Aachen: Neuer Kletterparcours am Uniklinikum hilft der Seele

Aachen : Neuer Kletterparcours am Uniklinikum hilft der Seele

Als stellvertretende Vorsitzende des Aachener Fördervereins „Kinderseele“ freut Dr. Gabriele Trost-Brinkhues sich über die Anschaffung einer Kletterwand in der Mehrzweckhalle in den neuen Räumen der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Uniklinikum am Neuenhofer Weg 22.

„Solch ein Erfolgserlebnis an der Kletterwand ist für die Kinder wie ein Stück Heilung“, weiß sie.

Seit dem Frühjahr läuft der Betrieb in den neuen Räumen, in denen derzeit 48 Patienten stationär und 18 in der Tagesklinik betreut werden. Das Alter bewegt sich von rund vier Jahren bis zur Volljährigkeit, liegt aber hauptsächlich im Schulalter. Auch eine Mutter-Kind-Station gibt es. „50 Prozent aller psychischen Erkrankungen beginnen im Kindesalter. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig die richtige Therapie zu finden“, betont Trost-Brinkhues.

Bewegung besonders wichtig

Gerade für Kinder mit psychischen Problemen sei Bewegung besonders wichtig. „Aktiv zu sein, sich hier gemeinsam mit anderen zu betätigen und sich beim Klettern gegenseitig zu unterstützen, das bringt den Kindern ein Stück Lebensfreude und langfristig mehr Selbstbewusstsein“, erklärt Klinikleiterin Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann. Man habe als Förderverein lange überlegt, wie man diese Anschaffung finanzieren kann.

Der Rotary Club Aachen-Frankenburg, der den Förderverein schon länger unterstützt, feierte in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Und so entschieden sich die Männer rund um Präsident Volker Gehring gerne, ihre Jubiläumsspende in Höhe von 17.000 Euro an „Kinderseele“ zu spenden.

„Die großzügige Spende für die Kletterwand ist zweifelsohne ein besonderer Höhepunkt. Für unsere Patienten bedeutet das, dass sie hier Freude und Teamgeist erleben, sich austoben und auch mal ein kleines Risiko wagen können“, freut sich Klinikleiterin Prof. Dr. Beate Herpertz-Dahlmann.

Sport als therapeutisches Mittel

Ergotherapeut Georg Kempe, zugleich Schriftführer von „Kinderseele“, freut sich, dass die Neuanschaffung den Kindern und Jugendlichen Lust auf mehr Sport macht: „Die ersten Patienten waren total begeistert. Die Kletterwand hat genau die richtige Größe, bietet zum Beispiel die Möglichkeit nach drei verschiedenen Farben und verschiedenen Schwierigkeitsstufen zu klettern“.

Für junge Patienten mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Angststörungen, Depressionen und Trotzverhalten sei Sport ein therapeutisches Mittel. „Und hier können sie sich neu ausprobieren, sich gegenseitig helfen, Gemeinschaftsgefühl erleben und Erfolge feiern, wenn sie schließlich ganz oben ankommen“, erzählt Kempe.

Seit 2009 unterstützt der Förderverein die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen. „Diese zehn Prozent fallen oft durchs Raster. Wir ergänzen die stationäre Behandlung mit Angeboten, die für die jungen Patienten enorm wichtig sind, aber von den Krankenkassen nicht abgedeckt werden“, erklärt Beisitzerin Beate Robens.

Musiktherapie, Reiten, Kinobesuche, Töpferkurse oder Ferienfahrten gehören dazu. Besuche in der großen Kletterhalle waren bislang mit großem Aufwand verbunden. Nun haben die Kinder ihre eigene Kletterwand — und das noch pünktlich vor den Sommerferien, in denen sie davon regen Gebrauch machen möchten.

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