Aachen: Neue Wohnraum-Lösungen, damit der Stadt noch Luft bleibt

Aachen : Neue Wohnraum-Lösungen, damit der Stadt noch Luft bleibt

Wenn Wohnraum fehlt und Grundstücke Mangelware sind, müssen neue Lösungen her. Verstärkt haben Bauherren daher in letzter Zeit die Blockinnenbereiche in den Blick genommen, um in zweiter Reihe neue Wohnungen zu schaffen. Dass dies nicht unproblematisch ist, hat sich unter anderem in der Diskussion um die „Luisenhöfe“ gezeigt, die zwischen Boxgraben, Weberstraße und Südstraße geplant werden.

Für solche Formen der „Nachverdichtung“ wären klare Kriterien wünschenswert, meint Heike Ohlmann, Leiterin der Abteilung Verbindliche Bauleitplanung und Bauberatung.

Gilt als gelungenes Bauprojekt: das neue Wohnquartier an der Beverstraße (oben). Der heiß diskutierte Bau an der Krakaustraße (kleines Bild) muss sich hingegen noch bewähren. Foto: Harald Krömer

Damit ist die Hoffnung verbunden, immer wiederkehrende Auseinandersetzungen um die jeweilige Dichte und Höhe geplanter Bauten mit den Investoren in Zukunft vermeiden oder zumindest abkürzen zu können. Wie konfliktbeladen das Thema ist, hat sich in den letzten Jahren an unterschiedlichsten Stellen der Stadt gezeigt, wo etwa auch um den Erhalt von Bäumen und Grünflächen oder die Schaffung von Parkplätzen gerungen wurde. Im Fall der „Luisenhöfe“ hat sich gar eine Bürgerinitiative gegründet, um schlimmere Bausünden abzuwenden. Zwischenzeitlich wurde dort jedoch ein Architektenwettbewerb ausgelobt, der eine gute Quartiersentwicklung sicherstellen soll.

Rückendeckung haben Kritiker der „Nachverdichtung“, die ausdrücklich von der gegenwärtigen Ratsmehrheit gewünscht ist und gefördert wird, auch von Architekten erhalten, die bereits argwöhnen, dass inzwischen weniger die Bedürfnisse der Bewohner, dafür aber zunehmend die Renditeinteressen der Investoren darüber entscheiden, wie hoch und wie eng gebaut wird. Schließlich ist jedes Geschoss mehr, das auf teuren Grundstücken in die Höhe gezogen werden darf, bares Geld wert.

Um argumentativ gegenhalten zu können, könnte eine Kriterienliste für derartige Bauvorhaben eine gute Verhandlungsbasis für die Zukunft sein, glaubt Heike Ohlmann. „Das bringt auch Transparenz für die Investoren“, ist sie überzeugt. Denn sie wüssten dann von vornherein, welche Erwartungen die Stadt — mit dem Segen der Politiker — an die Bauherren hat. Auch würden für alle Investoren die gleichen Rahmenbedingungen bei der Prüfung solcher Bauvorhaben gelten.

„Das heißt nicht, dass wir alles vorschreiben und einschränken wollen“, betont Ohlmann. Aber eine gemeinsame Basis soll geschaffen werden, auf der sich alle bewegen müssten. Denkbar sei etwa die klare Vorgabe, dass Bauten in Blockinnenbereichen nicht höher werden dürften als die Traufen der Randbebauung. Und für gut vertretbar hält sie auch die Vorgabe, dass die Hälfte der zur Verfügung stehenden Grundstücke unversiegelt bleiben sollte. Der preiswürdige Entwurf für die Neubebauung des Schulgeländes Franzstraße, wo all dies schon verwirklicht wird, sei ein gutes Beispiel dafür, dass sich dies auch für Investoren rechne. Und überhaupt hätten viele von ihnen ja auch ein Interesse daran, dass sich die späteren Bewohner in neuer Umgebung auch wohlfühlen.

Thema auch für die Außenbezirke

Doch nicht nur die Dichte und Höhe sollte in die Beurteilung der Projekte einfließen. Auch zur Befahrbarkeit der Grundstücke, zur Lage und Zahl der Parkplätze oder zu den Wegen für Fußgänger sollten Kriterien erstellt werden. Und ganz wesentlich dürften auch Anforderungen zur Begrünung oder zum Erhalt alter Bäume sein. Bei alledem müsste jedoch auch die Lage der jeweiligen Projekte berücksichtigt werden, heißt es seitens der städtischen Planer. Im Innenstadtbereich gelten andere Anforderungen als etwa in einem Gründerzeitviertel wie dem Frankenberger Viertel, und dort wiederum andere als in den Außenbezirken, die von Einfamilienhäusern geprägt sind.

Ohlmann geht davon aus, dass die Nachverdichtung wegen des akuten Flächenmangels Politik und Verwaltung noch lange beschäftigen wird und zunehmend auch die Außenbezirke betreffen wird. Das Bauvorhaben Trimpersfeld in Eilendorf ist ein Beispiel dafür, die geplante Bebauung des Sportplatzes an der Karl-Kuck-Straße in Brand ein weiteres.

Ob es die von der Verwaltung gewünschte Kriterienliste geben wird, entscheidet der Planungsausschuss am morgigen Donnerstag.

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