Aachen: Nelly Sachs rückt an die Stelle von Agnes Miegel

Aachen: Nelly Sachs rückt an die Stelle von Agnes Miegel

Die Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße sorgt für Unmut. Zumindest bei den meisten der knapp 30 Bewohner in den 13 Häusern der kleinen Stichstraße im Bereich Driescher Hof. In der Bezirksvertretung Aachen-Mitte wurde das am Mittwoch deutlich.

Die Bezirksvertreter beschlossen einstimmig, die Straße in Nelly-Sachs-Straße umzubenennen.

Art und Weise der Beteiligung

Der Unmut entzündet sich an der Art und Weise, wie die Bewohner an der Umbenennung beteiligt wurden. Ist ein Beschluss des Bürgerforums, der Agnes-Miegel-Straße „unter vorhergehender Beteiligung der Anwohner“ einen neuen Namen zu geben, nicht im Sinne des Bürgerforums umgesetzt worden? Oder führte eine „etwas unglückliche Formulierung“ (Aachen-Mitte-Geschäftsführer Gerd Dupont) im Protokoll des Forums zu Missverständnissen?

In der Fragestunde für Einwohner jedenfalls zeigte sich eine Vertreterin der Bürgerinitiative Agnes-Miegel-Straße sehr verärgert. „Wir haben gute Argumente gegen eine Umbenennung unserer Straße. Die hätten wir gerne vorgetragen. Warum wird uns das nicht gewährt?“ Ihrer Behauptung „Wir sind niemals gehört worden“ widersprach Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt allerdings ausführlich. Die Betroffenen hätten „reichlich Gelegenheit“ gehabt, ihr Begehren vorzutragen. Schriftliche Stellungsnahmen des Oberbürgermeisters habe es gegeben, Schreiben der Verwaltung und von ihr, mehrere Telefonate und auch ein ausführliches mehrstündiges Gespräch mit ihr.

Die Verwaltung schrieb die Anwohner auch an. Sechs Namensvorschläge machte sie: Rose-Ausländer-Straße, Selma-Merbaum-Straße, Mascha-Kaléko-Straße, Bettina-von-Arnim-Straße, Berta-von-Suttner-Straße, Nelly-Sachs-Straße. Daraufhin meldete sich eine Anwohnerin telefonisch und äußerte, wenn umbenannt werde, dann in Nelly-Sachs-Straße. Wahrscheinlich glaubten die Anwohner, ihre Argumente vor einem politischen Gremium eigens noch einmal gebündelt vortragen zu können. Dazu kam es allerdings nicht, weshalb Bezirksvertreter Horst Schnitzler (UWG)feststellte: „Die Kommunikation mit den Anwohnern hätte besser laufen können.“

Von einem „transparenten Verfahren“ sprach dagegen Ralf Otten (CDU). Verwaltung und Politik hätten sich die Sache nicht leicht gemacht und sich große Mühe gegeben, die Bürger zu beteiligen. Ob aber eine Straße umbenannt werde, liege in der „ureigenen Zuständigkeit“ der Bezirksvertretung. Er finde es „komisch“, dass nur ein Bürger auf die Namensvorschläge reagiert habe.

Auch Joachim Moselage (FDP) fand es „bedauerlich“, dass sich die Anwohner bis auf einen dem Verfahren „gänzlich verweigert“ hätten. Alle sechs Vorschläge für den neuen Namen der Straße seien gut. Moselage regte an, zu prüfen, „ob die Anwohner noch mal die Chance erhalten“ sollten, sich zu den Vorschlägen zu äußern, nachdem nun klar sei, dass die Straße umbenannt werde. Der Versuch, die Wogen zu glätten, verpuffte. Letzten Endes stimmen alle dafür, die Agnes-Miegel-Straße in Nelly-Sachs-Straße umzubenennen.

„Nicht mehr als Vorbilder dienen“

Der Aachener Friedenspreis und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) hatten beantragt, die Agnes-Miegel-Straße umzubenennen. Sie hatten auf die nationalsozialistische Vergangenheit der ostpreußischen Dichterin (1879-1964) aufmerksam gemacht.

Gerd Diefenbach vom Aachener Friedenspreis: „In heutiger Zeit können solche Namen nicht mehr als Vorbilder dienen.“

Mehr von Aachener Nachrichten