Aachen: Neues Kurhaus: Eurogress-Lösung immer wahrscheinlicher

Aachen : Neues Kurhaus: Eurogress-Lösung immer wahrscheinlicher

Die künftige Nutzung des Neuen Kurhauses bleibt das politische Topthema in Aachen. Vor allem der CDU fällt es erkennbar schwer, sich zu einer Entscheidung durchzuringen — was natürlich auf die prognostizierten Sanierungskosten in Höhe von 40 bis 50 Millionen Euro zurückzuführen ist.

Damit sind Dimensionen erreicht, die einige Ratsvertreter in Ehrfurcht erstarren lassen. Andere denken derweil forsch nach vorne und bringen zusätzlich wieder die alte Idee vom „Haus für Musik“ ins Gespräch. Dort, wo zuletzt noch der Lenné-Pavillon stand, könnte ihrer Meinung nach der richtige Platz für einen neuen Konzertsaal sein.

„Das wäre unser Traum und unsere Idealversion“, sagt Ruth Crumbach-Trommler, die frühere Vorsitzende des Fördervereins „Haus für Musik“, der inzwischen im Verein der „Musik- und Theaterfreunde Aachen“ aufgegangen ist. An ihrem großen Ziel, einen bestuhlten Konzertsaal für bis zu 1200 Menschen zu schaffen, halten sie auch unter dem neuen Vereinsdach fest. „Das ist unser Wunsch, und er ist nicht unrealistisch“, ist Ruth Crumbach-Trommler überzeugt, die auch kulturpolitische Sprecherin der FDP ist.

Im Idealfall hoffen die Verfechter des Hauses für Musik, auf die früheren Zusagen von Sponsoren und Spendern zurückgreifen zu können und den Konzertsaal weitgehend mit privaten Mitteln errichten zu können. Unterstützung erhoffen sie sich aber auch aus Düsseldorf, wo mit Isabel Pfeiffer-Poensgen die einstige Ideengeberin für das Haus für Musik heute auf dem Posten der Kulturministerin sitzt.

Noch gibt es nur Vorstudien für einen solchen Konzertsaal, doch Beispiele anderer Städte — etwa aus Zürich, Dortmund oder Bochum — zeigten, dass er „relativ kostengünstig“ gebaut werden könnte. Die Rede ist von rund acht Millionen Euro, wobei Crumbach-Trommler angesichts vieler offener Fragen noch gar nicht so sehr ins Detail gehen will. Ihr wäre vor allem wichtig, jetzt die Anschlüsse zu schaffen und damit einen Anbau auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich zu machen.

Im Optimalfall sollte die neue Konzerthalle zum Kurpark hin geöffnet werden können, so dass sie auch als Bühne für die „Kurpark Classix“ genutzt werden könnte.

„Nichts entschieden“

Crumbach-Trommler macht kein Geheimnis daraus, dass sie über dieses Projekt am liebsten mit den Eurogress-Verantwortlichen verhandeln würde. Und tatsächlich zeichnet sich allmählich immer deutlicher ab, dass das Neue Kurhaus künftig dem Eurogress überlassen werden soll.

Für die SPD und die Linke ist das ohnehin seit längerem erste und einzige Wahl. Doch auch in der CDU und der FDP mehren sich die Stimmen der Eurogress-Befürworter. „Abschließend entschieden ist noch nichts“, betonte CDU-Fraktionschef Harald Baal gestern zwar erneut, doch nach dem Ausschlussverfahren bleiben kaum noch echte Alternativen übrig: Ein Abriss des maroden, aber denkmalgeschützten Baus kommt nicht in Frage.

Eine Rückkehr des Spielcasinos vom Tivoli zur Monheimsallee gilt auch aus Sicht von Oberbürgermeister Marcel Philipp als zunehmend unwahrscheinlich. Andere potenzielle Mieter konnten trotz intensiver Suche nicht gefunden werden. Und eine langfristige Verpachtung des sanierten Gebäudes an private Nutzer — etwa Anwälte, Notare, Schönheitschirurgen oder Architekten — lehnt nicht nur die SPD strikt ab, auch die CDU stuft diese von Grünen und Piraten ins Gespräch gebrachte Variante als „schwierig“ ein. „Wir haben erhebliche Zweifel, dass der Denkmalerhalt auf Dritte abgewälzt werden kann“, sagt Baal.

Bleibt also eine öffentliche Nutzung. Und dafür drängt sich unter anderem das Eurogress auf, das unter akuten Platznöten leidet. „Warum sollten wir an anderer Stelle eine neue Halle für Kongresse und Messen bauen, wenn gleich nebenan die Räume vorhanden sind, die wir in jedem Fall sanieren müssen“, fragt SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Daniela Parting. Eurogress-Chefin Kristina Wulf wirbt seit langem für eine Übernahme des Neuen Kurhauses, und sie wird dies auch gestern im Betriebsausschuss getan haben, der sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit dem Thema befasst hat.

Viele Detailfragen

Für die CDU liegt der Teufel jedoch noch an vielen Stellen im Detail, weshalb sie auch in dieser Woche noch keine Übereinkunft mit dem Koalitionspartner SPD erzielen konnte. Soll es im Neuen Kurhaus künftig ein echtes Parkcafé oder nur ein Cateringangebot geben?

Kann im Keller ein neuer Club für die Musikszene eingerichtet werden, der auch der Klangbrücke an der Komphausbadstraße neue Möglichkeiten eröffnet? Sollen Räume im Obergeschoss auch dem Standesamt überlassen werden? Alles Fragen, die noch auf Antworten warten.

Und geklärt werden müsse ja auch noch, wie — neben der einmaligen Investition für die Sanierung — die künftigen laufenden Kosten gestemmt werden können, die auf jährlich zwei bis drei Millionen Euro geschätzt werden. Im städtischen Haushalt sei das bisher nicht abgebildet, gibt Baal zu bedenken.

Ob die CDU noch vor der Sommerpause eine Entscheidung trifft, ist unklar. Laut Baal könne im Juli noch eine Sondersitzung des Hauptausschusses einberufen werden, um endlich Klarheit zu schaffen.

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