Aachen: Neue Verbotsschilder finden kaum Beachtung

Aachen: Neue Verbotsschilder finden kaum Beachtung

Am ersten Tag machten die neuen Verbotsschilder noch keinen großen Eindruck: Kaum ein Lkw-Fahrer hielt sich am Freitag Vormittag an das ab sofort geltende Durchfahrverbot auf der Wilhelmstraße in Richtung Normaluhr. Möglich, dass sie die frischangeschraubten Schilder nicht mal gesehen haben.

Wer darauf achtet, kann sie jedoch seit Freitag am Adalbertsteinweg in Höhe Ottostraße, auf der Heinrichsallee und an der Umfahrung am Kaiserplatz entdecken. Die letzte Warnung erfolgt dann auf der Wilhelmstraße, wo es für ein Lkw-Wendemanöver jedoch schon zu spät sein dürfte: Täglich von 7 bis 12 Uhr soll die Wilhelmstraße bergan ab sofort ein Sperrbezirk für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sein.

Ziel ist es, auf diese Weise die Feinstaubmesswerte zu drücken und die Einrichtung einer Umweltzone in Aachen zu verhindern. Denn auch im vergangenen Jahr lieferte die Luftmessstation an der Wilhelmstraße wieder schlechte Werte. Der laut EU-Verordnung zulässige Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft darf lediglich an 35 Tagen überschritten werden - an der Wilhelmstraße wurde die Marke bereits im Sommer gerissen.

Feinstaub gilt ebenso wie das Reizgas Stickstoffdioxid als Auslöser für Atemwegserkrankungen wie Asthma und Bronchitis, aber auch für Krebs. Als Hauptverursacher gilt an der Wilhelmstraße der Autoverkehr. Eben deshalb hatte die Bezirksregierung Köln die Stadt bereits im Herbst vergangenen Jahres aufgefordert, die Anstrengungen im Kampf gegen die Luftverschmutzung zu verstärken und die Lkw zu verdrängen.

Die Stadt folgte eher unwillig, denn durchschlagende Erfolge für eine bessere Luftqualität scheint niemand zu erwarten. Hinzu kommt, dass es keine sinnvollen Ausweichstrecken gibt - zumindest keine, die nicht an anderer Stelle die Belastungen erhöhen.

Das temporäre Lkw-Fahrverbot ist nun dennoch Teil einer ganzen Reihe von Einzelmaßnahmen, die im sogenannten Luftreinhalteplan der Stadt festgehalten sind. In Arbeit ist unter anderem ein Lkw-Führungskonzept, das den Lkw-Verkehr im Stadtgebiet insgesamt reduzieren soll. Geschehen soll dies mit einer neuen Beschilderung an den Autobahnen, einem speziellen Lkw-Stadtplan und möglicherweise auch neuen Navigationsprogrammen.

Darüber hinaus verfolgt die Stadt das Ziel, den Fahrradverkehr zu fördern und Busse und Bahnen attraktiver zu machen. Verstärkt wirbt die Stadt im Verbund mit Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und weiteren Verbänden seit Jahren für verbilligte Jobtickets. Noch allerdings lassen messbare Erfolge auf sich warten.

Ab Außenring?

So scheint sich zu bewahrheiten, was Umweltverbände und ökologisch orientierte Verkehrsclubs seit längerem befürchten: Sollte der motorisierte Individualverkehr nicht deutlicher eingeschränkt werden können, führt an einer Umweltzone kein Weg vorbei. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie im Fall des Falles in Aachen bereits ab Außenring eingerichtet würde. Zufahrt hätten dann nur noch Fahrzeuge mit gelber und grüner Plakette.

Denkbar, dass eine Umweltzone strenger kontrolliert würde als das neue Lkw-Fahrverbot auf der Wilhelmstraße. Es sei zwar Aufgabe der Polizei, das Verbot zu überwachen, erklärt Polizeisprecher Paul Kemen, er fügt jedoch hinzu: „Das steht nicht ganz oben auf unserer Prioritätenliste.” Wer allerdings durchfährt und dennoch erwischt wird, muss mit einem Punkt in Flensburg und 40 Euro Geldbuße rechnen.

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