Neue Stabsstelle hilft, gemeinsame Wohnkonzepte in Aachen zu realisieren

Wohnen in Aachen : Kräfte bündeln und besser bauen

Wie man sich bettet, so liegt man, heißt es. Leicht gesagt, wenn Wohnraum extrem rar und für viele unerschwinglich geworden ist. Da lohnt es sich, über den sprichwörtlichen Gartenzaun zu schauen – und moderne Modelle des (Zusammen-)Lebens zu forcieren.

Genau das ist das Ziel einer städtischen Offensive, die Bauwilligen mit im Zweifel eher schlanken Geldbeuteln ganz neue Türen öffnen will. „Mit unserer Koordinationsstelle ,Bauen und Wohnen in Gemeinschaft‘ haben wir jetzt ein Angebot geschaffen, um innovative Initiativen auf privater Basis effektiv zu unterstützen“, sagt Rolf Frankenberger, Leiter des Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration.

Immerhin neun Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung zukunftsweisender Wohnformen gibt es freilich längst auch in Aachen. Nicht von ungefähr sitzt Frankenberger mit Claudia Bosseler, der frisch gebackenen Leiterin der jungen Stabstelle, und Dana Duikers, Chefin der Abteilung Planung im Fachbereich, am großen Tisch im Gemeinschaftsraum des „Patchwork-Hauses“ an der Schopenhauer Straße, dessen Grundstein 2017 auf genossenschaftlicher Basis gelegt wurde.

19 „Parteien“ – 26 Erwachsene, 13 Kinder, junge Familien und Alleinerziehende ebenso wie Senioren und eine behinderte Dame – leben dort inzwischen unter einem Dach. „Wir sind überzeugt, dass Projekte wie dieses enormes Potenzial gerade in der Studentenstadt Aachen haben“, betont Frankenberger sichtlich begeistert. Statt die ohnehin rar gesäten kommunalen Grundstücke großen Investoren zu überlassen, die meist auf teure Mieten spekulieren, müsse und wolle die Stadt viel mehr zukunftsweisende Kooperationen unterstützen, denen eben nicht an bestmöglichen Renditen gelegen sei, sondern am experimentellen, individuellen Wohnkonzepten.

„Dabei geht es zum Beispiel darum, die passende Rechtsform als Basis für das jeweilige Bauvorhaben zu ermitteln und geeignete Förderinstrumente aufzuzeigen“, erklärt Claudia Bosseler. Die gelernte Architektin und Stadtplanerin hat zuletzt in den Niederlanden vergleichbare Konzepte mit auf den Weg gebracht. Ökologische Aspekte wie Energieeffizienz oder Schaffung attraktiver Freiflächen rücken dabei ebenso ins Blickfeld wie der soziale Faktor. Allein in der Schopenhauerstraße etwa sind neun Wohnungen mit öffentlicher Förderung entstanden. Weitere vergleichbare Initiativen sind zum Beispiel in der Burggrafenstraße bereits umgesetzt worden, am Branderhofer Weg reifen entsprechende Pläne. So könnten in Zukunft verstärkt ganze Quartiere entwickelt werden, um etlichen weiteren Herausforderungen moderner Stadtentwicklung wie Integration und Inklusion Rechnung zu tragen. „Ich bin überzeugt, dass wir damit die Antwort auf viele brennende Fragen rund um die städtische Wohnungspolitik geben können“, unterstreicht Frankenberger.

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