Aachen: Neues Internetportal: Schnelle Hilfe für Traumatisierte

Aachen: Neues Internetportal: Schnelle Hilfe für Traumatisierte

Nicht mehr schlafen können und ständig grausige Bilder im Kopf - verschleppte Traumata können den Alltag eines jeden Menschen zur Hölle machen.

Und dabei heile die Zeit eben nicht alle Wunden, sagt Reiner Mundt, Opferschutzbeauftragter der Polizei Aachen. Besser sei da die Hilfe von Profis, meint auch Guido Flatten, Leiter der Traumaambulanz am Euregio-Institut für Psychosomatik und Psychotraumatologie: „Je früher man Hilfe sucht, desto höher ist die Chance, dass das Trauma nicht chronisch wird.”

Um ein noch größeres Bewusstsein für das Thema zu schaffen, hat sich 2002 der Aachener Förderverein für traumatisierte Menschen gegründet, der das Projekt und die Entwicklung des Traumascout ermöglicht hat.

Im Netzwerk Opferhilfe Aachen kooperieren schon einige Jahre verschiedene Institutionen, die sich auf Hilfsangebote für traumatisierte Menschen spezialisiert haben. Unter anderem sind dort die Polizei, die Notfallseelsorge, Traumaambulanzen und Beratungsstellen vertreten. Seither ist das Hilfe-Netz stetig gewachsen.

Und seit drei Wochen gibts für Betroffene im Internet schnelle Hilfe - mit nur fünf Mausklicks: Auf der Seite „Traumascout.de” finden traumatisierte Menschen Anlaufstellen samt Kontaktdaten und Infos zu deren Arbeit. Dazu müssen sie lediglich wenige Klicks auf einer Suchmaske ausfüllen. „Das Internet bietet die schnellste und niederschwelligste Hilfe zur Orientierung”, meint Flatten. Bisher machen 43 Hilfsstellen aus der Städteregion mit, darunter sind Angebote zu Themen wie medizinische Hilfe, soziale Betreuung, rechtliche Hilfe oder auch psychotraumatologische Hilfe.

Der Traumascout richtet sich an Menschen, die schlimme Erfahrungen gemacht haben. „Das kann ein Einbruch sein, eine Gewalterfahrung, ein versuchtes Tötungsdelikt oder eine Geiselnahme”, so Mundt, „Situationen, in denen das Opfer große Hilflosigkeit spürt.”

Flatten: „Statistisch wird jeder vierte Deutsche Opfer eines Unfalls, zehn Prozent davon erkranken daran. Bei Opfern von Gewalttaten - jeder zehnte Deutsche in seinem Leben - sind das 25 bis 30 Prozent.” Auch Ärzte sollen auf „Traumascout.de” nachschauen, an wen sie ihre Patienten im Falle eines Falles vermitteln können.

Suchfunktion

Das Portal wurde in Abstimmung mit der psychosozialen Arbeitsgemeinschaft der Stadt aufgebaut. Bundesweit sei Traumascout das erste Netz mit Suchfunktion, in dem sich Betroffene und Ärzte oder Beratungsstellen über regionale Hilfen informieren könnten, betont Flatten: „Der Traumascout ist ein exportfähiges Modellprojekt.”

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