Aachen: Neues Wohnquartier: Planer nehmen Innenblöcke ins Visier

Aachen : Neues Wohnquartier: Planer nehmen Innenblöcke ins Visier

Wenn Wohnungsnot auf Baulandmangel trifft, sind gute Ideen gefragt. Eine davon heißt: Bebauung von Blockinnenbereichen. Zu welchen Ergebnissen das führt, wird man in zwei bis drei Jahren etwa an der Franzstraße sehen können, wo auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule ein neues Wohnquartier entstehen soll. Knapp 500 Meter Luftlinie entfernt feilen andere Investoren nun bereits an der nächsten Idee, die unter dem Namen „Luisenhöfe“ firmiert.

Eingerahmt von Boxgraben, Mariabrunnstraße und Südstraße tut sich bislang noch ein relativ gering bebauter und vielfach noch grüner Innenbereich auf, der von der eigens gegründeten Luisenhöfe GmbH ebenfalls zu einem neuen Wohnquartier entwickelt werden soll. Anders als an der Franzstraße soll dort keine der bestehenden Straßenfronten aufgebrochen werden. Das Neue soll ausschließlich im Innern entstehen.

Noch herrscht Grün vor, wo ein neues Wohnquartier geplant wird. Im Innenbereich zwischen Boxgraben und Südstraße sollen die „Luisenhöfe“ gebaut werden. Einbezogen wird auch der Bunker (kleines Foto), in dem moderne und hochwertige Eigentumswohnungen entstehen sollen. Foto: Andreas Herrmann

Hinter der Luisenhöfe GmbH stehen zu gleichen Teilen die Immobilienentwickler der beiden Aachener Gesellschaften Landmarken und Aixact, die offenbar schon die wichtigsten Grundstücke in ihren Besitz gebracht haben, darunter ist auch das sogenannte Kalde-Gelände, auf dem einst die gleichnamige Fabrik und Elektrogroßhandlung ansässig war. Hinzu kommen mehrere kleinere Grundstücke und nicht zuletzt auch der Luftschutzbunker an der Südstraße, der den Aachenern im Zweiten Weltkrieg Schutz bot und noch bis in der 1950er Jahre als Notunterkunft genutzt wurde.

„Eleganter Wohnraum“

Nun soll er wieder für Wohnzwecke hergerichtet werden, allerdings auf einem deutlich ansprechenderen Niveau. Die Landmarken-Planer kündigen an, das Weltkriegs-Relikt „perforieren“ zu wollen und „eleganten Wohnraum“ zu schaffen, der dann als Teileigentum vermarktet werden soll.

Während dieser Umbauplan noch als relativ unstrittig gilt, besteht für die weiteren Projektideen mit bis zu zehn neuen Gebäuden durchaus noch erhöhter Diskussionsbedarf unter den Aachener Politikern, die sich am 12. Januar im Planungsausschuss mit einer Machbarkeitsstudie für die Luisenhöfe befassen werden.

Von einer spannenden Thematik spricht der Ausschussvorsitzende Harald Baal (CDU), denn dahinter steht die Frage, wie man mit dem knappen Gut Bauland in der Stadt umgeht: Sollen solche städtebaulichen Flächenreserven wie an der Franzstraße oder am Boxgraben weiter aktiviert werden, oder soll man lieber auf die Wiesen am Stadtrand gehen? Umstritten ist beides, wie sich nicht zuletzt an der Debatte um den neuen Flächennutzungsplan zeigt.

Eine große Qualität und wichtige Funktion für die Anwohner haben auch solche Blockinnenbereiche, wissen die Politiker. Den Blick etwa auf solch markante Bäume wie die Kastanie am Boxgraben möchte man den Menschen nicht nehmen.

Weder Baal noch der planungspolitische Sprecher der SPD, Norbert Plum, wollen daher den Diskussionen in ihren jeweiligen Fraktionen über die Luisenhöfe vorgreifen. Zwar haben sich die beiden Mehrheitsfraktionen generell darauf verständigt, den Wohnungsbau in Aachen auch durch eine sogenannte Nachverdichtung in Innenstadtlagen zu fördern. Wie das im Einzelfall aussehen soll, müsse jedoch stets neu diskutiert werden.

Und so wollen sie auch in diesem Fall sehr genau hinschauen, was sich die Investoren vorstellen: Wie hoch sollen die Gebäude werden? Wie dicht ist die Bebauung geplant? Welche Erschließungswege sind vorgesehen? Wie groß sind die Abstandsflächen zu schützenswerten Bäumen? Und wieviele Menschen sollen dort überhaupt dereinst leben?

Noch ist vieles in der Schwebe, wie auch die bislang eher vagen Verlautbarungen von Sylvia Friederich, Landmarken-Bereichsleiterin Wohnen, belegen. Sie verspricht, auf die „Außenraumqualität“ zum „Wohle der Bewohner großen Wert“ zu legen. Angekündigt wird „ein vitales Wohnquartier mit rund 15 000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche“.

„Grüne Höfe“

Der Name „Luisenhöfe“ leite sich aus der Nachbarschaft zum Luisenhospital ab und ergebe sich zudem aus der Anordnung der geplanten Wohnhäuser, die „um grüne Höfe herum gruppiert werden“. Die Politik erwartet, dass dort auch die 30-Prozent-Quote für geförderten Wohnungsbau — also Sozialwohnungen — erfüllt wird. Die Investoren planen zudem den Bau einer Kita und eventuell auch einer Seniorentagespflegeeinrichtung. Denkbar seien auch kleinere Geschäfte für den täglichen Bedarf.

Erschlossen werden soll das Quartier von der Mariabrunn­straße aus, wobei eine Zufahrt neben dem dortigen Parkhaus geplant ist. Das Quartier könne jedoch weitgehend autofrei gehalten werden, meinen die Planer. So könnten die künftigen Bewohner ihre Fahrzeuge etwa im Parkhaus abstellen, das dafür eigens erweitert werden soll.

Vom Ausmaß der geplanten Bebauung wird es abhängig sein, ob die Politiker für das Vorhaben ihr Okay geben. „In einem behutsamen Umfang kann ich es mir vorstellen“, meint Plum. Baal verweist zumindest darauf, dass man solche Blockinnenbebauungen in der Vergangenheit durchaus „positiv begleitet“ habe. Eine Richtungsentscheidung werden die Fachpolitiker aber erst nach der Winterpause am 9. Januar treffen.

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