Aachen: Nach Kündigungen: Auf Recyclinghof kehrt Normalität ein

Aachen : Nach Kündigungen: Auf Recyclinghof kehrt Normalität ein

Ein älterer Herr parkt seinen Wagen hinter dem Recyclinghof an der Kellershaustraße in Eilendorf. Er öffnet den Kofferraum, hievt einen alten Flachbildfernseher heraus und schmeißt ihn in einen der bereitgestellten Gitterrollwagen, in dem bereits Computer, Lautsprecher und andere Dinge mit Stecker herumliegen. Später werden die städtischen Mitarbeiter des Recyclinghofs diese Sachen vorsortieren, bevor die Wertstoffe zu Abfallbetrieben gebracht werden.

Dort werden die einzelnen Rohstoffe getrennt, das Plastik zerschreddert und zu Pellets eingeschmolzen. Das Metall wird ebenfalls wiederverwertet. Alles läuft so wie es laufen soll auf dem Recyclinghof in Eilendorf. Wieder. Nur das Hinweisschild mit den Öffnungszeiten erinnern daran, dass es hinter den Kulissen ordentlich im Gebälk geknirscht hat.

Offiziell sind es zwar keine Kleingeräte, werden aber in Eilendorf trotzdem angenommen: alte Mikrowellen. Foto: Heike Lachmann

Nachdem das gesamte Team des Recyclinghofs wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit gefeuert worden ist und die Staatsanwaltschaft gegen vier von ihnen sowie gegen einen externen Dritten die Ermittlungen aufgenommen hat, beginnen am Freitag die Vorstellungsgespräche für die neue Mannschaft des Hofs. Bei den zu vergebenden Stellen handelt es sich um Anlernberufe, für die man keine Berufsausbildung im engeren Sinne benötigt. Über den Tarif des öffentlichen Dienstes liegt das Gehalt bei bis zu 2700 Euro brutto.

„Das Vertrauen in unsere Mitarbeiter ist auf einer Anlage wie dem Recyclinghof besonders wichtig“, erklärt Heinz-Willi Clairding, stellvertretender Bereichsleiter Abfallwirtschaft beim Aachener Stadtbetrieb, im Gespräch mit den Nachrichten. „Wichtig deshalb, weil ein Recyclinghof ein bisschen ist wie eine Wundertüte“, ergänzt seine Kollegin Anne Lehnen von der administrativen Leitung der Anlage. Konkret: Man kann nie wissen, was die Bürger am Recyclinghof abliefern — und wie viel davon.

„Es gibt zwar gewisse Wochen, in denen wir Hochbetrieb erwarten“, sagt Anne Lehnen. Beispielsweise würden in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr immer besonders viele Altgeräte abgegeben — weil Platz für Neues geschaffen werden muss. „Aber in ganz normalen Wochen ist das sehr schwer abschätzbar — und darum die Ehrlichkeit der Mitarbeiter auf der Anlage unabdingbar.“

Das Vertrauen ist zerstört

Das verlorene Vertrauen ist laut Clairding auch der ausschlaggebende Punkt für die ausgesprochene Kündigung gewesen — und nicht etwa der Wert der gestohlenen Ware. Für Altelektronik, für Papier und Metallschrott, der am Recyclinghof gesammelt und an Verwerter gegeben wird, bekommt die Stadt Geld. Für andere Abfälle, beispielsweise Holz, muss die Stadt Geld bezahlen.

Auch wenn der Umsatz hoch ist: Viel Geld verdient die Stadt nicht mit dem Recyclinghof. Dennoch: Wenn hier Wertstoffe gestohlen werden, geht das letztlich zu Lasten der Bürger. Denn der Recyclinghof ist gebührenfinanziert. Nimmt der Stadtbetrieb weniger ein, steigen die Abfallgebühren.

Während an der Kellershaustraße in Eilendorf alles seinen gewohnten Gang geht, laufen im Hintergrund die arbeitsrechtlichen und strafrechtlichen Vorgänge bei der Stadt und bei der Staatsanwaltschaft. Wie viel Elektroschrott auf illegalem Wege den Hof verlassen hat, seit wann Wertstoffe abgezwackt wurden und wer in welchem Maße beteiligt war — all das muss jetzt ermittelt werden. Wie lange das dauert ist noch nicht klar.

„Was den Betrieb angeht, hoffen wir, dass wir bis Ende des Jahres wieder in voller Personalstärke und im Zwei-Schicht-System arbeiten können“, sagt Heinz-Willi Clairding. Dann werden auch die Öffnungszeiten wieder erweitert. Bis dahin müssen die Aachener Bürger wohl an manchen Tagen etwas längere Warteschlangen in Kauf nehmen.

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