Nacht der Wissenschaft an der RWTH Aachen

„5 vor 12“: Wissenschaftsnacht an der RWTH Aachen : Experimente zum Mitmachen, Lernen und Staunen

Was ist eine Hochschule eigentlich? Wer forscht an was und was hat das mit mir zu tun? Seit 16 Jahren gibt die RWTH darauf in der Nacht der Wissenschaft eine Antwort. Bis zu 6000 Besucher pro Jahr nutzen die Nacht unter dem Titel „ 5 vor 12“, um hinter die Kulissen des Hochschulbetriebs zu blicken und selbst den einen oder anderen Erkenntnisgewinn mitzunehmen.

Ein Blick in den fast vollbesetzten Hörsaal H01 im Höraalgebäude Carl an der Claßenstraße zeigte, dass die Nacht etwas für die ganze Familie ist. Zum ersten Mal begrüßte am Freitagabend Ulrich Rüdiger als neuer Rektor die Besucher bei der Auftaktveranstaltung „Keine Angst vor Wissenschaft“. Er befinde sich in der gleichen Situation wie die meisten Besucher, sagte Rüdiger, der sein neues Amt erst vor 100 Tagen von Ernst Schmachtenberg übernommen hatte. Also nutzte er diese Veranstaltung als „beste Art, sich zu orientieren“ und einmal umzuschauen.

Keine Angst vor Wissenschaft hatten Anna (11), Elena (12) und David (10). Sie durften im Dienst der Wissenschaft naschen. Mit seinem speziellen Kopfmikrofon führte Moderator Jo Hecker, Physiker und Wissenschaftsjournalist, vor, wie es klingt, wenn man knackige Sachen isst: „Das klingt, als würdest du Steine kauen“, kommentierte er, als Anna ein Hanuta verputzt. „Dass wir Menschen dieses Geräusch lieben, ist tief in unserer DNA verankert. Die Nahrungsmittelindustrie macht sich das zunutze. Foodsound-Designer tüfteln deswegen ständig am idealen Crunch von Chips und Co“, erläuterte er weiter. Das funktioniere, weil der Kopf ein guter Schall-Leiter sei.

Bis Mitternacht blieb dann Zeit zu erkunden, wer sonst noch etwas zu bieten hatte. Die Veranstaltungen konzentrierten sich rund um das Hörsaalzentrum Carl, den Audimax und die Mies-van-der-Rohe-Straße. Für kleine und große Entdecker gab es zahlreiche Gelegenheiten zum Mitmachen, zum Beispiel bei den Schülerlaboren im Foyer des Carl oder beim Fachbereich Bergbau, der sich mit den Möglichkeiten der nachhaltigen Nutzung von Georessourcen befasste.

Die Wissenschaftsnacht lockt auch viele junge Zuschauer an. Foto: Andreas Schmitter/ANDREAS SCHMITTER

Was mit dem Müll passiert, wie man ihn richtig trennt und was aus den verschiedenen Rohstoffen wie Quarzsand, Eisen oder Kohle hergestellt wird, konnte spielerisch, und im wahrsten Wortsinn, erspürt werden. Die Feinstaubbelastung ist nicht nur aktuell ein Thema, sie ist auch Forschungsgegenstand von Kai Schlögel. Am Institut Technologie der Energierohstoffe (TEER) forscht er mit Projektleiter Daniel Wohter daran, wie der Feinstaubausstoß von Hauskaminen reduziert werden kann. Elektrostatische und hybride Abscheider sollen helfen, die Feinstaubpartikel zu binden. „In der Großindustrie ist das bereits der Stand der Technik“, erklärte Schlögel.

Publikumsrenner waren, schon fast traditionell, der Physik-Jahrmarkt, die Mira-Lasershow, inszeniert von Michael Ramiqué, und die Mitmach-Show „Faszination Hochspannung“, in der auch selbst ausprobiert werden konnte, wie Hochspannung im Alltag auf uns wirkt. Wie die Zukunft der Elektromobilität aussehen wird, zeigte die Werkstatt des e.Go-Mover auf dem Campus Melaten. Eva Radermacher und Michael Adam standen den Interessierten bei Fragen zum E-Kleinbus Rede und Antwort.

Jean Pütz ist auch dabei

Einer, der schon lange beim breiten Publikum „Wissen schafft“, ist Jean Pütz. Vor allem die älteren Semester erinnern sich an seine Sendungen, wie „Hobbythek“. In seiner „Pützmunter-Show“ erklärte der 82-Jährige Phänomene wie Luftdruck und klärte die Frage, was eigentlich Energie ist. Wer bis Mitternacht nicht alles entdeckt hatte, was es zu entdecken gab, kann sich damit trösten, dass es auch im kommenden Jahr dazu wieder die Gelegenheit gibt.

Auch der bekannte Fernsehjournalist Jean Pütz experimentiert bei der Nacht der Wissenschaft unter dem Motto „Pützmunter“. Foto: Andreas Schmitter/ANDREAS SCHMITTER
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