Neues Veranstaltungsformat am Burtscheider Krankenhaus

Marienhospital Aachen : Ein Krankenhaus stellt sich vor

Mit Musik und interessanten Talk-Gästen hat sich das Marienhospital am Wochenende erstmals in Form einer Matinée einem größeren Publikum vorgestellt. 180 Interessierte kamen zu der Veranstaltung in die Kapelle des Burtscheider Krankenhauses.

Sonnenschein fällt durch die Glasfenster der Kapelle, gute Musik von Heribert Leuchter und seiner Band erfüllt immer wieder den Raum. Auch wenn am Sonntagmorgen in der Kapelle des Marienhospitals alles wunderbar entspannt anfühlte, beinahe schon gelöst wirkte, machte Benjamin M. Koch, Vorstand der Katholischen Stiftung Marienhospital Aachen, gleich zu Beginn der Matinée klar, dass weder er noch die Ärzte des Hauses sich entspannen können: „Alle Krankenhäuser in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen“, sagte er zu Bernd Mathieu, ehemaliger Chefredakteur unserer Zeitung, Mitglied im Aufsichtsrat der Stiftung Marienhospital und Moderator der Veranstaltung. Der Druck auf die Häuser werde immer größer. „Ein Drittel der Hospitäler in Deutschland soll geschlossen werden, das ist kein Geheimnis. Und das wird auch passieren, da bin ich mir sicher“, so Koch. Umso wichtiger, dass das Marienhospital sich gut aufstelle.

Das gelte vor allem in einer Stadt wie Aachen, stellte Thomas Möllhoff, Ärztlicher Direktor des Hospitals, klar: „Der Konkurrenzkampf ist groß“, sagte er, man befinde sich in der Städteregion in einem sehr kompetitiven Umfeld. „Hier gibt es viele Häuser mit einem ähnlichen Spektrum“, so Möllhoff, da müsse man sich spezialisieren.

Neue Kliniken gegründet

Zu dieser Spezialisierung gehört für das Marienhospital neben der neu eingerichteten Kardiologie von Chefarzt Tudor C. Pörner, der vor zwei Jahren aus Jena nach Aachen kam, auch die Pneumologie von Chefarzt Thorsten Winters aus Würselen, der am 5. Juni offiziell an seiner neuer Wirkungsstätte begrüßt wird.

Ein Krankenhaus wie das Marienhospital steht nicht für sich alleine, sondern fügt sich in die Gesamtheit der Stadt ein. „In Aachen liegt vieles im Argen“, sagte Christa Reicher, Professorin für Stadtplanung an der RWTH. In den vergangenen Jahren habe man in der Stadt Dinge umgesetzt, von denen „die ganze Welt weiß, dass sie nicht zielführend sind“. Doch die Stadt habe enormes Potenzial, so die Architektin, die sich seit einiger Zeit auch mit dem Oberbürgermeister im Austausch befinde. Ihr Vorschlag für den Büchel: Aachen solle die exponierte Lage der Innenstadt als eine Art Schaufenster für das nutzen, das es zu bieten hat, ob es nun der e.GO sei oder eine andere Innovation aus dem univesitären Umfeld. Außerdem gebe es in Sachen Bürgerbeteiligung in Aachen einen großen Nachholbedarf.

Hochpolitisch wurde es bei den Gesprächen mit der Europaabgeordneten Sabine Verheyen (CDU) und mit Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums. „Europa ist noch nicht fertig, wir befinden uns mitten im Prozess“, sagte Verheyen, die dafür warb, am 26. Mai zur Wahlurne zu gehen. Als Erklärung für die erstarkte Skepsis gegenüber der EU erklärte Jürgen Linden: „Seit 2007 haben wir eigentlich keinen nennenswerten Integrationsfortschritt geschafft, dafür mehr Probleme bekommen.“

Nachdenklich bis heiter präsentierte sich der Bestsellerautor, Psychotherapeut und Theologe Manfred Lütz aus Köln, der mit Mathieu über die Entstehung einiger seiner Bücher sprach, unter anderem eine Psycho-Analyse der katholischen Kirche. „Die Christen“, so Lütz, „sind die einzigen, die sich sicherheitshalber für ihre Geschichte entschuldigen, ohne sie zu kennen.“

Das Marienhospital plant, solche Veranstaltungen wie die Matinée häufiger zu organisieren. Ob jährlich oder halbjährlich, darüber muss noch entschieden werden.

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