Aachen: Nachts sind Dutzende Beamte unterwegs

Aachen: Nachts sind Dutzende Beamte unterwegs

Aufkommender Kritik, die Aachener Polizei setze mehr Personal für die Aufklärung rassistischer Vorfälle ihres Nachwuchses als für das Beenden der Serie brutaler nächtlicher Raubüberfälle ein, tritt Präsident Dirk Weinspach entschieden entgegen.

Zu den fraglichen Zeiten sei ein Mehrfaches der 15 Beamte, die an den Rassismus-Vorwürfen arbeiten, an Fahndern im Stadtgebiet vor Ort, um einmal das Sicherheitsgefühl der Nachtschwärmer zu erhöhen und der noch nicht gefassten Räuber habhaft zu werden: „Wer in Aachen feiert, muss nicht Angst haben, auf dem Heimweg überfallen zu werden.“ Das war allerdings an den letzten Wochenenden immer wieder geschehen, Rekordhalter war der Samstag und Sonntag, 30./31. August, mit neun ähnlich verübten Attacken. Ein paar Vorsichtsmaßnahmen, so Weinspach, sollten Nachtschwärmer beachten.

Die Vorgehensweise, die Tatzeiten und die Tatorte weisen nämlich viele Übereinstimmungen auf, wie Kriminaloberrat Wilhelm Sauer in einer eigens angesetzten Pressekonferenz erläuterte. Die Opfer, meist alkoholisierte Männer, würden zufällig ausgewählt, weil sie als leichte Beute erschienen. Ein Großteil der Taten würde nördlich der Achse zwischen Karlsgraben und Peterstraße verübt, „da wo am meisten los ist und man auch die meisten Opfer findet“. Oft hätten die aus einer Kneipe oder von einer Feier kommenden Männer erkennbar ein neues Smartphone dabei oder telefonierten sogar damit, für die Täter ein Gegenstand mit hohem Prestigewert und mit einer neuen Karte einfach abzusetzen.

Die Räuber treten meist in Gruppen auf. Entweder wird das Opfer von hinten zu Boden gezogen, ein Täter entreißt ihm das Handy und sucht eventuell in Hosentasche oder Jacke nach Bargeld. Oder die Bande kommt von vorne, spricht das Opfer an („Das ist aber ein tolles Handy“) und baut Druck auf. Falls der Überfallene nicht nachgibt, wird da ebenfalls sofort Gewalt eingesetzt. Außerdem seien die Wiedererkennungszeichen schlecht. Der Hinweis, dass die Täter Kappen und Olaseku-Frisuren (oben lang, Seite kurz) trügen, helfe auch nicht groß weiter, das treffe auf 80 Prozent alle jungen Männer zu. Und selbst die Überfälle einer Nacht seien nicht nur einer Gruppe zuzuordnen, weil ganz überschiedliche Beschreibungen gegeben würden, etwa von unterschiedlichen Sprachen oder Hautfarben.

Wahrscheinlich handele es sich um drei Tätergruppen, die in unterschiedlicher Zusammensetzung immer wieder zuschlügen, mittellose Jugendliche, Drogenabhängige und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Zwei von letzteren sitzen in Untersuchungshaft, einer sei als vermisst ausgeschrieben: „Er ist nicht mehr hier.“ Eventuell seien auch Nachahmtaten verübt worden, weil sich herumgesprochen habe, dass man durch die Methode des Niederreißens sehr leicht Beute machen könne.

Allein im August verzeichnete man 29 dieser Überfälle, in September sei die Zahl zurückgegangen. Vier der Überfälle betrachtet die Polizei nun als aufgeklärt. Zur ihrer Bearbeitung und Bekämpfung hat die Behörde eine Fahndungsgruppe aufgestellt und ein Stufenkonzept erarbeitet, zu den fraglichen Zeiten seien mehrere Dutzend Beamte im Einsatz: „Wir werden die sichtbare Präsenz erhöhen, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken.“ Das gelte gerade für das kommende Wochenende mit dem September Special. Nachtschwärmern könne man nur raten, nicht allein in dunklen Straßen zu gehen und kein teures Handy ans Ohr zu halten.

Klar ist, dass die Überfall-Serie der Polizei die schöne Jahresstatistik verhageln wird, die bis Ende Juli noch einigermaßen verheißungsvoll aussah. In der Rubrik Straßenraub auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen, unter die auch die gegenwärtigen Taten fallen, war nämlich ein Rückgang von 26 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zu verbuchen, von 184 auf 137 Delikte. Im Februar hatte man einen leichten Anstieg zu verzeichnen, die Anzahl einschlägiger Delikte ging allerdings ging wieder zurück, nachdem man entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen hatte. Und auch jetzt hofft man auf baldige Klärung weiterer Taten: „Wir haben noch einiges in petto.“