Aachen: Neun Jahre Gefängnis für Überfall auf Juwelier am Büchel gefordert

Aachen : Neun Jahre Gefängnis für Überfall auf Juwelier am Büchel gefordert

Teure Edel-Uhren im Wert von mehr als 300.000 Euro hatte das litauische Gangsterquartett in einem nur wenig mehr als eine Minute dauernden Handstreich aus einem Juweliergeschäft am Büchel geraubt. Die Tat vom 25. Juli 2017 war genauestens geplant, jedoch anscheinend vor allem von Laien, nämlich drei jugendlichen Tätern, und einem versierten 62-Jährigen durchgezogen worden.

Am Dienstag nun wurden vor der 2. Großen Jugendkammer des Aachener Landgerichts die Plädoyers gehalten. Für Staatsanwalt Jan Balthasar war klar, dass sich der 62-jährige Antanas O. im Strafmaß wesentlich stärker zu verantworten hatte, als die im litauischen Kaunas, der zweitgrößten Stadt des kleinen Landes, angeworbenen drei Teenager erwarten mussten.

Wegen schweren bandenmäßigen Raubes beantragte Balthasar vor der Jugendkammer unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme eine Strafe von neun Jahren Haft. Das geforderte hohe Strafmaß erklärt sich auch aus der Tatsache, dass der 62-Jährige bei einem weiteren Raubversuch in Weiden in der Oberpfalz festgenommen worden war. Die Aachener Kammer hat nun diesen versuchten Raub mit abzuurteilen, doch alleine die Aachener Sache schlägt mit sechseinhalb Jahren Haft zu Buche. Sein Anwalt Peter Schäfer hatte im Antrag eine Gesamtstrafe von siebeneinhalb Jahren beantragt.

Für den 17-jährigen Edgaras O. beantragte Balthasar dreieinhalb Jahre Jugendstrafe, für die beiden weiteren jugendlichen Angeklagten forderte die Staatsanwaltschaft jeweils drei Jahre Haft.

Dabei kann der nicht vorbestrafte Edgaras L. (19) trotz eines umfassenden und reuigen Geständnisses wohl kaum im Urteil auf eine Bewährungsstrafe hoffen, weil er bei dem Überfall auf die bereits am Boden liegende Verkäuferin zustürzte und ihr Pfefferspray ins Gesicht sprühte.

Wie er war auch der zweite siebzehnjährige Täter, Darius L., von Hintermännern in einer Diskothek im litauischen Kaunas angeworben worden. Statt zur Schule zu gehen, gingen die damals 16-Jährigen auf große Fahrt durch Polen und Deutschland bis ganz in den Westen nach Vaals. Dort wurden sie in einer kleinen Pension untergebracht. Dorthin kamen weitere Bandenmitglieder, die Anweisungen für den geplanten Raubüberfall gaben. Die Mitschnitte der zentralen Videokamera im Verkaufsraum des Juweliers zeigten ein durchaus professionell anmutendes Auftreten der jungen Räuberbande.

Einer übersprang in Sekundenschnelle die mannshohe Barriere zu den Auslagen im Fenster des Geschäfts, raffte dort die Uhren zusammen und hechtete wieder zurück in den Verkaufsraum, während ein weiterer Täter bereits an der Eingangstüre die Verkäuferin mit einer Art Judo-Wurf zu Boden gerungen hatte. Einer der Täter berichtete, dass man die Beute noch im Parkhaus Büchel an die Hintermänner weitergegeben habe, dann seien sie über Belgien wieder nach Litauen gebracht worden.

Die Kammer will am 5. Juli ab 11 Uhr ein Urteil im Aachener Landgericht sprechen.