Aachen: Neujahrsempfang: Die Vereine wirken auch als Motoren der Integration

Aachen : Neujahrsempfang: Die Vereine wirken auch als Motoren der Integration

Rund 500 Vorsitzende und ihre Stellvertreter der Aachener Vereine folgten am Donnerstagabend der Einladung zum Neujahrsempfang von Oberbürgermeister Marcel Philipp. So kamen Gartenfreunde, Karnevalisten, Sänger, Sportler und sozial engagierte Menschen im Krönungssaal des Rathauses zusammen, um die Neujahrsansprache des Oberbürgermeisters zu hören.

„Der heutige Rahmen soll ein Ansporn sein, den Zusammenhalt weiter zu fördern und die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Gerade auch in der anspruchsvollen Kinder- und Jugendarbeit“, betonte Philipp. Er blickte zurück auf glanzvolle Momente des vergangenen Jahres wie die Reit-Europameisterschaften.

„Es war aber auch ein schwieriges Jahr, mit Angst vor Terror, Verunsicherungen durch den Atomreaktor Tihange und Herausforderungen durch die Flüchtlingswelle. „Die Stadt verändert ihr Gesicht“, fügte der OB hinzu, etwa durch die Eröffnung des Aquis Plaza. „Solche Projekte sind der Motor, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden und wirtschaftlich stark zu sein.“

Trotzdem solle die Stadt ihre Seele bewahren. „Sie, die Vereine, tragen dazu bei, unsere Stadt nach vorne zu bringen“, betonte der Oberbürgermeister abschließend.

Als Vertreterin der Aachener Vereine sprach dann Andrea Prym, Vorsitzende des Fördervereins Sozialpädiatrisches Zentrums (SPZ) an der Uniklinik Aachen, zu den Gästen im Krönungssaal. Das SPZ ist eine Ambulanz der Kinderklinik. Dort arbeiten Ärztinnen, Psychologinnen, Krankengymnastin, Logopädinnen, Pädagoginnen und Ergotherapeuten.

Der Förderverein kümmert sich hauptsächlich um die Früherkennung von Krankheit und Behinderung von Kleinkindern. Außerdem werden ADHS-Fortbildungen von Lehrern und Erziehern, Elterngespräche, Konzentrationstrainings und eine Palliativrufbereitschaft für sterbenskranke Kinder finanziert. Andrea Prym engagiert sich auch für das Kinderheim in Brand, die Stiftung für Diakonie und den Freundeskreis für Trauerarbeit.

„Das alles sind soziale Einrichtungen, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern, die keine Lobby haben und die drohen durch unser soziales Netz zu fallen“, erklärte sie. Auch das große Thema „Flüchtlinge“ beschäftigte Prym, die betonte: „Heute darf und kann ich hier als Ehrenamtlerin stehen, vor vielen Jahren war ich auch einmal Flüchtling.“

Ihre Eltern seien mit ihr und ihrem Bruder von Ost- nach Westdeutschland geflüchtet. „Wir waren nicht traumatisiert. Wir mussten uns nicht in einem vollkommen neuen Kulturkreis zurecht finden. Wir hatten keine Sprachprobleme. Wir brauchten keinen Asylantrag zu stellen und wir mussten auch nicht bangen, abgewiesen zu werden“, zählte Prym auf.

An diesem Punkt seien alle Ehrenamtler aufgerufen, allen nur erdenklichen Einsatz zu bringen — sei es im Sportverein, bei der Feuerwehr oder im Kindergarten. „Bei unserem Einsatz kommen wir vielleicht manchmal an unsere physischen und psychischen Grenzen. Aber macht es uns nicht allen große Freude, wenn wir sehen, dass unser Einsatz und unsere Hilfe ankommen? Was wäre, wenn es in Deutschland keine Ehrenamtler gäbe? Abgesehen von dem volkswirtschaftlichen Debakel, würden wir als Menschen abstumpfen und unsere Gesellschaft wäre trostlos“, betonte Prym.

(krü)
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