Aachen: Neues Kurhaus macht Rat ratlos

Aachen : Neues Kurhaus macht Rat ratlos

Alles wieder auf Null — diesen Schritt hat der Rat in Sachen Kurhaus-Sanierung nun auch formell vollzogen.

Nach Bekanntwerden der enormen Kosten von bis zu 40 Millionen Euro, die die Herrichtung des denkmalgeschützten Neuen Kurhauses an der Monheimsallee für die Mehrfachnutzung als Spielcasino, Gastronomiebetrieb und Eventlocation verschlungen hätte, hatte bekanntlich schon Oberbürgermeister Marcel Philipp die Reißleine gezogen. Seit der Ratssitzung am Mittwoch hat die Suche nach Alternativ-Nutzungen ganz offiziell begonnen.

Die Debatte machte deutlich, dass die allgemeine Ratlosigkeit groß ist, und doch deuteten vor allem Margrethe Schmeer für die CDU und auch Boris Linden für die SPD an, wohin die Reise gehen könnte: Man solle sich nun auf eine erweiterte Kongresstätigkeit konzentrieren und dort einen „attraktiven Tagungsort“ mit hochwertiger Gastronomie schaffen, empfiehlt Schmeer. Man könne dort den einstigen „Ruf der mondänen Kur- und Badestadt wieder etwas aufpolieren“, findet sie.

Ganz so euphorisch umschrieb es Linden nicht, doch auch er machte deutlich, dass das Kongresswesen „für Aachen eine Riesenchance“ sei. Bisher habe man alle planerischen Konzepte auf Westspiel und dessen Casinobetrieb zugeschnitten, künftig solle man lieber fragen: „Was braucht Aachen?“ Bis zu 600.000 Tagungsgäste jährlich würden „richtig Geld in die Stadt bringen“.

Westspiel in der Pflicht?

Mehrheitlich gehen die meisten Politiker längst davon aus, dass Westspiel wohl seinen jetzigen Standort im Tivoli behalten wolle und als künftiger Mieter kaum noch in Frage kommt. Doch dass am Ende die Stadt womöglich komplett auf den Sanierungskosten sitzen bleibt, wollen zumindest Linke, Grüne und Piraten nicht ohne weiteres hinnehmen. Die Westspiel GmbH habe in den zurückliegenden Jahren eine Instandhaltungsverpflichtung gehabt, der sie offenbar nicht nachgekommen sei, merkte Ellen Begolli für die Linken an. Ob man nicht noch Geld nachträglich einfordern kann, würde sie gerne prüfen lassen. Für die Grünen hält Rau auch die Einbindung privater Investoren für denkbar, denen man das Haus möglicherweise in Erbpacht günstig überlassen könne.

Ein Verkauf des Neuen Kurhauses, der auch mal im Gespräch war, wird hingegen im Rat keine Mehrheit finden, wie am Mittwoch deutlich wurde. Und auch „komplexe Mehrfach-Nutzungen“ soll es keinesfalls geben, da eben dies ein wesentlicher Kostentreiber ist.

„Das Feld ist offen“, sagt Philipp, der möglichst schon „in wenigen Wochen“ zu neuen Ergebnissen kommen will. Womöglich greift er ja auch noch die Idee auf, die Parteifreund Harald Baal ganz spontan einbrachte: Das Neue Kurhaus wäre doch auch ein schöner Platz für das Standesamt und die anschließenden Feiern.

(gei)
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