Aachen: Nach Partyexzessen: Eine Idylle soll hinterm Zaun verschwinden

Aachen : Nach Partyexzessen: Eine Idylle soll hinterm Zaun verschwinden

Nicht nur für Haarener ist das Haarbachtal und dort vor allem auch das Hochwasserrückhaltebecken Kahlgracht ein beliebtes Ziel. Neben dem dort vor sich hinplätschernden Bach lassen sich Sonnenhungrige im Sommer gerne in den Wiesen nieder, Spaziergänger führen ihre Hunde aus, Kinder suchen im flachen Wasser. nach Kieseln. Es ist eine kleine Idylle, die allerdings schon bald abgeriegelt und unerreichbar werden könnte — sehr zum Ärger der Haarener Bezirksvertreter und des dortigen Bezirksbürgermeisters Ferdinand Corsten.

Eher nebenbei sind sie jetzt darauf gestoßen worden, welche Pläne der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) dort verfolgt und bereits im nächsten Monat in die Tat umsetzen will. Das gesamte gut 500 Meter lange und bis zu 40 Meter breite Becken soll von seinem Auslaufbauwerk unterhalb der Autobahnbrücke in Richtung Kahlgrachtmühle eingezäunt werden. So sei es bereits im vergangenen Jahr mit dem Haarener Bezirksamtsleiter Frank Prömpeler abgesprochen worden, wie WVER-Pressesprecher Marcus Seiler auf Anfrage mitteilt.

Auslöser für diese Maßnahme sind vor allem große Partys, die dort allem Anschein nach vermehrt gefeiert und nahezu professionell vorbereitet und ausgerichtet werden: Mehrere hundert Menschen kommen dort dann nächtens zusammen, verabredet offenbar über Soziale Medien. DJs sorgen für die nötige Beschallung, selbst Kühlwagen für Getränke werden herangekarrt.

Es habe Anwohnerbeschwerden wegen der enormen Lärmbelästigung gegeben, teils habe es anschließend ausgesehen „wie Sau“, weiß Prömpeler zu berichten, der daher auch den Kontakt zum WVER hergestellt hat, um nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Gemeinsam sei man dann zur Überzeugung gekommen, dass es mit den rund ums Becken aufgestellten Verbotsschildern nicht mehr getan ist. Ein Zaun soll her, um ungebetene Besucher fernzuhalten und auch normale Spaziergänger zu schützen.

Lebensgefahr

Denn der Aufenthalt im Hochwasserrückhaltebecken sei lebensgefährlich, sagt Seiler. Geschaffen wurde es, um den Unterlauf des Haarbachs und damit die Haarener Wohngebiete vor Hochwasser und den Folgen von Starkregen zu schützen. Es könnten immer wieder unverhofft Wellen kommen, warnt Seiler. Hunde, die im Bach baden, oder auch Kinder könnten dann mitgerissen werden. Im tiefen Becken am Auslaufbauwerk sei die Gefahr groß zu ertrinken. Und schon gar nicht mag er sich ausmalen, was alles passieren könnte, wenn sich Feiernde im Partyrausch auf der Wiese niederlassen und ein plötzliches Gewitter alles unter Wasser setzt. Bislang sei dort zwar noch nie etwas passiert, aber man müsse ja nicht immer bis zum ersten Todesfall warten, meint er. Zugleich betont er, dass der nun geplante Zaun auf Wunsch der Haarener errichtet werden soll.

Doch zumindest Bezirksbürgermeister Corsten und die Bezirksvertreter von CDU, SPD und Grünen zeigten sich am Mittwoch einigermaßen überrumpelt. „Es ist ein Unding, dass der Auftrag schon ausgeschrieben und vergeben ist, aber der Bezirk von nichts wusste“, wetterte Corsten. Ohnehin hält er es für völlig übertrieben und unangemessen, das gesamte Becken zu umzäunen. Erst habe man dort den Bach renaturiert und ein schönes Stück Natur geschaffen und jetzt wolle man dort die Menschen aussperren. „Das kann nicht sein.“ Mit der gleichen Begründung müsste man dann auch den Haarener Berg oder den Westpark sperren, dort gebe es schließlich auch in jedem Sommer Partys und Vandalismus. „Das will aber auch keiner einzäunen.“

Unverhältnismäßig

Die Verhältnismäßigkeit müsse gewahrt werden, findet Corsten. Seiner Meinung nach würde es ausreichen, das Wehr „im Umfeld von zehn Metern zu sichern, aber nicht den Rest“. Und so sehen es auch seine Kollegen in der Bezirksvertretung, die einstimmig beschlossen haben, für die nächste Sitzung einen Bericht des WVER anzufordern — und zwar, bevor der Zaun gebaut wird.

Aus Sicht von Seiler dürfte das kein Problem sein. „Wir wollen das ja nicht einfach durchziehen. Natürlich wollen wir mit den Bezirksvertretern ins Gespräch kommen und nach Lösungen suchen.“ Und Spielraum für die Sicherung solcher Hochwasserrückhaltebecken gibt es offenbar. Zwar seien schon jetzt viele von Zäunen umgeben. Doch viele seien auch frei zugänglich. Das werde jeweils von Fall zu Fall entschieden, sagt Seiler.

Mehr von Aachener Nachrichten