Aachen: Neues Diözesanarchiv entsteht in ehmaliger Kirche St. Paul

Aachen: Neues Diözesanarchiv entsteht in ehmaliger Kirche St. Paul

Von außen ist von den Fortschritten nicht viel zu sehen. Das soll aber auch so sein, denn das neue Diözesanarchiv des Bistums Aachen wird ein Haus im Haus werden. In der ehemaligen Kirche St. Paul an der Jakobstraße sollen noch in diesem Jahr die Bauarbeiten abgeschlossen werden.

Weil unter dem denkmalgeschützten Sakralbau aber noch intakte Gräberfelder liegen, verzögerten sich die Bauarbeiten zuletzt um über zwei Monate. Dass unter der einstigen Kirche noch Gebeine von Toten liegen, vermutete man schon vorher. Deswegen sah das statische Konzept des geplanten 25 mal elf Meter großen Kubus im Kirchenschiff eine sogenannte Mikropfahlgründung vor, um Eingriffe in den Boden möglichst zu vermeiden. Beim Rückbau der vorhandenen Bodenplatte wurden die Bauarbeiter aber dennoch fündig.

Vonaußen ein Kirchenbau, von innen demnächst ein modernes Archiv.: die ehemalige Kirche St. Paul an der Jakobstraße. Foto: Harald Krömer

„Selbst eine Grabkammer haben wir gefunden, aber nicht geöffnet, um die Totenruhe nicht zu stören“, erklärt Bistumsarchitekt Peter Schumacher, der den Entwurf mit dem Architekturbüro Schoeps und Schlüter, Münster, erarbeitet hat. Fortan seien die Bauarbeiten dann im Beisein von Experten für Bodendenkmalpflege fortgeführt worden. „Auch wenn die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert hat, sind wir froh, dass wir jetzt aus dem Boden raus sind und in die Höhe bauen können“, so Schumacher.

Ebenfalls sind die zehn Fundamentpfähle, die über 18 Meter tief in den Untergrund reichen, inzwischen gesetzt. Um bei den Bohrungen nicht auf böse Überraschungen zu stoßen, rückte zuvor der Kampfmittelräumdienst zu eingehenden Bodensondierungen an — dessen Suche blieb aber glücklicherweise erfolglos.

Trotz der Verzögerungen, betont Schumacher, rechne er mit dem Abschluss der Bauarbeiten bis im Oktober dieses Jahres, worauf sich aber der Beton noch bis zu drei Monate verfestigen müsse. „Am Ende wird es eine Art Monolith aus Glas und Sichtbeton, der in Kontrast zum Kirchenbau steht.“ Dieser wiederum werde weitestgehend unangetastet belassen und könne in Zukunft Raum für Ausstellungen oder kleine Konzerte bieten, so der Architekt.

Das neue Archiv wird auf zwei Geschossen Urkunden und Akten des Bistums beinhalten sowie Büroräume und einen Lesesaal auf einer dritten Etage. Insgesamt entsteht in dem Neubau ein Magazin für über fünfeinhalb Kilometer Archivalien und Dokumente, die unter einem exakt eingehaltenen Raumklima untergebracht werden können. Geplant waren für den Umbau St. Paul ursprünglich rund 2,6 Millionen Euro. Aufgrund der Verzögerungen beim Bau und dem zusätzlichen Aufwand, sagt Schumacher, seien die Gesamtkosten jedoch zurzeit noch nicht belastbar zu beziffern.