Aachen: Nacht der Bibliotheken ist „wilder, als du denkst“

Aachen: Nacht der Bibliotheken ist „wilder, als du denkst“

„Früher Herberge für Kaiser, heute Palast der Bücher.“ Mit diesen knappen Worten umreißt Manfred Sawallich, Leiter der Stadtbibliothek Aachen, die Geschichte der Bibliothek. Wer in deren historischen Kellergewölben aus dem 16. Jahrhundert in der Couvenstraße 15 schnuppern möchte, der bekommt dazu am Freitag, 1. März, Gelegenheit.

Zur diesjährigen „Nacht der Bibliotheken“ unter dem Titel „Wilder als du denkst“ lädt Sawallich zu einer Führung in das Magazin mit seinen 130 000 Büchern ein.

Ursprünglich dienten die alten Gewölbe einmal als Weinkeller, heute lagern dort historische Bände von zum Teil großem Wert. Die für 18 Uhr anberaumte Führung ist allerdings schon ausgebucht, weitere Führungen sind aber in Planung.

Wer Interesse hat, sollte sich unbedingt telefonisch oder persönlich in der Bibliothek anmelden. Fünf Jahrhunderte Lyrik, Lust und Leidenschaft kommentiert Andreas Grude dann um 19.30 Uhr. Vom zärtlich verspielten Sonett bis zur deftigen Zote liefert Grude zahlreiche Beispiele erotischer Poesie. Darunter finden sich auch Texte von Goethe oder Lessing. „Da gibt es vieles, was unter die Gürtellinie geht“, sagt Grude, der seit 2006 so richtig auf den Geschmack gekommen ist, was das Rezitieren von Texten betrifft. Vorher war er mit Laiengruppen am Theater aktiv. Doch erst im Rezitieren von

Texten habe er seine wirkliche Berufung gefunden. Laut Sawallich wird in der Bibliothek wieder einmal genügend Platz gemacht, um einem großen Publikum Raum zu bieten.

Die „Nacht der Bibliotheken“ diene nicht zuletzt dazu, die öffentlichen Bibliotheken ein Stück weit mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei sehen die Besucherzahlen in Aachen gar nicht mal so schlecht aus: Rund 300 000 Besucher wurden im vergangenen Jahr registriert, insgesamt etwas weniger als im Vorjahr. Dafür gab es aber einen deutlichen Anstieg bei der virtuellen Nutzung. Da waren es 255 371 Besucher im Vergleich zu 220 149 Besuchern im Jahre 2011. Sawallich jedenfalls zeigt sich zufrieden mit den aktuellen Zahlen.

Die erweiterte Öffnungszeit am Samstag (neuerdings bis 14 Uhr) habe dazu beigetragen, den Knubbel um die Mittagszeit zu entzerren. Samstags sei die Bibliothek ganz traditionell in der Hand der Väter und ihrer Kinder. „Da ist richtig Leben in der Bude“, meint Sawallich. Rückläufig sei die Ausleihe bei den Bestsellern, aber das sei nicht andern zu erwarten gewesen.

Der Grund sei die neu eingeführte Ausleihgebühr von zwei Euro. Die Einnahmen von 10 000 Euro würden in den Ankauf der Bücher investiert, so dass der Bestseller-Bereich sich selbst trage.

Jetzt freut sich Sawallich auf die Führungen zur „Nacht der Bibliotheken“: Denn dabei würden sich jedes Mal ganz neue Aspekte ergeben, sagt er.

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