Aachen: Neues Kurhaus: Jetzt sind noch zwei Varianten übrig

Aachen : Neues Kurhaus: Jetzt sind noch zwei Varianten übrig

Die schwarz-rote Ratsmehrheit macht es weiter spannend, was aus dem Neuen Kurhaus wird. Die angekündigte Entscheidung zur künftigen Nutzung des denkmalgeschützten und schwer sanierungsbedürftigen Gebäudes, die eigentlich im Hauptausschuss am Mittwoch getroffen werden sollte, ist de facto erneut vertagt worden.

Vorerst soll die Verwaltung weiter rechnen und mögliche Varianten prüfen, bevor sich Aachens Politiker dann voraussichtlich im September zu einem wahrlich folgenschweren Beschluss durchringen wollen. Es geht um eine der größten Investitionen, die die Stadt je tätigen musste.

Es ist insbesondere die CDU, die sich mit dem Thema denkbar schwer tut und deren Ratsvertreter bislang allem Anschein nach nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen sind. Aber auch die Grünen hatten angesichts der prognostizierten Sanierungskosten in Höhe von 40 bis 50 Millionen Euro vor vorschnellen Entscheidungen gewarnt und damit insbesondere SPD und Linke bremsen wollen, die sich längst auf eine Nutzung durchs Eurogress festgelegt haben.

Spielcasino endgültig raus

Fakt ist seit Mittwoch, dass mit einer Rückkehr des Spielcasinos ins Neue Kurhaus nicht mehr zu rechnen ist. Offiziell verabschiedet haben sich die Mitglieder im Hauptausschuss auch von den einstmals gepriesenen Plänen, den Veranstalter Explorado und den Gastrobetrieb Maison van den Boer gemeinsam mit Westspiel in den Prachtbau zu holen.

Stattdessen sollen nun noch zwei Varianten für das seit 2015 leerstehende Gebäude genauer geprüft werden: die Nutzung durchs benachbarte Eurogress, das dringend mehr Platz für Kongresse und Messen benötigt, und eine Vergabe des Komplexes in Erbpacht an private Interessenten. Ob es diese überhaupt gibt, soll in einem sogenannten Markterkundungsverfahren ermittelt werden.

Mit diesem Arbeitsauftrag an die Verwaltung, der am Mittwoch einhellig von allen Fraktionen im Hauptausschuss verabschiedet wurde, greift die Ratsmehrheit auch einen Antrag von Grünen und Piraten auf, die sich ausdrücklich auch für eine Verpachtung an Private ausgesprochen haben, um der Stadt die immensen Ausgaben zu ersparen.

Dafür habe man freilich klare Leitplanken gesetzt, betonte Michael Servos für die Sozialdemokraten, die ebenso wie die Linken unter allen Umständen sicherstellen wollen, dass das Neue Kurhaus weiterhin für alle Aachener zugänglich bleibt. Eine Verpachtung an eine Schönheitsklinik, Notare oder Architekten scheidet damit aus. Die mögliche Nutzung durch Private, so heißt es im Mittwoch gefassten Beschluss, müsse „eine thematische Verknüpfung zum Standort“ und zum Gesamtensemble haben. Denkbar wäre etwa die Unterbringung einer Akademie, so CDU-Fraktionschef Harald Baal.

Der Vorteil der Erbpacht-Variante liege laut Baal darin, dass die Stadt das Gebäude nur zeitlich befristet — für etwa 30 bis 40 Jahre — aus der Hand gebe und weiterhin Einfluss auf die Nutzung nehmen könne. So sehen es auch Grüne und Piraten, die zugleich Zweifel daran haben, dass das Neue Kurhaus überhaupt geeignet ist, den Platzbedarf des Eurogress zu decken. Ein Saal mit einer Kapazität für bis zu 1000 Menschen sei dort jedenfalls nicht einzurichten. Michael Rau, Grüne, fürchtet zudem, dass die RWTH am Campus West ein eigenes Tagungszentrum plane, das dem Eurogress Konkurrenz machen könnte.

Außengastronomie im Sommer

Und doch haben CDU und SPD einer Nutzung durchs Eurogress in ihrem Beschlussentwurf einen auffallend breiten Raum eingeräumt. So sollen die Eurogress-Verantwortlichen möglichst bis September darlegen, was sie mit dem Neuen Kurhaus anfangen wollen und welchen Mehrwert sie erwarten. Gedacht ist daran, das gesamte Erdgeschoss für Tagungen und Kongresse zur Verfügung zu stellen. Eine feste Gastronomie, so wie es sie früher dort gab, soll es künftig nicht mehr geben. Stattdessen favorisieren CDU und SPD ein Cateringangebot für Tagungsgäste. In den Sommermonaten wäre allerdings auch eine Außengastronomie auf der Terrasse in Richtung Kurpark wünschenswert, heißt es im Beschluss.

Das Obergeschoss soll wiederum für „Bürozwecke“ vermietet werden. Eine denkbare Variante wäre dort die Unterbringung des Standesamtes. Im Untergeschoss wäre wiederum Platz für einen Club mit Livemusik oder Tanzveranstaltungen. Ob es dafür überhaupt einen Betreiber gibt, ist bislang allerdings ungeklärt.

Die Verwaltung hat nun den Auftrag, die Investitions- und Folgekosten zu berechnen, wobei sie ausdrücklich auch die sogenannte Umwegrendite mitberücksichtigen soll. Gemeint sind damit jene Einnahmen, die der Stadt, den Hoteliers, den Gastronomen und auch Geschäftsleuten durch Kongressbesucher und Tagungsteilnehmer „auf Umwegen“ zugute kommen.

Vor allem auf Betreiben der CDU soll die Verwaltung zudem eine „umsatzsteuerpflichtige Vermietung“ des Neuen Kurhauses sicherstellen. Der dadurch mögliche Vorsteuerabzug könne die Sanierungskosten erheblich senken, legte Steuerfachmann Baal im Ausschuss dar. Die bislang veranschlagten Sanierungskosten von bis zu 40 Millionen Euro würden sich in diesem Fall auf 33 Millionen Euro reduzieren lassen.

Bis Ende August könne die Verwaltung den am Mittwoch erteilten Prüfauftrag bearbeiten, stellte Oberbürgermeister Marcel Philipp in Aussicht. Spätestens im Herbst sollen die Politiker dann endgültig entscheiden, was aus dem Neuen Kurhaus werden soll.

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