Aachen: „Naturfreunde” packen sich ein Blümchen ein

Aachen: „Naturfreunde” packen sich ein Blümchen ein

Wegen der schönen Altbauten sind Stephan und Lilia Bolz vor drei Jahren ins Frankenberger Viertel gezogen. Weil sie auch schöne Blumen und sattes Grün mögen, bepflanzen sie nicht nur die Dachterrasse ihrer Wohnung, sondern kümmern sich auch um ein öffentliches Beet auf dem Grünstreifen der Oppenhoffallee.

Als Grünpaten haben der Diplom-Ingenieur und die Betriebswirtin allerdings eher schlechte Erfahrungen gemacht. Viele der liebevoll gepflanzten Blumen und Sträucher wurden ihnen umgehend aus dem Beet gerupft.

„Wir wollten es schön haben vor dem Haus”, erzählt Stephan Bolz. Deshalb habe man gerne mitgemacht, als für das aufgehübschte Frankenberger Viertel Grünpaten gesucht wurden. Das Ehepaar Bolz nahm also im August 2008 ganz offiziell und mit Patenschaftsurkunde ein kleines Beet in seine Obhut, zwei Meter lang, einen halben Meter breit, 30 Zentimeter hoch.

Aber gleich an der ersten Herbstbepflanzung mit Buchsbaum, Efeu und Chrysanthemen hatten die frischgebackenen Paten nicht lange Freude. „Wir hatten es richtig schön gemacht”, erinnert sich Stephan Bolz, „aber es dauerte nicht lange, da war der Buchsbaum verschwunden”. Die hübschen Bäumchen hatte wohl jemand gut fürs eigene Beet brauchen können. Und leider ging es so weiter mit Diebstahl und Vandalismus. Auch wild weggworfener Müll und Hundehaufen verderben Familie Bolz immer wieder den Spaß am Paten-Beet.

Fürs Frühjahr haben sie jetzt wieder gepflanzt. In der Mitte des Beets wachsen Lilien- und Tulpen. Drumherum aber, sozusagen als Schutzwall, hat Familie Bolz Weißdorn gepflanzt - mit richtig fiesen Dornen. Wirklich abgehalten hat aber auch das die unbekannten Angreifer nicht. Zwei Bäumchen waren kurz darauf schon wieder herausgerissen, berichtet der 37-Jährige. Er und seine Frau überlegen nun, ob sie ihre Grünpatenschaft nicht wieder abgeben.

Die Erfahrungen, die Familie Bolz gemacht hat, sind kein Einzelfall. Das bestätigt auch Susanne Arnold, die sich beim Aachener Stadtbetrieb um die Grünpatenschaften kümmert. „Es kommt leider öfter vor, dass Pflanzen geklaut werden”, sagt sie. „Gerade im Frühjahr bedienen sich die Leute gerne bei Tulpen oder Narzissen.” Auch ganze Stauden würden aus den Beeten gerissen.

In den Außenbezirken der Stadt gibt es nach Arnolds Erfahrung weniger Probleme mit Vandalismus und Blumenklau. „Da ist die soziale Kontrolle wohl noch größer.” In der Oppenhoffallee dagegen, so berichtet sie, habe der eine oder andere Beetpate tatsächlich entnervt aufgegeben. „Schade.”

Mehr als 600 Menschen in Aachen kümmern sich mittlerweile um Bäume und Beete. Alleine an den Straßen stehen nach Angaben der Stadtverwaltung rund 20.000 Bäume. In den Park- und Grünanlagen wachsen geschätzte 95.000 Bäume. Weitere Grünpaten sind gerne gesehen. Auch auf dem Grünstreifen der Oppenhoffallee sind noch Beete zu vergeben. Kontakt: Susanne Arnold beim Stadtbetrieb, 0241/432-18550, E-Mail susanne.arnold@mail.aachen.de

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