Aachen: Netliner soll im Probebetrieb Skeptiker überzeugen

Aachen : Netliner soll im Probebetrieb Skeptiker überzeugen

Flexibel wie ein Taxi soll er sein, dabei aber preisgünstig wie ein Linienbus. Ob der Netliner diese Erwartungen in Aachen erfüllt, werden vier Dutzend Testpiloten ab Sonntag ausprobieren. Ab dann schickt die Aseag ihren Netliner als bedarfsorientierten Rufbus durch den Aachener Süden.

Immer sonntags soll der Kleinbus mit zehn Sitz- und elf Stehplätzen sowie Raum für zwei Rollstühle oder Kinderwagen in der Zeit von 8 bis 23 Uhr im Gebiet zwischen Lichtenbusch, Sief, Schmithof, Schleckheim-Kapelle und Walheim in Rufbereitschaft und auf Tour sein.

Kommt auf Bestellung: der Netliner. Die Aseag testet das bedarfsorientierte Bussystem ab Sonntag im Aachener Süden. Projektleiterin Isabell Brenner (kleines Bild) ist zuversichtlich, die Skepsis in der Bevölkerung abzubauen. Foto: Michael Jaspers

Die dreimonatige Testphase soll den Menschen im Aachener Süden ein Konzept im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) schmackhaft machen, das eigentlich schon im Dezember 2017 in den Regelbetrieb gehen sollte. In Bereichen mit sehr geringer Nachfrage, wie eben im Aachener Süden, soll dieses System Linienbusse ersetzen, die manchmal fast leer unterwegs sind. Die Idee: Der Fahrgast bucht den Netliner, wenn er ihn braucht, und lässt sich zu einer Haltestelle seiner Wahl im Netliner-Gebiet bringen. Von dort kann es dann auf dem allgemeinen Liniennetz der Aseag weitergehen.

Die Zielgruppe im Aachener Süden blieb allerdings vorsichtig zurückhaltend bis äußerst skeptisch. „Für den Rufbus gab es ordentlich Gegenwind von den Bürgern“, erinnert sich Isabell Brenner, Projektleiterin Marketing für das Netliner-Projekt. Kritiker monierten, dass für den Rufbus Linienfahrten gestrichen würden. Auch mit der Handhabung konnten viele sich nicht anfreunden. Wer den Netliner nutzen will, muss sich nämlich zuerst registrieren und dann jede Fahrt vorher anmelden. Angesichts des massiven Gegenwinds wurde der Netliner zunächst einmal auf einem vorgegebenen Linienweg als Pendelbus mit festen Fahrplanzeiten losgeschickt.

Die 48 Testpiloten, vom Schüler bis zur Seniorin, sollen nun aber beweisen, dass der Netliner als Rufbus tatsächlich einfach zu nutzen ist und einen Komfort bietet, der den Aufwand lohnt. In der Testphase, bis zum 11. November immer sonntags, fahren alle Testpersonen kostenlos. „Und mit dem Netliner sind Verbindungen möglich, die es vorher gar nicht gab“, wirbt Aseag-Pressesprecher Paul Heesel. Die Testfahrer könnten zum Beispiel sonntags aus jeder Ecke des Netliner-Gebiets mit der ganzen Familie zum beliebten Freizeitgelände in Walheim fahren. „Aus Schmithof, Sief oder Schleckheim gibt es ansonsten im Liniennetz keine Verbindung zum Freizeitgelände, bei der man nicht umsteigen müsste“, sagt Isabell Brenner. Man kann mit dem Netliner auch etliche Buslinien erreichen, die den Fahrgast flott in die Aachener Innenstadt bringen. Dafür hat die Aseag drei zentrale Umsteigehaltestellen ausgemacht: Lichtenbusch, Schleckheim-Kapelle und Walheim.

Intensive Betreuung

Die Testfahrer werden in den kommenden drei Monaten intensiv betreut, verspricht Marco Blaumann, Projektleiter Technik. Sie erfahren, wie sie sich im Internet oder telefonisch registrieren und wie sie den Netliner online oder per Telefon buchen. Nach der Pilotphase hofft die Aseag, das Projekt Rufbus für den Aachener Süden doch noch ins Rollen zu bringen. Im Alltagsbetrieb kostet die Fahrt zu einer Haltestelle im Gebiet zwischen Lichtenbusch, Sief, Schmithof, Schleckheim-Kapelle und Walheim dann 2,70 Euro, so viel wie ein Busticket der Preisstufe 1. Für Fahrgäste mit einem Abo, Studententicket oder Monatskarte beispielsweise, ist im Abo auch der Preis für den Netliner inbegriffen.

Trotz aller Skepsis, die dem Netliner im Aachener Süden entgegenschlägt, stimmt ein Blick in die Eifelkommune Monschau die Verantwortlichen bei der Aseag hoffnungsvoll. Denn dort fährt der Netliner bereits seit Dezember 2016 und wird mittlerweile so gut angenommen, dass jetzt bereits der dritte Kleinbus zum Einsatz kommt. Auch etliche Pendler nehmen das Angebot dankbar an. „Durch den Netliner haben wir in Monschau einen Zuwachs an Fahrgästen von rund 30 Prozent“, stellt Marco Blaumann zufrieden fest. „Und darauf hoffen wir in Aachen auch.“

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