Aachen: Nach mehr als 100 Jahren: Teppich Essers verschwindet aus der Region

Aachen: Nach mehr als 100 Jahren: Teppich Essers verschwindet aus der Region

Beinahe unbemerkt hat am vergangenen Samstag eine große Aachener Unternehmensgeschichte ihr Ende gefunden: Teppich Essers gibt es nicht mehr. Das Geschäft wurde 1911 in Aachen gegründet. Das Unternehmen, heute mit dem Beinamen Home Market, hat nun seit wenigen Tagen den Verkauf am Adalbertsteinweg eingestellt.

Allerdings wird von der ehemaligen Aachener Verwaltungszentrale aus, ebenfalls am Adalbertsteinweg, noch bis Ende dieses Jahres die Abwicklung betrieben, wie der Unternehmenssprecher der Schlau-Gruppe in Porta Westfalica, Ralf Bartsch, den „Nachrichten“ auf Anfrage bestätigt.

Die „Brüder-Schlau-Gruppe“ mit Sitz in Porta Westfalica mit Fachmärkten für Inneneinrichtungen hatte Ende 2016 die Teppich Essers & Söhne GmbH von der französischen Handelsgruppe Saint Maclou gekauft. Maclou selber besaß die 73 Teppich-Essers-Filialen seit 1999. Ende 2016 hätten sich die Franzosen auf ihrem heimischen Markt besinnen wollen, hieß es damals zum Verkauf.

Nur noch Handwerksarbeiten

Dieser Besitzerwechsel nun hat sich zumindest aus Sicht der Aachener Traditionsgruppe kaum ausgezahlt. „Wir haben vor, in Aachen noch eine Objektabteilung bis ins kommende Jahr arbeiten zu lassen“, beschreibt Bartsch die aktuelle Situation. Objektabteilung, das sei die Abteilung, die noch handwerkliche Arbeiten ausführen solle.

Die Aachener Zentrale an sich sowie das Geschäft am Adalbertsteinweg habe aber dem Beschluss der Schlau-Gruppe weichen müssen, die Essers-Märkte nach und nach zu schließen und durch ihre andere Unternehmensfilialen zu ersetzen — allerdings nicht in Aachen, denn für die Räume am Adalbertsteinweg wird aktuell ein neuer Mieter gesucht. Die Schlau-Gruppe ist stark in Nord- und Ostdeutschland vertreten, mit Märkten der Marken Hammer, Schlau, Hometrend, Fritz Müller und eben mit Teppich Essers.

Die Übernahme von Essers umfasste Ende 2016 eine Zahl rund 550 Mitarbeitern, die bis jetzt von Aachen aus verwaltet wurden. „Bis auf einige wenige Mitarbeiter“, erläuterte Bartsch die Situation, habe man Ende Juni den Aachener Beschäftigten kündigen müssen, weil die Verwaltung der Märkte nun zentral von der Schlau-Gruppe in Porta Westfalica betrieben werde. Bei der Übernahme von 2016 hatte man in Porta Westfalica noch andere Vorstellungen.

„Mit dieser Expansion können wir unsere Marktposition insbesondere in den neuen Bundesländern noch weiter festigen“, hieß es damals in einer Erklärung der Brüder-Schlau-Gruppe, und weiter: „Wir sehen in der Übernahme die Möglichkeit, viel Arbeitsplätze zu sichern.“ Die Gesamtfläche der Filialen hatten eine Größenordnung von 105.000 Quadratmetern Fläche, der Umsatz betrug 52 Millionen Euro.

Für den Raum Aachen, so stellt sich jetzt heraus, haben die Pläne der Schlau-Gruppe weniger gegolten. Bereits seit längerem ist die Essers-Filiale in Monschau-Imgenbroich geschlossen, und die Filiale in Übach-Palenberg wird nur noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres geöffnet sein, wie die „Nachrichten“ auf Anfrage erfuhren. Dann werden auch dort die Schotten dicht gemacht.

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