Aachen: Neuer Ärger bei der CDU: Arno Gerets verlässt den Vorstand

Aachen: Neuer Ärger bei der CDU: Arno Gerets verlässt den Vorstand

Die CDU in Aachen kommt nicht zur Ruhe. Die Querelen in der Fraktion und die damit verbundene Neubesetzung der Fraktionsspitze ziehen weitere Konsequenzen nach sich: Arno Gerets hat sein Amt als Schatzmeister des Kreisvorstands niedergelegt. Der frühere Ratsherr hatte schon angekündigt, dass er seinen Posten zur Verfügung stellt, wenn Fraktionschef Harald Baal per Antrag abgewählt wird. Neue Fraktionsvorsitzende wurde — wie berichtet — die stellvertretende Parteivorsitzende Maike Schlick.

Bei einer turnusmäßigen Sitzung des erweiterten Kreisvorstands erklärte Gerets am Donnerstagabend seinen Rücktritt. „Ich habe lange mit mir gerungen, weil ich keinem schaden und vor allem auch der Parteivorsitzenden Ulla Thönnissen nicht noch zusätzliche Probleme bereiten will, aber ich lasse mich nicht verbiegen“, sagt Gerets auf Anfrage der „Nachrichten“. Er habe weder Lust noch Motivation weiterzumachen, vor allem fehle ihm das Vertrauen für ein weiteres Mitwirken im Kreisvorstand.

Keine Ambitionen: Stellvertreter Heinz Lindgens. Foto: Kurt Bauer

Dem gehören neben Thönnissen und Schlick noch der Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke und Heinz Lindgens als Stellvertreter an. „Ich kann nicht verstehen, wie man in der Fraktion so respektlos miteinander umgehen kann“, betont Gerets. Außerdem habe Harald Baal „verdienstvolle Arbeit für die CDU“ geleistet und einen derartigen Abgang nicht verdient. Gerets’ Vorwürfe zielen somit auch auf die erklärten Baal-Gegner Schlick und Lindgens, mit denen er offenbar nicht mehr zusammenarbeiten will. „Ich bedaure seine Entscheidung“, sagt Schlick, auch Thönnissen hätte den bald 70-Jährigen gerne weiter im Vorstand gesehen.

Will Ruhe reinbringen: Parteichefin Ulla Thönnissen. Foto: Ralf Roeger

Im November 2010 war Gerets in den Kreisvorstand gewählt worden, obwohl er sich eigentlich damals schon aus der Politik zurückziehen wollte: „Ich habe mich reaktivieren lassen, weil ich der Partei helfen wollte. Das war ebenso eine persönliche Entscheidung wie mein Rücktritt am Donnerstag. Entscheidungen lasse ich mir nicht aus der Hand nehmen.“

Erklärtes Ziel von Parteichefin Thönnissen ist es nun, „Ruhe reinzubringen“. Die Neuwahl des Schatzmeisters will sie nicht überstürzen: „Wir müssen uns jetzt auf eine qualifizierte Persönlichkeit verständigen.“ So sei wohl auch nicht damit zu rechnen, dass diese Personalie schon beim nächsten Parteitag am 3. Mai entschieden wird. „Wir müssen uns jetzt erst mal Gedanken machen, wie wir in den Bundestagswahlkampf starten wollen, und haben keine Zeit, uns großartig mit internen Personalfragen auseinanderzusetzen.“

Jedoch könnte auch die Parteichefin bald in den Mittelpunkt neuer Debatten rücken. Denn von einigen Mitgliedern der Fraktion wird kolportiert, dass die für einen modernen Kurs der CDU stehende Vorsitzende den Traditionalisten ein Dorn im Auge sei und der stellvertretende Vorsitzende Lindgens als möglicher Nachfolger Gewehr bei Fuß stehe. Der geschasste ehemalige Fraktionschef Harald Baal hatte Lindgens sogar öffentlich als „Intrigant im Hintergrund“ gebrandmarkt.

„Mir sind derartige Gerüchte noch nicht zu Ohren gekommen“, sagt Thönnissen. Vielmehr sei ihr fraktionsintern vermittelt worden, dass „das Gegenteil der Fall“ sei. „Ulla Thönnissens Ablösung ist nie Thema gewesen und wird auch nie ein Thema werden. Es gibt keinen Grund, an ihrer Arbeit zu zweifeln“, sagt Schlick. Lindgens formuliert es so: „Das ist doch alles Quatsch. Mein Interesse ist es, die Kreisvorsitzende zu unterstützen.“

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