Aachen: Neue Reitwege in Aachen? Ja und nein

Aachen : Neue Reitwege in Aachen? Ja und nein

Nein, so wollte der Kreispferdesportverband Aachen sich nicht verstanden wissen. Zumindest nicht nur so. Immerhin geht es um eine für die Pferdesportler — 4000 von ihnen sind in der Städteregion unter dem Verbandsdach versammelt — wichtige Sache: Auf welchen Waldwegen dürfen sie künftig reiten?

Städte und Gemeinden können laut Landesnaturschutzgesetz ab dem 1. Januar 2018 selbst entscheiden, ob sie Waldwege für Reiter freigeben wollen oder nicht. Im Juni forderte das Forstamt den Verband auf, seine Sicht der Dinge in dieser Sache zu erläutern.

Zwar hatte der Verband in einer Stellungnahme für die bestehende Reitwegeregelung im Aachener Wald plädiert. Allerdings habe er auch Stellen aufgezeigt, wo deutliches Verbesserungspotenzial bestehe. Davon sei im Beschlussvorschlag, vom Fachbereich Umwelt verfasst und dem Umweltausschuss als Entscheidungsgrundlage in der Sitzung am kommenden Dienstag vorgelegt, aber nicht die Rede.

Gefahr von anderer Seite

In der Vorlage spricht die Verwaltung sich in der Gesamtschau gegen eine generelle Freigabe aller Waldwege aus und empfiehlt dem Ausschuss auch, so zu beschließen. Am besten sei, alles zu lassen, wie es ist. Zu viel Konfliktpotenzial mit anderen Waldnutzern und erhöhte Unfallgefahr sprächen gegen die Freigabe.

Eine Sichtweise, die Astrid Schulte-Lünzum, Geschäftsführerin des Kreispferdesportverbands Aachen, nicht teilt: „Wir fühlen uns ein bisschen wieder in Zeiten zurückversetzt wie vor 30 Jahren. Dabei geht die Gefahr auf Waldwegen heutzutage von anderer Seite aus.“

Der Gefahrenherd, den Schulte-Lünzum meint, ist vor allem auf zwei Rädern unterwegs: Mountainbiker und E-Biker, die in immer größerer Zahl im Wald unterwegs seien und nicht selten anderen Waldbesuchern in abenteuerlichem Tempo auf den Wegen entgegenpreschten.

Für zusätzliche Gefahr sorge, dass man sie nicht kommen höre. Es kämen keine Anzeigen oder Beschwerden mehr wegen Reitern im Stadtwald, sondern wegen nicht angeleinter Hunde oder Mountainbikern. Der Verband habe Interesse daran, eine einvernehmliche Lösung zu finden, die allen Waldnutzern gerecht werde.

Die neue Regelmöglichkeit solle ihrer Ansicht zumindest in den Außenbereichen des Preuswald, Dreiländereck, Augustinerwald, Münsterwald und Würselener Wald genutzt werden. Das eröffne außerdem Chancen, das Reitwegenetz zu bereinigen — etwa im Waldgebiet zwischen Kornelimünster Weg und Monschauer Straße, dem Augustiner Weg Richtung Belgien oder den Waldgebieten Reinartzkehl bis Dreiländer-Punkt. Dort endeten Reitwege zum Teil urplötzlich, und das sei ein unbefriedigender Umstand.

Früh habe der Verband schon die Bereitschaft und sogar den Wunsch geäußert, sich mit Forstamt und Fachbereich Umwelt zusammenzusetzen, um „möglicherweise schwierige Passagen im Reitwegenetz oder auch Verbesserungsbedarf“ zu besprechen. Ein Treffen, das zwei Tage nach der Sitzung des Umweltausschusses stattfinden wird, stehe unter der Überschrift „Kennenlernen aller ‚sportlichen‘ Waldnutzer“.

Bei diesem Treffen soll es nach Auskunft von Harald Beckers vom städtischen Presseamt jedoch auch um Interessenkonflikte der verschiedenen Waldnutzer gehen. Außerdem gebe es von Seiten der Stadt ein schriftliches Angebot an die Reiter, sich zusammenzusetzen und darüber zu sprechen, wie sich die Reitwegesituation verbessern ließe.

Wann dieses Treffen stattfindet, stehe noch nicht fest. Dass die Treffen jedoch nach der Ausschusssitzung stattfinden, sei sinnvoll. Dann habe man ein Signal aus der Politik und könne sich unter klaren Voraussetzungen treffen. Außerdem gebe es Anzeichen, dass die Umweltpolitiker die Beschlussvorlage ergänzen wollen.

Gewollter Ringschluss

In der Tat: geht es nach CDU und SPD, handelt es sich nicht nur um Anzeichen, sondern um Gewissheit. Ein geschlossenes Reitwegenetz sei wichtig, erklärt Iris Lürken (CDU), da könne sie die Reiter verstehen. „Deshalb wollen wir den Beschlussvorschlag erweitern“, sagt Heike Wolf (SPD).

Er solle dann sowohl den Ausführungen der Verwaltung, wie auch den Anregungen der Reiter Rechnung tragen: im Gros soll alles erst einmal bleiben, wie es ist. Die Verwaltung wird zusätzlich mit einem Auftrag ausgestattet: Bitte prüfen, ob sich das Problem plötzlich endender Reitwege nicht beheben lässt und ein Ringschluss möglich ist.

Das Ergebnis solle die Verwaltung dann vor den Sommerferien im nächsten Jahr vortragen. Dann wollen sich die Lokalpolitiker noch einmal mit dem Thema beschäftigen.

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