Neues Kurhaus: Stadt Aachen will Klarheit über die Sanierungskosten

Neues Kurhaus : Das bange Warten auf die externe Kostenschätzung

Mit zunehmender Spannung blickt nicht nur Aachens oberster Gebäudemanager Klaus Schavan dem kommenden Mittwoch entgegen. Dann will das Planungsbüro „Höhler + Partner“ die heiß ersehnte „vertiefte Kostenschätzung“ für das sanierungsbedürftige Neue Kurhaus vorlegen und Klarheit schaffen, mit welchen Summen die Stadt dort rechnen muss.

Klar ist schon jetzt, dass es um die größte Einzelinvestition geht, die die Stadt bisher je erbringen musste. Von mindestens 40 Millionen Euro ist die Rede, die die Wiederherstellung des neoklassizistischen Prachtbaus verschlingen wird. Doch die Risiken und Unwägbarkeiten stecken bekanntlich im Detail. Eben deshalb ist Schavan so gespannt darauf, was ihm die externen Ingenieure und Architekten von „Höhler + Partner“ auf den Tisch legen werden.

Rund einen Monat Zeit hat er sich ausbedungen, um das ausgearbeitete Sanierungsszenario zu prüfen. „Das ist schon knapp genug“, teilte er jüngst im Betriebsausschuss Eurogress mit. Es handele sich schließlich um „ein gewichtiges Projekt“, und es gibt „viele Posten, die intensiv geprüft werden müssen“. Insbesondere will er als Interessenvertreter der Stadt sehr genau schauen, ob noch günstigere Varianten und Kostenreduzierungen möglich sind.

Das Ergebnis soll am 10. Juli dem Rat vorliegen, damit die Politiker in der letzten Sitzung vor der Sommerpause „eine weise Entscheidung“ treffen können, wie Schavan es formulierte. Auch Sondersitzungen des Hauptausschusses und der Finanzpolitiker sind zuvor noch denkbar. Denn noch immer sind nicht alle Fragen zur künftigen Nutzung des Neuen Kurhauses geklärt.

Zwar hat die Politik inzwischen das Eurogress als Hauptnutzer des Neuen Kurhauses auserkoren. Geprüft wird aber auch noch, ob ein Bürotrakt im Obergeschoss fremdvermietet werden kann, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Das würde allerdings den Bau eines zweiten Zugangs erforderlich machen. Allerdings hat sich Eurogress-Chefin Kristina Wulf bereits klar gegen externe Mieter ausgesprochen. Denn weil die Zahl ihrer Mitarbeiter von 35 auf 45 steigen wird, steigt auch der Platzbedarf. Zugleich wäre endlich auch der Platz für dauerhaft eingerichtete Künstlergarderoben da, die bislang immer provisorisch in Seminarräumen untergebracht werden.

Derweil sollen die Räume im Erdgeschoss für Seminare, Tagungen und größere Kulturevents hergerichtet werden. Ein besonderes Schmuckstück dürfte der ehemalige Konzertsaal im hinteren Bereich werden, in dem bis zur Schließung 2015 noch die Roulettetische des Spielcasinos standen. Dort soll die alte Pracht des mehr als 100 Jahre alten Baus wieder zur Geltung kommen. Bis zu 500 Menschen könnten dort Platz finden.

Weiterhin unklar ist, wer künftig über das Untergeschoss verfügen kann, wo ein Raum für die Club- und Musikszene geschaffen werden soll.

Nach jetzigem Stand soll das denkmalgeschützte und dann rundsanierte Gebäude im April 2023 wieder in Betrieb genommen werden. Um das zu schaffen, gibt es für Schavan und seine Leute noch einiges zu tun. Unter anderem muss eine EU-weite Ausschreibung für ein Projekt dieser Größenordnung vorbereitet werden, die alleine gut sieben Monate Zeit beanspruchen wird. Und dann müssen auch die Anbieter gefunden werden, die überhaupt mitmachen wollen. Angesichts der derzeit „überhitzten Baukonjunktur“ sei das ein nicht zu unterschätzendes Problem, wie Schavan sagt. Schon bei vielen kleineren Projekten habe die Stadt derzeit Mühe, die entsprechenden Firmen zu finden.

Dennoch zeigte er sich zuversichtlich, den Terminplan und auch den zurzeit noch unbekannten Kostenrahmen am Ende halten zu können. Inzwischen habe man ein zuverlässiges Controlling entwickeln können, mit dem unangenehme Überraschungen bei den Preisen weitgehend ausgeschlossen werden könnten, versichert er den Politikern. Zugute komme ihm, dass er den Bau inzwischen so gut wie kaum einen anderen in Aachen kenne.

Politisch umstritten bleibt das Vorhaben dennoch. Vor allem Grüne und Piraten lehnen die Sanierung auf Kosten der Stadt ab. Sie haben sich für eine Vergabe in Erbpacht an Private ausgesprochen. CDU, SPD, FDP und Linke versprechen sich hingegen zusätzlichen Schwung fürs Kongresswesen in Aachen, das ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt ist und seit längerem zusätzlichen Platzbedarf angemeldet hat.

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