Aachen: Neue Tour durch die City: „Demokratie ist (k)ein Spaziergang“

Aachen : Neue Tour durch die City: „Demokratie ist (k)ein Spaziergang“

Die Säulen des Stadttheaters demonstrieren die Antike, und so war das Theater der Ausgangspunkt eines neuen Rundgangs von „Stadtbekannt und Co“, bei dem die Entwicklung der Demokratie in Aachen im Mittelpunkt steht.

Vor historischen Orten wie dem Büchel, dem ehemaligen Londoner Hof an der Kleinkölnstraße, dem Zeitungsmuseum, dem Rathaus und dem Centre Charlemagne erweckte Stadtführer Jan Röder die Vergangenheit zum Leben.

Startpunkt Theater Aachen: Jan Röder (r.) empfing die erste Gruppe zur zur Premiere des „demokratischen“ Rundgangs. Foto: Heike Lachmann

Denn all die altehrwürdigen Gebäude haben ihren ganz eigenen Bezug zur demokratischen Entwicklung in Aachen. Und wie lebendig die ist, mögen auch die Demonstrationen zeigen, die vor dem Stadttheater ihren Ausgang nehmen. Es sind aber vor allem die Säulen des Stadttheaters, die an die Antike erinnern und damit an die Demokratie in Athen. Die Idee einer Volksversammlung, die im Kollektiv verbindliche Entscheidungen getroffen habe, sei damals völlig neu gewesen, so Jan Röder. Allerdings durften weder Frauen noch Sklaven und Zugereiste wählen.

„Können Sie sich vorstellen, dass das Amt des Bundeskanzlers heute ausgelost wird?“, fragte Röder seine Zuhörer. Im alten Griechenland war das der Fall — eine Vorstellung, die mehr als einem Zuhörer durchaus reizvoll erschien. Doch das antike Griechenland ging unter, ohne dass es in unseren Breiten demokratische Spuren hinterlassen hätte. Erst die Französische Revolution habe die Demokratie entscheidend mitbegründet, so Röder.

Er führte aus, wie sich die Arbeiter in Aachen nach der Revolutionen von 1848 in ersten Gewerkschaften organisierten, erzählte von wichtigen Zeitgenossen wie Hubert Krewinkel, Vorsitzender der Aachener Sozialdemokraten im 19. Jahrhundert, und von David Hansemann, einem typischen Vertreter der Liberalen, der zwar Mitbestimmung forderte und sich so gegen den Adel wandte, der aber gleichzeitig die Arbeiterschaft von der Mitbestimmung ausgrenzen wollte. Sein Wollkontor war in etwa dort, wo heute die Mayersche Buchhandlung steht.

Um einige Forderungen der Revolution durchzusetzen, wurden sogenannte Märzregierungen eingesetzt. Als Folge entstanden die ersten Parteien und die Bürgerrechte. David Hansemann wurde Finanzminister. Doch der Wille zu einer gleichberechtigten Teilnahme aller Menschen fehlte hier noch. „Schon die Aufklärung hatte es schwer in Aachen“, führte Röder aus. Am buntesten und damit auch am aufgeschlossensten zeigte sich demnach die Badegesellschaft am Büchel.

Humboldt, der Naturforscher Georg Forster und Gottfried Herder waren dort oft zu Gast. Sie inspirierten ihren Zeitgenossen Franz Dautzenberg, den Begründer der Stadtbibliothek, zudem Publizist und Verleger. „Der Mensch ist frei, er kann sich weiter entwickeln, und er kann die Welt verändern.“ Das war der Gedanke, der diese Männer leitete.

Die Franzosenzeit in Aachen war ein weiteres Thema, das Röder bei dem Rundgang zur Sprache brachte. Er zeigte seinen Zuhörern ein Gemälde, das die Übergabe des Stadtschlüssels an die Franzosen zeigt. Die werden dort so negativ dargestellt, das kein Zweifel daran bestehen kann, wie wenig willkommen sie in Aachen waren.

Der ehemalige Londoner Hof an der Kleinkölnstraße war zum einen Sitz der französischen Verwaltung, später beheimatete er aber auch das sogenannte Demokratielabor. Hier machten sich die Amerikaner nach der Kapitulation der Nazis Gedanken, wie es mit Deutschland weitergehen sollte. Aachen war damals völlig zerstört. Es war die erste Stadt, die von den Amerikanern befreit wurde, und die erste Stadt, in der eine Lizenz vergeben wurde, um eine Zeitung zu drucken: die Aachener Nachrichten.

Und gerade die Pressefreiheit sei ein wichtiges Element der Demokratie, meinte Röder vor dem Internationalen Zeitungsmuseum. „Das ist wirklich einen Besuch wert“, sagte er und lobte die gute Ausstattung des Museums. Das Frauenwahlrecht und die ersten Frauen im Stadtrat waren weitere Themen, die zur Sprache kamen. Kein Wunder also, dass auch das Rathaus eine Station des Rundgangs war. Das hat beileibe nicht immer so ausgesehen wie heute. Röder zeigte ein Bild, das das Rathaus ohne Figuren und Verzierungen zeigt, und wies außerdem auf Möglichkeiten der politischen Partizipation im Kaiserreich hin.

Zwei Stunden hat der Rundgang „Demokratie ist (k)ein Spaziergang...durch Aachens Innenstadt“ gedauert. Gebucht werden kann er bei „Stadtbekannt und Co“ unter der Nummer 8940789. Der nächste Termin ist am Sonntag, 31. Januar, um 11 Uhr. Treffpunkt ist vor dem Stadttheater.

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