Aachen: Neuer Chor: „Satisfaction“ statt Volksmusik

Aachen : Neuer Chor: „Satisfaction“ statt Volksmusik

Singen hält fit, macht glücklich, und man kann eine Menge interessanter neuer Leute kennenlernen. Angelika Zaun, Leiterin des Frauenchores „Die Pfefferschoten“ aus Brand, weiß genau, wie gut Singen tut. Regelmäßig veranstaltet die studierte Musikwissenschaftlerin und Musikpädagogin „Sing-Mit“-Abende.

Jeder, der möchte, kann kommen und Hits, Schlager und Evergreens singen. Im Anschluss an diese Abende stellte Zaun fest, dass viele Senioren Interesse an der Chormusik und am Singen zeigten. Problematisch war für Zaun allerdings, dass häufig Chorerfahrung fehlte und sie den Altersdurchschnitt bei den Pfefferschoten nicht signifikant erhöhen wollte.

Aber Menschen, die Spaß daran haben zu singen, sollte man diese Möglichkeit auch bieten, also ersann Zaun eine neue Idee: Ein Chor speziell für Menschen, die älter als 60 Jahre sind. „Chor 60+“ nennt sie das Projekt, der Chorname wird dies aber nicht werden. Gedanken, was der Chor singen soll, hat sie sich auch schon gemacht: „Die Senioren von heute wollen nicht nur geistliche Lieder oder Volksmusik singen“, stellt sie fest. Statt „Am Brunnen vor dem Tore“ seien Hits wie „Satisfaction“ angesagt. Lieder von Udo Jürgens, den Beatles, ABBA und sogar von den Rolling Stones kann sie sich für ihren neuen Chor, für den es bereits rund 25 Anmeldungen gibt, gut vorstellen. „Ich werde aber auch auf die Wünsche der Mitglieder eingehen“, erklärt die erfahrene Chorleiterin.

Chorerfahrung sei nicht notwendig, auch die Fähigkeit des Notenlesens lediglich hilfreich: „Jeder der will, kann mitsingen.“ Es geht nicht um Leistung oder die richtigen Noten, sondern um den Spaß. Außerdem möchte Zaun auch auf die Besonderheiten, die ein solcher Chor hat, eingehen. So braucht eine ältere Stimme ein anderes Stimmtraining als eine junge Stimme.

Dreistimmig soll der Chor werden: Sopran, Alt und Männerstimmen. „Frauen kommen immer gerne“, so Zaun. Männer hingegen sucht sie noch dringend, denn die seien schüchterner als Frauen. Der Chor soll auch eine gesellschaftliche Komponente über das Singen hinaus bei den Mitgliedern werden. Geprobt wird in der Gaststätte „Kapellchen“ in Burtscheid. Damit will Zaun anknüpfen an die Tradition der Gesangsvereine, ohne aber auf deren klassisches Repertoire zurückzugreifen. Gleichzeitig biete eine Gaststätte eine gute Möglichkeit, nach der Probe noch gemeinsam etwas zu trinken oder zu reden. Der Chor kann und soll auch ein Mittel gegen die Einsamkeit sein.

Chorname: „Der letzte Schrei“

Warum in Zeiten, in denen traditionelle Gesangsvereine immer mehr mit Nachwuchssorgen kämpfen, ein Chor 60+ entstehen soll, erklärt Zaun mit Blick auf ihre eigenen Generation: Die traditionellen Gesangsvereine würden häufig nicht mehr die Musik der heutigen Senioren singen. Heutzutage sei man mit 60 noch nicht alt, sondern in einem Alter, in dem man sich wieder auf neue Sachen konzentrieren kann. „Die Kinder sind aus dem Haus, das Berufsleben läuft in geregelten Bahnen, man hat Platz im Terminkalender.“

Einen möglichen Namen hat Zaun auch schon für den neuen Chor, auch wenn dieser in letzter Instanz mit den Mitgliedern geklärt werden wird, denn ein bisschen zweideutig ist er schon: „Der letzte Schrei.“

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