Aachen: Neuer Vorstand soll Kunstblätter retten

Aachen: Neuer Vorstand soll Kunstblätter retten

Schnell war klar, dass dies keine normale Jahreshauptversammlung werden würde. Mit dem akademischen Viertel Verspätung eröffnete der Vorsitzende des Museumsvereins Aachen, Hans-Josef Thouet, die Sitzung vor knapp 50 Mitgliedern am Dienstagabend im Suermondt-Ludwig-Museum.

Kaum hatte er die Begrüßung zu Ende vorgelesen, wurde er auch schon unterbrochen. Weil Christian Rother, selbst ehemaliges Vorstandsmitglied, bemängelte, dass nicht alle Vereinsmitglieder ordnungsgemäß zur Versammlung eingeladen worden wären — seine Frau und seine Kinder seien zwar Mitglieder, hätten aber keine Einladung erhalten —, so könne die Sitzung nicht fortgesetzt werden. „Ich möchte den Verein vor einem Fehler bewahren“, sagte Rother, „die Mitgliederversammlung ist so nicht durchführbar!“

Der Einwand löste Hektik im Saal aus — und Irritation beim Vorsitzenden. „Ich bin so in die Enge getrieben, dass ich gar nicht weiß, was ich noch soll“, sagte er, unterbrach die Versammlung zunächst, um schließlich ganz den Saal zu verlassen. Schatzmeister Günter Strauch warb bei den Mitgliedern um Verständnis für Thouets Reaktion — private Schicksalsschläge hätten dem Vorsitzenden schwer zugesetzt.

Zweiter Anlauf

Die Leitung der Veranstaltung übernahm von da an Peter van den Brink, zweiter Vorsitzender des Vereins und Direktor des Suermondt-Ludwig-Museums. „Ich finde es eigentlich absurd, was hier passiert. Es ist, wie es ist. Wir müssen weiter machen“, eröffnete dieser. Und ließ die Anwesenden zunächst darüber abstimmen, ob die Versammlung fortgesetzt werden soll. Sie wurde.

Heißester Punkt auf der Tagesordnung: die Aachener Kunstblätter, die wissenschaftliche Publikation, die seit 1906 vom Museumsverein herausgegeben wird. Zuerst jährlich, dann immer seltener. Die Ausgabe von März 2011 wird erst jetzt mit Band 65 fortgesetzt — nach mehr als drei Jahren Sendepause.

Der Vorstand des Museumsvereins betrachtet diesen Umstand sowie den schlechten Abgriff und die Tatsache, dass der Druck einer Ausgabe mit etwa 21 000 Euro zu Buche schlägt — bei Einnahmen von etwa 36 000 Euro im Jahr 2013 —, als Anlass, über die Einstellung der Publikation nachzudenken. Ein entsprechender Vorschlag wurde im November 2013 formuliert.

Jedoch: Die Mitglieder im Saal gaben dem Vorstand unmissverständlich zu verstehen, was sie von dem Vorschlag hielten. Ein eigens aus Bonn angereistes Mitglied schilderte eindrücklich, die Kunstblätter seien der Hauptgrund seiner Mitgliedschaft, die im Falle der Einstellung der Publikation auch jäh enden werde.

Nach einigem Hin und Her wurde schließlich der zu dem Zeitpunkt noch zu wählende neue Vorstand damit beauftragt, binnen eines halben Jahres ein neues Finanzierungskonzept für die Aachener Kunstblätter zu entwickeln und der Mitgliederversammlung vorzulegen. Zudem wurden alle, die an den Kunstblättern festhalten wollen, dazu aufgerufen, ihre Vorschläge beim Vorstand einzureichen.

Einzeln statt im Paket

So konnte der nächste Tagesordnungspunkt angepackt werden: die Entlastung des alten und die Wahl eines neuen Vorstands für die nächsten drei Jahre. Auch das ging — wie zu erwarten war — nicht leise über die Bühne. Ein Mitglied sprach sich gegen die Wahl des Gesamtvorstands aus, „ich möchte manche Leute nicht wählen müssen“. Gemeint war damit Schatzmeister Günter Strauch, der als kommissarischer erster Vorsitzender kandidierte — für maximal ein Jahr, wie er mehrfach betonte.

So wurde also über jedes Amt einzeln abgestimmt — nicht geheim, sondern per Handzeichen. Beisitzer wurde Christoph Terbrack, Schriftführer Dirk Tölke, neuer Schatzmeister ist Norbert Laufs, zweiter Vorsitzender bleibt Peter van den Brink. Und erster Vorsitzender wurde Günter Strauch — bei drei Gegenstimmen und neun Enthaltungen.

Der neue Vorsitzende ergriff zum Ende der Jahreshauptversammlung noch einmal das Mikrofon, um sich für seine Wahl zu bedanken. Auch aber, um zu betonen, dass er sich darüber freue, dass endlich einmal kontrovers und konstruktiv diskutiert wurde. Und dass endlich einmal Tacheles geredet wurde, wo sonst oft nur „ein müder Haufen“ saß.

Versöhnliches Ende

Schließlich sorgte er mit einem Vorschlag noch für ein versöhnliches Ende einer ansonsten recht turbulenten Veranstaltung. Hans-Josef Thouet, so sein Vorschlag, solle aufgrund seiner großen Verdienste Ehrenmitglied werden — am liebsten im Rahmen einer gemeinsamen Feierstunde.

Das Publikum spendete Applaus. Vorschlag angenommen, einstimmig.