Neues Stück im Mörgens beschäftigt sich mit der Identität

„ICH ist ein anderer“ : Schüler konzipieren eigenes Theaterstück

Identität – was heißt das eigentlich? Was ist das Ich? Was prägt mich? Diesen Fragen stellt sich eine neue Produktion im Mörgens, die das Theater Aachen gemeinsam mit dem Sozialwerk Aachener Christen und Fördergeldern des Deutschen Bühnenvereins auf die Beine gestellt hat.

„Wer bin ich? Wer möchte ich einmal sein? Wieso bin ich der, der ich bin und wie entsteht das Ich?“ Diese Fragen bewegen alle Menschen das Leben lang, und Jugendliche betrifft diese Identitätsfindung besonders. Identität – was heißt das eigentlich? Was ist das Ich? Was prägt mich? Was soll mich prägen? Was möchte ich los werden? Diese Fragen stellt sich eine neue Produktion im Mörgens, die das Theater Aachen gemeinsam mit dem Sozialwerk Aachener Christen und Fördergeldern des Deutschen Bühnenvereins auf die Beine gestellt hat.

Unter dem Titel „ICH ist ein anderer“ haben Jugendliche aus Aachen ein eigenes Stück konzipiert, dass sich – biografisch, autobiografisch und verfremdet – mit den Lebensgeschichten jedes Einzelnen auseinandersetzt. Mal überspitzt komisch, mal traurig, mal nachdenklich und immer unter der Frage, wer und was das Ich prägt. Erzählt werden kleine Alltagssituationen, Familienkonflikte oder Fluchtgeschichten, die mal autobiografisch und mal von anderen Teilnehmern des Projekts erzählt werden.

Insgesamt elf Schülerinnen und Schüler von neun Schulen aus Aachen und der Städteregion haben unter der Leitung von Regisseurin Ana Valeria Gonzalez, Dramaturgin Vivica Bocks und Produktionsleiterin Katrin Eickholt seit Oktober das Werk erarbeitet; sie haben unter Anleitung selbst die Texte verfasst, Bühnenbild und Kostüme gestaltet, das Theater in allen Facetten kennengelernt und auch etwas über sich selbst und die anderen Jugendlichen erfahren. Jetzt fiebern alle der Premiere am Sonntag, 10. Februar um 18 Uhr entgegen.

Für manche dürfte es das erste Mal vor Publikum sein; Claudia Gyasi gehört nicht dazu. Sie hat schon in der Schule und der Kirche in Theaterstücken mitgespielt. Bei „ICH ist ein anderer“ mitzumachen, sei aber noch einmal eine andere Erfahrung gewesen. Insbesondere die professionelle Anleitung habe ihr sehr geholfen. Vivica Bocks hebt besonders heraus, wie gut die Gruppe von Anfang an zusammengearbeitet und wie schnell auch Jugendliche integriert wurden, die erst etwas später zur Gruppe dazugestoßen sind, wie etwa Claudia und Amon Gier. Beiden scheint die Arbeit in der Gruppe gut gefallen zu haben, beide erzählen, dass sie wenig Schwierigkeiten hatten, in der Gruppe akzeptiert zu werden, sogar Freundschaften hätten sich entwickelt.

Im Stück erzählt Amon die Geschichte von Henndry, der, nachdem er von einer karibischen Insel nach Deutschland gezogen ist, dass erste Mal einen richtig kalten Tag erlebt. Claudia erzählt hingegen von ihrer eigenen Flucht aus Ghana nach Deutschland und vom Ankommen in einer neuen Umgebung. „Ich bin ich. Ich bin stark“ lautet ihr Motto. Außerdem sei es ihr wichtig, dass sie selbst entscheiden darf, wer sie ist: „Ich muss mich an niemanden anpassen.“

„ICH ist ein anderer“ ist eine Produktion geworden, die sich an viele Menschen in Aachen richtet: nicht nur an Jugendliche, sondern auch an Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten – eigentlich an alle, die Kontakt zu jungen Menschen haben. Denn wie soll man besser ein Gefühl davon bekommen, was junge Menschen bewegt, als wenn man ihnen zuhört, zusieht und versteht, was sie bewegt?

Claudia und Amon können sich auf jeden Fall vorstellen, auch in Zukunft weiter Theater zu spielen. Regisseurin, Dramaturgin und auch Pressesprecherin Ursula Schelhaas stimmt zu. Da bleibt nur noch – ganz im Sinne der Theaterwelt – viel Erfolg zu wünschen.

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