Aachen: Neues Bauprojekt im Frankenberger Viertel

Aachen: Neues Bauprojekt im Frankenberger Viertel

Es war kurz vor knapp in Sachen Satzungsbeschluss für die Neubebauung jenes riesigen Grundstückes, auf dem heute noch das grün schimmernde alte Vegla-Gebäude mit der Glas-Fassade an der Ecke Bismarckstraße und Viktoriaallee steht.

Das ehemalige Hauptquartier der Glashersteller Vegla und SaintGobain aus den 1970er Jahren war von einer Investorengruppe unter Leitung der Aachener Baugruppe Nesseler Projektidee erworben worden und wartete nun auf grünes Licht der städtischen Gremien.

Das bekamen die Projektentwickler am Donnerstag. Knapp war dabei nur, dass der unabdingbare städtebauliche Vertrag zwischen Nesseler und der Stadt Aachen erst kurz vor der Sitzung unterzeichnet wurde. Es sei gerade noch Zeit gewesen, das Wichtigste zu lesen. Mit Zufriedenheit konstatierten die Planungspolitiker sodann durch die Bank, dass — wie bei solchen Projekten mittlerweile üblich — ein festgeschriebenes Kontingent an sozialem Wohnungsbau vereinbart wurde. Hier sollen es 30 Prozent von Wohnungsbau mit Sozialbindung werden.

Bei dem Neubau von zwei Straßenzeilen im oberen Frankenberger Viertel sollen rund 100 Wohnungen und ebenfalls 100 Studentenappartements entstehen, dazu Büros für Firmen und Praxen sowie ein Supermarkt, der im Erdgeschoss an der Ecke Viktoriaallee und Bismarckstraße geplant ist. Insgesamt steht eine Grundstücksfläche von 9000 Quadratmetern zur Verfügung.

Für Hubertus Neßeler, Geschäftsführer des Vorhabenträgers Nesseler Projektidee, war die 30-Prozent-Auflage anscheinend eine dicke Kröte, die er zu schlucken hatte. Er sagt: „Das ist alles schön und gut, wenn Sie entsprechende Grundstücke vorfinden.“ Hier sei es aber so, dass man erhebliche Altlasten übernommen habe und sicherlich „ein gewisses Entgegenkommen“ von Seiten der Stadt schön gewesen wäre. So könne er die Zahl von ursprünglich geplanten 120 Wohnungen nicht halten, „es werden wohl knapp 100 werden“, sagte Neßeler.

Im Übrigen freue er sich aber sehr auf dieses Projekt. Ihm imponierte die Vielfalt der Formen von Wohnen, Geschäften und Büros, die hier entstehen sollen. Anders als sonst hatte bereits seit langem ein detailreicher Fassadenentwurf der neuen Häuserzeilen vorgelegen. An den beiden Straßenrändern von Viktoriaallee und Bismarckstraße soll wieder, wie früher, eine sogenannte Blockrandbebauung entstehen.

Düsseldorfer planen wieder

Den Entwurf legte das Düsseldorfer Architekten-Büro HPP (Hentrich-Petschnigg und Partner) vor. Ironie der Geschichte: Die Düsseldorfer hatten damals den Glaspalast der Vegla entworfen. Die Architektur soll nicht historisierend an die Bauformen im Frankenberger Viertel angelehnt werden, bei einer Vorstellung des Projekts herrschte der Wunsch der Bürger vor, die Geschosshöhen der Häuser und die Höhe des Dachfirstes deutlich zu variieren, damit der Eindruck einer gewissen Kleinteiligkeit entstehe.

Nun war das Vegla-Haus ein großes und hohes Gebäude. Und auch das neu geplante Eckhaus an Viktoriaallee und Bismarckstraße wird die Höhe des Vegla-Komplexes erreicht.

Wenn der Rat nun dem Baubeschluss zustimme, so Neßeler, könne man bis Ende des Jahres 2018 mit dem Abriss des alten Komplexes fertig sein und dann 2019 mit den Bauarbeiten beginnen. Jetzt sei man bereits daran, die geplanten Fassadenentwürfe „mit Inhalten“ zu füllen.

Im Planungsausschuss hatte man dazu geraten, die einzelnen Planungsstadien eng mit dem Gestaltungsbeirat (früher Architektenbeirat) der Stadt abzustimmen. Insbesondere, das sprach Ratsherr Michael Rau an, solle auf die oft hässlichen technischen Dachaufbauten Acht gegeben werden, der Neubau Luisenhospital sei hier ein „abschreckendes Beispiel“, sagte Rau. Der Beschluss zur Änderung es Bebauungsplanes 660 fiel einstimmig.

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