiert. Er musste als Regierungsrat wieder anfangen.

Sie waren Soldat und sind in Russland schwer verwundet worden und waren ein Jahr in Lazaretten. Hatten Sie Glück im Unglück, dass Sie davon gekommen sind?

Fehrmann: Das kann man wohl sagen. Die meisten Kameraden, die mit mir in Russland waren, sind gefallen oder in Gefangenschaft gestorben. Mein Verwundung hatte eine Gehbehinderung zur Folge, die sich aber in den letzten Jahrzehnten gebessert hat.

Natürlich haben Sie in Münster studiert und natürlich Jura: Wieso sind Sie ins Rheinland gekommen?

Fehrmann: Man hat mich vom Innenministerium in Düsseldorf zunächst in der Landeshauptstadt eingesetzt. Das war ziemlich normal. Heute kann man auf seinen künftigen Dienstort mehr Einfluss nehmen, aber wer was werden will, muss auch heute noch versetzungsbereit sein.

Als Sie 1960 ständiger Vertreter des PP Aachen wurden, stellten Sie fest, dass sich drei Berufsverbände untereinander befehdeten und alle drei gemeinsam die Behördenleitung attackierten, ein Zustand, den ich gut kenne. Wie sind Sie damit fertig geworden?

Fehrmann: Ich glaube, dass ich ganz gut vermitteln kann. Es wäre nicht gut gewesen, bei der vertrackten Situation mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.

Nach einem längeren Zwischenspiel als Abteilungsleiter beim Regierungspräsidenten Aachen sind Sie 1971 Polizeipräsident geworden. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Fehrmann: Überwiegend gute. Das Amt hat mir viel Freude gemacht. Während meiner Amtszeit ist das Polizeipräsidium neu gebaut worden. Das konnte ich positiv beeinflussen. Negativ ist mir ein Ereignis aus 1984 in Erinnerung, als die Aachener Polizei bei einer Geiselnahme eine Geisel versehentlich erschoss.

Sie haben u.a. die „Nebedeac”-Pol mit gegründet. Was war Ihr Motiv, eine grenzüberschreitende Kooperation zu unterstützen? Damals war Europa noch weit.

Fehrmann: Leider. Kriminalität macht nicht an den Grenzen halt, und ich war mir mit meinen Kollegen in den Nachbarprovinzen von Belgien und Holland einig, dass wir auch gemeinsam grenzüberschreitende Kriminalität bekämpfen müssen. Wir haben manches gemacht, das der Gesetzgeber weder hier noch drüben zuließ und was heute international geregelt ist.

Am 30. November 1985 gingen Sie in Pension, also vor genau 20 Jahren. Was treibt Sie heute noch um?

Fehrmann: Ich verfolge mit Interesse das städtische und politische Geschehen, aber auch, was bei der Polizei passiert.

Haben Sie noch ein besonderes Hobby?

Fehrmann: Ja, ich betreibe Familienforschung und habe verschiedene Arbeiten darüber geschrieben. Mein Großvater ist z.B. in Iserlohn 1848 festgenommen worden und wurde auf der Zitadelle in Wesel inhaftiert. Er hatte sich aktiv an der Revolution beteiligt.

Sie haben acht Kinder. Da gibt es sicherlich eine Menge Enkel und Urenkel.

Fehrmann: Zwölf Enkelkinder, Urenkel noch nicht. Die können noch kommen.

Herr Fehrmann, ich habe zwar nur vier Kinder. Wir sollten aber zum Schluss die Leser auffordern, mehr Nachwuchs in die Welt zu setzen, nicht zuletzt wegen Ihrer und meiner Pension. Wir sind schließlich mit gutem Beispiel vorangegangen. Ich danke Ihnen für das Gespräch.

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