Aachen: Neuausrichtung der Abfallwirtschaft erfüllt Erwartungen

Aachen : Neuausrichtung der Abfallwirtschaft erfüllt Erwartungen

Alles richtig gemacht? Zumindest scheint der Stadtbetrieb bei der Neuausrichtung der Abfallwirtschaft recht gut vorhergesehen zu haben, wie sich die neuen Regeln auf das Verhalten der Aachener an der Tonne auswirken. „Die prognostizierten Werte wurden erreicht“, berichtete Heinz-Josef Dornbusch am Dienstagabend im Betriebsausschuss Stadtbetrieb.

Dornbuschs „Institut für Abfall, Abwasser und Infrastrukturmanagement“ (INFA) hatte die Entwicklung untersucht, seit Anfang des Jahres die Abfallwirtschaft umgekrempelt worden war. An neue Behältergroßen, andere Abfuhrrhythmen, höhere Gebühren und an ein Mindestvolumen für die Restmülltonnen mussten sich die Aachener gewöhnen.

Zuvor war kalkuliert worden, zu welchen Tonnen und Leerungsintervallen wie viele Öcher wohl wechseln würden. Nach neun Monaten Untersuchungszeitraum kam Dornbusch nun zu dem Ergebnis, dass die Wirklichkeit im Großen und Ganzen den vorherigen Annahmen entspricht. Gewünschte Effekte seien eingetreten.

Etwa bei den Zusatzsäcken für Restmüll: Bis zum vergangenen Jahr kosteten die großen Tüten für den Abfall, den die Öcher nicht mehr in ihrer regulär gebuchten Tonne unterbringen konnten, noch drei Euro. Inzwischen sind es sieben Euro — und die Verkaufszahlen der Säcke sind drastisch gesunken. Viele Bürger hätten sie zuvor offenbar als permanente Ergänzung für eine zu klein dimensionierte oder zu selten geleerte Tonne betrachtet, meint Dornbusch. Seit der Preiserhöhung dienten die Zusatzsäcke aber wie gewünscht zur Entsorgung von „temporären Übermengen“.

Auch beim Sperrmüll haben die Aachener ihre Gewohnheiten geändert, seit sie für dessen Abholung eine Verwaltungsgebühr von 15 Euro bezahlen müssen. Für dieses Geld, denken offenbar viele, soll es sich dann auch lohnen. Also werden weniger Termine vereinbart, bei denen dann aber mehr Sperrmüll vor die Tür gestellt wird. Die Leute würden wohl sammeln, meint Dornbusch, außerdem würden sie mehr zu den Recyclinghöfen bringen. „Das war der gewünschte Effekt“, erklärte Dornbusch den Politikern im Ausschuss, der Stadtbetrieb komme deshalb bei der Sperrgutabfuhr mit einem Fahrzeug weniger aus.

Allerdings taucht jetzt auch mehr wilder Sperrmüll dort auf, wo er nicht hingehört. Mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit soll diesem Effekt entgegengewirkt werden.

Dagegen gibt es einen gewissen Schwund bei den Bioabfällen. Dornbuschs Evaluation errechnet einen Rückgang von rund elf Kilo pro Einwohner und Jahr. Der Fachmann vermutet, dass viele Bürger auch bei der 14-täglichen Leerung an ihrer kleinen Biotonne festhalten wollen. Deshalb würde mehr bei den Annahmestellen für Grünabfälle abgegeben, anderes selbst kompostiert. Im Restmüll lande der verschwundene Bioabfall wohl nicht, denn dort seien die Mengen auch rückläufig.

Wegen der Geruchsbelästigung und anderen „ästhetischen Problemen“ mit den Bioabfällen wurde beim INFA auch eine wöchentliche Leerung der Tonnen in der warmen Jahreszeit durchgespielt. Zusätzliches Personal und ein größerer Fuhrpark wären dafür nötig, was mit Mehrkosten von 950 000 Euro zu Buche schlagen würde. Bei den Bemühungen, den logistischen Aufwand des Stadtbetriebs zu verringern, wäre das aus Dornbuschs Sicht „ein Schritt zurück“.

Dabei sieht er in der Neuausrichtung der Abfallwirtschaft in Aachen eine „deutlich positive Entwicklung“. Bei der Tourenplanung für das kommende Jahr sollten diese Logistik-Potenziale jetzt genutzt werden.

Die Politiker vernahmen es mit Wohlgefallen. Es sei zwar eine „Zwischenevaluation“, stellte Betriebsausschussvorsitzender Michael Servos (SPD) klar, denn das neue System sei noch nicht komplett eingespielt. „Aber es geht ziemlich genau in die Richtung, die wir erwartet hatten.“ Ziel sei aber auch gewesen, die Gebühren gerechter zu gestalten. Dabei verweist der Stadtbetrieb darauf, dass ein größerer Teil der Bevölkerung durch die Neuausrichtung entlastet werde. „Wir haben ein ganz gutes System gefunden“, befand Christdemokrat Ferdinand Corsten.

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